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Ringo Starr

Eine Ode an das Leben

Er holte wieder einmal zahlreiche Superstars zu sich ins Studio und huldigt am Ende John Lennon: Mit "What's My Name" legt Ringo Starr ein Schmuckstück vor, das nicht nur bei Beatles-Fans gut ankommen wird.

  • "Peace!" - Ringo Starr, schon immer als sehr umgänglich bekannt, zeigt sich auch auf "What's My Name" von seiner sympathischen Seite. Foto:
  • Der Mann hat allen Grund, sich feiern zu lassen. Ringo Starr, der mit den Beatles schon Musikgeschichte schrieb, veröffentlicht als knapp 80-Jähriger sein 20. Studioalbum - "What's My Name". Foto: 2013 Getty Images/Bradley Kanaris

Bald jährt sich das Ende der Beatles zum 50. Mal, doch die beiden noch lebenden Ex-Beatles Paul McCartney und Ringo Starr scheinen umtriebiger denn je zu sein. Beide veröffentlichen immer noch regelmäßig neue Platten, und gerade Ringo Starr war in den letzten 20 Jahren seiner Karriere unheimlich produktiv - fast so, als wolle er seinen vermeintlichen Mangel an Großtaten während der Fab-Four-Ära (nur zwei selbst geschriebene und drei Songs als Co-Autor) mit Fleiß und Präsenz aufwiegen. Nur zwei Jahre nach "Give More Love" erscheint nun mit "What's My Name" das nächste neue Album.

Was seine Anerkennung als Musiker angeht, muss Sir Richard Starkey sich eigentlich keine Sorgen mehr machen. Längst wurde sein hoher Stellenwert im Popkosmos von zahllosen Kollegen bestätigt. Mit seiner All Starr Band - der Name deutet es schon an - scharte er in den letzten 30 Jahren unzählige Rockgrößen seiner Generation in unterschiedlichsten Besetzungen um sich. Und er ist beliebt. Schon damals bei den Beatles galt er nicht nur als der manchmal tapsige Kumpeltyp mit treuem Blick und markanter Nase, sondern auch als ein ruhiger, stets humorvoller Zeitgenosse. Immer wieder schaffte er es mit seinem sympathischen Wesen, Spannungen innerhalb der Band zu lockern und zu lösen.

Noch immer voller Tatendrang

Und auch wenn für Starr nur der vierte Platz in der Songschreiber-Ruhmeshalle der Liverpooler Band übrigblieb, ist er der fleißigste Ex-Beatle. Mit "What's My Name" veröffentlicht Starr sein inzwischen 20. Studiowerk (die zahlreichen All-Starr-Band-Alben nicht eingerechnet!), womit er Paul McCartney um zwei Alben übertrifft. In sein Heimstudio lud Mr. Starr diesmal unter anderem Legenden wie Ex-Bandkollege McCartney (natürlich), Dave Stewart (Eurythmics), Joe Walsh (Eagles), Edgar Winter, Steve Lukather (Toto), Nathan East (Fourplay), Colin Hay (Men At Work), Benmont Tench (Tom Petty, Johnny Cash), Richard Page (Mr. Mister), Windy Wagner und Kari Kimmel ein.

Als Hauptsongschreiber tritt Ringo Starr auf "What's My Name" nicht in Erscheinung, vielmehr war es ihm diesmal wichtig, die Stücke gemeinsam mit seinen Gästen zu entwickeln. Daneben geht es hier wohl vor allem auch darum, das Leben zu feiern. Ringo ist noch da, er ist fit, winkt uns zu und steckt ein dreiviertel Jahr vor seinem 80. Geburtstag immer noch voller Tatendrang: "What's My Name?", ruft er wie mit gereckter Faust im Titeltrack, "Ringo!" skandiert der Background. "Life Is Good", "Thank God For Music" - Ringo Starr zeigt seine Dankbarkeit für ein erfülltes und gutes Leben, und er gibt so viel zurück, wie er nur kann: "Send Love Spread Peace", "Magic", "Gotta Get Up To Get Down".

Eine Verneigung vor John Lennon

Mit swingender Altersmilde grooven Starr und seine opulente Riege an Mitmusikern durch eine unwiderstehliche Mischung aus AOR-Rock, Blues- und Pop-Momenten. Starrs stets tiefgehender und warmer Sound, der sowohl im Gesang als auch in seinem unverwechselbar stoischen Schlagzeugspiel stets zugegen ist, wirkt nach wie vor cool und unverkrampft. Sogar mit Autotune harmoniert Starrs Stimmlage. Auf "Money" (im Original von Barrett Strong) tuned er sich augenzwinkernd durch den mittlerweile 60-jährigen Evergreen, den die Beatles 1963 ebenfalls coverten und so zu einem erinnerungswürdigen Stück Rock'n'Roll-Geschichte machten.

Besonders berührend ist auch das beschauliche Stück "Grow Old With Me" aus der Feder von John Lennon. Einst ein Überbleibsel aus den letzten Demos vor Lennons Tod 1980, erschien der Song später auf dem Lennon/Ono-Langspieler "Milk And Honey" (1984). Gemeinsam mit Paul McCartney am Bass und den arrangierten Streichern, die so auch von George Harrison hätten kommen können, fühlt der Song sich für einen kurzen Moment fast wie eine Reunion der Beatles an. Zum Schluss hört man Starr ganz leise "God bless you, John" sagen. Wer die Beatles je geliebt hat, dem kann da nur das Herz aufgehen!

Constantin Aravanlis

Ringo Starr - Grow Old With Me

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