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Moses Pelham

Ein roter Faden aus Herzblut

Auf dem neuen Album "Emuna" teilt Moses Pelham sein Leid einmal mehr mit der Welt - und macht sie dadurch zu einer besseren.

  • Viel Leidenschaft, viel Herzblut, viel gute Musik: Moses Pelham veröffentlicht sein neues Album "Emuna". Foto: Sony Music
  • Rap-Legende Moses Pelham kehrt auf "Emuna" einmal mehr sein Innerstes nach außen und glänzt diesmal sogar als Sänger. Foto: Katja Kuhl / Sony Music

Moses Pelham ist das, was man eine lebende Legende nennt: erfolgreicher Rapper, Produzent, A&R, Geschäftsmann, Traumverwirklicher. Ein Vollblutkünstler, der seit fast vier Dekaden sein Innerstes nach außen kehrt und sein Herzblut ins Mic spuckt. "Direkt aus Rödelheim" hat Pelham stets Rhymes regnen lassen, kompromisslos sein Leid geteilt und dabei immer schonungslose Offenheit gezeigt wie kaum jemand sonst in der hiesigen HipHop-Szene. Inzwischen geht der Frankfurter auf die 50 zu, aber leise wird er deswegen kein bisschen - im Gegenteil.

Sein neues Album "Emuna" sollte man ganz laut aufdrehen, denn Moses Pelham hat viel zu sagen. Bereits der Opener "Notaufnahme" geht tiefer unter die Haut als Infusionsnadeln, wenn Pelham seine Hörer wissen lässt, dass Musik für ihn nichts anderes ist als eine lebenserhaltende Maßnahme, die er braucht wie die Luft zum Atmen. Der operationsraumeinnehmende Beat, eine pressende Pianomelodie, das Sample eines EKG-Geräts und nicht zuletzt Pelhams eindringlicher Wortvortrag: Schon auf dem ersten von zwölf Tracks geht der 49-Jährige aufs Ganze und packt nichts anderes als sein gesamtes Leben in die neue Platte.

Das Teilen von Leid als Kunstform

Ein weiterer Gänsehaut erzeugender Beleg dafür ist das Stück "Weiße Fahne", das Pelham im Vorfeld bereits als Single veröffentlichte. Auch hier legt sich der Frankfurter wieder mit allem, was er hat, in das vor Herzblut nur so triefende Piano: kein Beat, keine Vielzahl an Instrumenten - lediglich Klavier, später ein paar Streicher und Pelhams Innerstes, das er nackt und behutsam über die Takte wiegt wie ein neugeborenes Baby. Den Refrain singt er sogar selbst, weil das Stück für ihn so persönlich und intim ist, das kein anderer außer ihm selbst dafür infrage gekommen wäre. So setzt er sich nicht nur als beeindruckender Rapper, sondern neuerdings auch als Sänger in Szene. Das Cover von "Juli", ebenfalls vor einigen Wochen vorab veröffentlicht, war der erste Song überhaupt, auf dem man Pelham als Sänger hörte.

Doch Pelham wäre nicht Pelham, wenn er nicht auch anders könnte: "Backstein" ist ein lupenreiner Battlerap-Track, eine Abrechnung mit "schlecht rappenden Gangstarappern", die "dumm sind wie sieben Meter Feldweg". Auf "ÄÄÄ!!!111" thematisiert er einmal mehr seinen Hang zu übertriebenem Alkoholkonsum und "I Love You" ist eine weitere Liebeserklärung an die Musik, die er zusammen mit seinem Frankfurter Homie Vega aufgenommen hat. So wird "Emuna" zu einem großen Album von einem großartigen Künstler, der aus dem akustischen Teilen von Leid eine eigene Kunstform geschaffen hat.

Daniel Schieferdecker

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