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Mando Diao

Die Rückkehr des Gitarrenriffs

Gitarren sind out? Nicht bei Mando Diao - oder nicht mehr: Die Schweden schwimmen auf "Bang" gegen den Synthie-Trend und verlieben sich nach einer eigenen musikalisch diffusen Phase von Neuem in das Rock-Riff.

  • Ein Knall geht durch die schwedische Rock-Stube: Mando Diao veröffentlichen ihr erfrischend Gitarren-lastiges neues Album "Bang". Foto: Playground Music / Cargo
  • Stilvoll und energiegeladen: Mando Diao finden auf "Bang" zurück zu alter Stärke. Foto: Viktor Flumé

Sie waren der Inbegriff des schwedischen Rocksounds der 2000er-Jahre und schufen mit "Dance With Somebody" und "Black Saturday" Hits für die Ewigkeit. Doch auch für Mando Diao ist Erfolg endlich. Kommerziell konnte die Band mit den letzten Alben nicht mehr an die Glanztaten früherer Tage anschließen. Zudem verloren Mando Diao mit dem Weggang von Gitarrist und Sänger Gustaf Norén 2015 ein wichtiges Gründungsmitglied. Mit "Bang" setzt die Gruppe nun zu einem Befreiungsschlag an. Mando Diao klingen auf ihrem neunten Langspieler frisch, unverkrampft und erlöst von allen Rückschlägen der letzten Jahre.

Der Albumtitel ließe zunächst eine weitere thematisch fixierte Platte zu den derzeitigen Diskursthemen Klimawandel, Terrorismus und Verrohung der (digitalen) Gesellschaft vermuten. Aber hier geht es tatsächlich um etwas anderes, nämlich den emotionalen Knall im Rock'n'Roll-Sinne. Die Band um den verbliebenen Bandgründer, Sänger und Gitarristen Björn Dixgård konzentrierte sich nach dessen Aussage zuletzt primär auf die Musik, die Gitarrenriffs und die Explosivität des Moments: "Wir möchten Menschen dazu inspirieren, sich zu trauen, so frei wie nur möglich zu sein", lässt Dixgård sich im Pressetext zitieren. "Wir haben hier keinerlei Gefühle zurückgehalten", ist er überzeugt, und: "Was wir hier singen, meinen wir auch genau so. Es fühlt sich sehr befreiend an, die Dinge beim Namen zu nennen."

Ein Hauch von ZZ Top und CCR

"Don't Tell Me" ist einer dieser Songs mit einer eindeutigen Botschaft. Zu groovigem Retro-Beat und Fuzz-Gitarrenriff erklärt Dixgård, wie wichtig es ist, Menschen zu respektieren, aber dass man den Autoritäten auch nicht blind gehorchen sollte. Auch "Get Free", ein Song über die Freiheit, basiert auf einem knackigen Gitarrenriff und Björns kratziger Stimmgewalt. Der wuchtige Blues-Stampfer "I Was Blind" schlägt textlich und musikalisch in eine ähnliche Kerbe.

Mando Diao haben auf "Bang" ihre wunderbar ungehobelten 70er-Fuzzrock-Einflüsse wiedergefunden sowie charmante Hooklines und knackige Gitarrenriffs vereint. Damit kehren sie auch ein wenig vom synthetischen Sound und der Chartorientierung der vergangenen Alben ab. Das Ergebnis ist eine Platte, die eingängig klingt und von großer Spielfreude zeugt.

Bei dem trockenen Schlagzeugauftakt und dem sanft hereinfließenden Blues-Gitarrenriff von "Scream For You" fühlt man sich fast ein wenig an frühe Werke von ZZ Top und Creedence Clearwater Revival erinnert. Vor allem hier glaubt man gemäß Dixgårds Erklärung, dass Mando Diao sich tatsächlich nur auf sich selbst und das gute Gefühl beim Songwriting und den anschließenden Aufnahmen fokussierten. So finden nun alle Nachwuchsgitarristen eine Menge cooler Riffs zum Nachspielen, und die alternden Rockfans und verbliebenen Gitarrenmusikdiskotheken können ihre Plattenbestände mit einem überzeugenden, mitreißenden neuen Album aufstocken - so oft kommt das dieser Tage nicht mehr vor.

Klaas Tigchelaar

Mando Diao - Long Long Way

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