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Anna Calvi

Die Jägerin wird zur Gejagten

Anna Calvi veröffentlicht unter dem Titel "Hunted" eine überarbeitete Version ihres Albums "Hunter". Darauf hört man die Songs in zierlicherem Gewand - und mit prominenten Gästen wie Charlotte Gainsbourg.

  • Anna Calvi veröffentlichte 2018 ihr gefeiertes Album "Hunter". Mit "Hunted" präsentiert sie nun neue Interpretationen jener Songs - mit prominenter Unterstützung. Foto: Domino Records
  • Die Jägerin wird zur Gejagten: Anna Calvi legt mit "Hunted" ein durchwachsenes Album vor, auf dem es neben vereinzelten Highlights auch einige Durchhänger gibt. Foto: Maisie Cousins

"Hunter" (2018) war ein wichtiges Album für die britische Gitarristin und Sängerin Anna Calvi. Ihre mit opernhaft-düsterer Stimme vorgetragenen Rockballaden setzten sich darauf deutlicher als zuvor mit Gender, Sex und Identität auseinander. "Don't Beat The Girl Out Of My Boy" ist das beste Beispiel. Calvi, die einst von Brian Eno als "das Beste seit Patti Smith" bezeichnet worden war und dann zwei Alben lang zwar sehr virtuos, aber doch vorhersehbar agierte, fand auf "Hunter" eine neue Dringlichkeit und eine neue Relevanz.

Für "Hunted", das neue Album, hat sie die Demoaufnahmen zu "Hunter" herausgekramt. Die Tracks klingen deshalb wie Unplugged-Versionen, konzentriert auf Calvis Kernkompetenzen Gitarre und Gesang und ohne die orchestralen Elemente von "Hunter". Die Basstöne rücken in den Vordergrund, jedes Sägen der verzerrten Gitarre hallt lange nach und plötzlich erinnert das Ganze nicht mehr an Patti Smith, sondern eher an Goth-Queen Chelsea Wolfe.

Enttäuschende Gastauftritte

Die auf dem Papier spannend klingenden Gastauftritte enttäuschen. Julia Holt darf für Calvi ein paar Harmonien singen, Charlotte Gainsbourg wiederholt ein paar Zeilen im Flüsterton. Die Songs werden dadurch kaum besser oder schlechter und schon gar keine Gemeinschaftskreationen. Lediglich "Don't Beat The Girl Out Of My Boy" erzeugt durch das Wechselspiel der beiden Gitarristinnen Calvi und Courtney Barnett charmant das Gefühl einer Jamsession.

Highlight ist die letzte von sieben Neuinterpretationen, "Indies Or Paradise". Calvi, die meist die Stimm- und Selbstkontrolle einer Opernsängerin ausstrahlt, geht hier ganz aus sich heraus. Begleitet nur von einem verzerrten Gitarrenriff und keinerlei Rhythmusfraktion, flüstert, singt und schreit sie zu Gott, beklagt, auf Händen und Füßen durch den Dreck zu kriechen, und wünscht sich in den Himmel.

Das Album "Hunted" ist in seinen besten Momenten rauer und intimer als man Calvi je gehört hat, in seinen schlechteren Momenten aber ziemlich belanglos. Ausgerechnet den nach Traumerfüllung klingenden Kollaborationen wohnt keine Magie inne. Wie so viele Remix-, Cover- oder Akustik-Alben wird auch dieses nur Fans beglücken.

Mathis Raabe

Anna Calvi - Eden (featuring Charlotte Gainsbourg)

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