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30. Ausgabe des Metal-Großevents

Es begann mit 800 Menschen in einer Kiesgrube: Die Entwicklung des W:O:A

Das "Wacken Open Air" ist das größte und bekannteste Heavy-Metal-Festival der Welt. In diesem Jahr findet das "W:O:A" zum 30. Mal statt. Was einst ganz klein anfing, hat sich inzwischen zu einem millionenschweren Business entwickelt - und doch nie sein familiäres Flair verloren.

  • Knapp 2.000 Einwohner hat Wacken. Wenn das dortige Festival ruft, kommen für ein paar Tage circa 80.000 weitere hinzu. Foto: 2011 Getty Images
  • Was einst mit knapp 800 Besuchern in einer Kiesgrube begann, hat sich inzwischen zum größten Heavy-Metal-Festival der Welt entwickelt: Wacken ist Kult! Foto: Alexander Koerner/Getty Images
  • Sie nennen es das "Metal-Mekka": Wer laute Musik liebt, muss einmal im Leben in Wacken gewesen sein. Foto: Alexander Koerner/Getty Images
  • Vor Jahren noch waren schwarze Klamotten Pflicht. Längst aber ist Wacken auch ein bisschen Karneval. Foto: Sean Gallup/Getty Images
  • Ob Regen oder Sonnenschein: In Wacken herrscht immer gute Laune. Foto: Didier Messens/Getty Images
  • Wacken heißt seit jeher auch: Familie. Hier packen alle mit an (Archivbild, 1990). Foto: ICS Festival Service GmbH
  • "Haben wir Strom?": Die heutigen Wacken-Techniker würden diese Aufnahme aus dem Jahr 1990 wohl ziemlich putzig finden. Foto: ICS Festival Service GmbH
  • Heute stehen in Wacken die wahrscheinlich größten Bühnen, die die Metalwelt zu bieten hat. Bei der Premiere 1990 war alles noch etwas kleiner dimensioniert. Foto: ICS Festival Service GmbH
  • Wacken begann mit ein paar Freunden und ihrem Traum, ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen. Von Anfang an mit dabei: Thomas Jensen (obere Reihe, zweiter von rechts), einer der Gründerväter - hier bei der zweiten Wacken-Auflage im Jahr 1991. Foto: ICS Festival Service GmbH
  • Kleine Bühne, davor noch relativ viel Grün und Bewegungsfreiheit: Wacken im Jahr 1992. Foto: ICS Festival Service GmbH
  • Headbanger beim Wacken Open Air 1992. Ob sie da schon ahnten, dass hier einmal das größte Metal-Festival der Welt entstehen würde? Foto: ICS Festival Service GmbH
  • Schlicht, aber doch eindrucksvoll: So sah es aus, das erste Wacken-Plakat aus dem Jahr 1990. Foto: ICS Festival Service GmbH
  • Ein Metal-Event der Superlative: 75.000 Besucher aus aller Welt pilgern jährlich nach Wacken. Foto: 2018 Gina Wetzler
  • Man kann in Wacken inzwischen an Lesungen teilnehmen und in einem Diskussionsforum über Nachhaltigkeit debattieren. Im Vordergrund steht aber natürlich immer noch die Freude an lauter Musik. Foto: 2018 Gina Wetzler

Es ist eine Geschichte, die filmreif ist. Eine Geschichte, durchzogen von Tugenden wie Freundschaft, Loyalität, Durchhaltevermögen, Idealismus und Leidenschaft. 1989 beschlossen Thomas Jensen und Holger Hübner, ein eigenes Rockfestival auf die Beine zu stellen. So, wie es wahrscheinlich schon viele Freunde an vielen Orten Deutschlands getan haben, ohne dass je etwas Großes daraus wurde. Das Besondere in Wacken ist seit jeher: Alle helfen mit - für das gemeinsame Ziel. 1990, zum ersten Festival in einer Kiesgrube, kamen knapp 800 Besucher. Heute gilt das "Wacken Open Air", das 2019 zum 30. Mal stattfindet, mit jährlich bis zu 85.000 Besuchern als das größte Heavy-Metal-Festival der Welt. Ein Blick zurück auf die bescheidenen Anfänge und den Weg zum Metal-Event der Superlative.

