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YBN Cordae

Der HipHop-Musterschüler

Ein 22-jähriger Musterschüler rappt sich mit US-Schwergewichten wie Pusha T oder Anderson .Paak zum aktuellen Liebling der HipHop-Welt. YBN Cordae gilt als Hoffnungsträger und Brückenschlag, sein erstes Album "The Lost Boy" ist jetzt schon eine der Überraschungen des Jahres.

  • "The Lost Boy", das Debüt von YBN Cordae, ist schon jetzt eine der großen Überraschungen des Rap-Jahres 2019. Foto: Warner
  • Er ist traditionsbewusst, steht aber auch für Erneuerung: YBN Cordae gilt als Brückenbauer und große Rap-Hoffnung. Foto: Warner

Als Teil des Kollektivs YBN schaffte es Cordae Amari Dunston 2018 mit seiner Debütsingle "Old N*ggas", die Aufmerksamkeit der ganzen HipHop-Szene auf sich zu ziehen. Ein Jungspund, dessen Band sich in einem Xbox-Onlineforum gefunden und gegründet hatte, rappte da über den wachsenden Generationskonflikt im HipHop, kritisierte Drogenmissbrauch und bezog sich auf Talib Kweli und Mos Def. Von Anfang an fiel Cordae mit einem Rap-Ansatz auf, der eigentlich lange vor seiner Geburt im Jahr 1997 populär war. Das war nicht nur überraschend, sondern erstaunlich. Seither gilt YBN Cordae als potenzieller Brückenbauer zwischen Rap-Tradition und -Weiterentwicklung.

Sein gerade erschienenes Debüt "The Lost Boy" bekommt auf dieser Mission prominente Unterstützung. Mit Gastbeiträgen von US-amerikanischen Rap-Größen wie Meek Mill, Anderson .Paak, Chance The Rapper und Pusha T hat der Newcomer viele Befürworter hinter sich, die der älteren Generation signalisieren: "Der hier ist einer von den Guten!" Entsprechend beackert Cordae oft bluesige Piano- und Orgel-Arrangements, die den Geist des 90er-HipHops in den Tieftönern tragen. Big L, Nas, Biggie und Eminem zählt er zu seinen Einflüssen - allesamt Neuzeit-Poeten, die technische Finesse mit lyrischer Eleganz kombinierten, statt emotionale Zweideutigkeiten performativ zu verkappen, wie es aktuelle Top-Stars wie Future oder Travis Scott tun.

Humorvoll und reflektiert, manchmal auch ein wenig kitschig, legt YBN Cordae erstaunlich weitsichtige ("Thousand Words") und gelegentlich tapsige ("RNP") Geschichten auf seine Beats, die zu keinem Zeitpunkt bemüht wirken. "Life's a dream, but nothin' is a fairytale / Do you love me? I can barely tell". Angeblich soll Cordae auch gute Schulnoten gehabt haben, was bei einem Rapper nur selten offen ausgesprochen wird.

Zwischen Tradition und Erneuerung

"Bad Ideas" behandelt Kindheitstraumata, "Thanksgiving" verhandelt soulig-melancholisch Cordaes familiär-bedingte Belastungsstörung - demselben Thema widmet sich auch "Broke As Fuck", hier aber mit einer eher kantigen Performance. Das Konzept von "The Lost Boy" dreht sich um Familie, was schon in der Single "Have Mercy" klar wurde: "Sweet Lord, please have mercy / Baby Jesus, please save us". Sogar eine gesungene Gospel-Einlage traut sich YBN zu; er croont Refrains und flowt sich einmal durch die gesamte emotionale Klaviatur des Rap. "The Lost Boy" ist vielleicht nicht ganz ausgereift, aber experimentierfreudig und ambitioniert und allein deshalb schon eines der spannendsten Rap-Alben 2019.

Auf der anderen Seite steht das selbsternannte "lyrisches Kraftfeld" der Young Boss N*ggas aber zwischen seinen Kollegen YBN Nahmir und YBN Almighty Jay auch in aller Selbstverständlichkeit für den verhangenen Trap-Sound der Moderne, den man Rappern in seinem Alter gerne reflexartig zuschreibt. Warum aus dieser vermeintlichen Ambivalenz keinerlei Reibungspunkte entstehen? Weil Cordae ein Idealist ist. Es geht ihm um Kunst.

Der eindrucksvollste Song "Family Matters" gibt schonungslos Details seines familiären Hintergrunds preis, wenn YBN Cordae über die eigenen Abhängigkeit von Angststillern spricht oder die Vergangenheit seiner Tante als Prostituierte verarbeitet. Es ist ein Offenbarungseid, aber auch ein Reinigungsprozess, das Zuhause in einen Ort der Geborgenheit zurückverwandeln zu wollen. Wenn Cordae etwa auf "Bad Ideas" mit der Zeile "It might not be such a bad idea if I never went home again" ein altes Gil-Scott-Heron-Zitat auf seine Umstände ummünzt, demonstriert er ein ausgeprägtes kulturelles Traditionsbewusstsein - aber eben auch den unbedingten Drang, nach Hause zu kommen.

Fionn Birr

YBN Cordae - RNP (feat. Anderson .Paak)

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