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Howard Jones

Ein Pop-Skeptiker kehrt zurück zum Pop

Howard Jones und der Zeitgeist finden endlich wieder zueinander: Mit "Transform" veröffentlicht der Synthie-Pionier der 80-er sein erstes klassisches Pop-Album seit zehn Jahren.

  • Mit "Transform" veröffentlicht Howard Jones endlich mal wieder ein richtiges Pop-Album. Foto: IMG
  • Zurück zu den Wurzeln: 80er-Jahre-Held Howard Jones hat für das Album "Transform" seine alten Synthesizer herausgekramt und spielt jetzt wieder Pop. Foto: IMG

Er spielte Akustik-Touren, veröffentlichte reine Piano-Alben, arbeitete mit Chören und Orchestern, experimentierte mit Klassik und Ambient: Howard Jones war fleißig in den letzten Jahren. Was es aber schon lange nicht mehr gab: ein echtes Pop-Album von Howard Jones. Und das, obwohl gerade "sein" ursprünglicher Sound, der Synthie-Pop der 80-er, seit einiger Zeit wieder en vogue ist. Sehr zur Freude seiner (alten) Fans kehrt der 64-jährige Waliser nun aber doch noch einmal zu seinen Wurzeln zurück und veröffentlicht mit "Transform" seine erste Pop-Platte seit zehn Jahren.

Dass die 80er-Ikone Howard Jones ("What Is Love?", "Things Can Only Get Better") ausgerechnet das 80er-Revival lange ignorierte - vielleicht war es sogar Absicht. "Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass das, was als 'cool' gilt, oft sehr seicht und vergänglich ist," erklärte Jones vor vielen Jahren einmal in einem Interview. Zu dem Zeitpunkt hatte er mit dem Mainstream schon nichts mehr zu tun. In den 80-ern schwamm Jones auf einer Welle mit Depeche Mode, The Human League und Soft Cell, er spielte bei Live Aid vor einem Milliarden-TV-Publikum, dann verdruckste er sich in künstlerische Eigenbrötelei. Obwohl Howard Jones ein zeitloses Pop-Gespür besitzt, liegen alle nennenswerten Charterfolge über 30 Jahre zurück.

Ab und zu ein bisschen käsig

Eine Rückkehr nach ganz oben wird wohl es auch mit "Transform" nicht geben. Es fehlt der Buzz in den sozialen Medien, außerdem sind viele der neuen Songs für ein großes Howard-Jones-Comeback viel zu uncool. Mit den fein produzierten Electro-Pleasern "The One To Love You" und "Transform" oder auch der Funk-Nummer "Stay With Me" trifft er ziemlich genau den Zeitgeist. Es gibt aber auch einige Titel, die den modernen Schliff vermissen lassen und sich fast ausschließlich auf die alten Synthesizer stützen ("Hero In Your Eyes", "Eagle Will Fly Again") - da wirkt die Musik auf "Transform" dann bisweilen ein bisschen käsig. Ob er nun zeitgemäß klingt oder nicht, ist dem britischen Godfahter of Synth-Pop aber wahrscheinlich auch völlig egal. Ein Blick auf das Cover von "Transform": Howard Jones, mit geschlossenen Augen, in sich ruhend.

Der langjährige Buddhist Jones bringt auf den neuen Songs zahlreiche philosophische Themen unter. Mit seiner immer noch hellen und freundlichen Stimme singt er von Wahrhaftigkeit und Erkenntnis, und besonders oft geht es auch darum, sich nicht von seinem Weg abbringen zu lassen. Etwa in der munter galoppierenden Dance-Nummer "Take Us Higher", einem Highlight des Albums: "When the world takes a u-turn, straighten the wheel and go for a drive". Der Titelsong "Transform" wiederum handelt davon, dass echte Veränderung nur von innen kommen kann und nichts mit neuen Autoreifen oder weggebügelten Falten zu tun hat. Buddha würde dem sicher zustimmen, und auch sonst kann Howard Jones zufrieden mit diesem Album sein, das durchaus seine guten Momente hat. Darauf, dass auch die nächste Platte wieder nach 80er-Pop klingt, sollten sich seine Anhänger aber besser nicht verlassen.

John Fasnaugh

Howard Jones - The One To Love You

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