Nach einer kurzen Phase des Aufstiegs - 1992 konnte mit Saxon erstmals eine international erfolgreiche Band als Headliner gewonnen werden - stand das Festival vor dem finanziellen Aus. An dieser Stelle trennte sich die Spreu vom Weizen. Mit viel Unterstützung und Zusammenhalt rappelten sich die Veranstalter wieder auf, und bereits 1996 wurde Wacken als "das Kultfestival" angekündigt. Das Zweitagesticket kostete damals 49 Mark, Headliner waren die Böhsen Onkelz. Obwohl umstritten und oft in die rechte Ecke gestellt, traten die Onkelz auch 2004 wieder in Wacken auf. Die Veranstalter, die die Diskussionen rund um die Band aufmerksam verfolgten, gingen seinerzeit in die Offensive und veröffentlichten ein Statement: "Wenn die Berichte zutreffen würden und wir es nicht besser wüssten, so würden wir die Onkelz und deren Fans ganz bestimmt nicht auf unserem Festival haben wollen", hieß es, und: "Warum sollten wir uns unser Image versauen wollen?"

Genau: das Image. Wacken steht inzwischen nicht nur für Heavy Metal, sondern auch für Weltoffenheit. Für ein friedliches Miteinander und für ein Paralleluniversum, in dem nicht nur die großen Bands der Szene ihren Platz haben. Wobei "Szene" im Fall von Wacken ein sehr weiter Begriff ist, der klassische Rockbands (Scorpions, Foreigner, Deep Purple) ebenso einschließt wie traditionellen Heavy Metal (Iron Maiden, Judas Priest) und extremere Metal-Spielarten (Slayer, Marilyn Manson). Auch Komiker wie Bülent Ceylan oder Otto Waalkes traten schon auf dem Wacken-Festival auf. Geht's noch kurioser? Klar: 2011 etwa stand Roberto Blanco mit Sodom auf der Bühne, 2013 Heino mit Rammstein. So etwas gibt es nur in Wacken - in der größten und großherzigsten Heavy-Metal-Herberge der Welt.

Mehr als ein Dorf, mehr als ein Musikfestival

Aber auch abseits der Bühne wurde in Wacken immer wieder Neues ausprobiert. Nicht alles funktionierte, vieles aber konnte etabliert werden. So werden in der "Wacken Foundation" bereits seit zehn Jahren neue Bands gefördert, und auch der "W:O:A Metal Battle" bietet dem Nachwuchs die Chance, sich vor internationalem Publikum zu beweisen. Darüber hinaus wurde im Lauf der Jahre ein breites Rahmenprogramm aufgebaut, das mit dem Konsum von lauter Musik nur noch wenig zu tun hat. Es gibt Lesungen, ein Gaming-Dorf mit Videospielen und seit diesem Jahr auch die "Future Factory", eine Art Diskussionsforum. Dort stehen beispielsweise Workshops zu Upcycling und Mikroplastik auf der Agenda, zudem werden Fachleute über Themen wie Corporate Responsibility und Müllvermeidung debattieren. Während nebenan Mähnen geschüttelt und Bierbecher geleert werden.

Das Wacken Open Air ist längst mehr als die Summe der Bands, die dort auftreten. Viele bezeichnen das Festival inzwischen als "Metal-Mekka", als Legende und Mythos. Jeder Metal-Fan sollte mindestens einmal in seinem Leben dort gewesen sein, so die Idee. Die Strahlkraft von Wacken ist zweifellos enorm: Das Festival zieht seit Jahren auch immer wieder Neugierige an, welche die Atmosphäre einatmen wollen, obwohl sie im Alltag mit der Musik wenig zu tun haben. Hinzukommt inzwischen auch eine großflächige Berichterstattung mit Nachrichtenbeiträgen und zahlreiche Dokumentationen. Berühmt ist vor allem der 2006 erschienene und mehrfach preisgekrönte Film "Full Metal Village", der dem Event seinerzeit noch einmal einen enormen Aufmerksamkeitsschub bescherte.

Auch wirtschaftlich ist Wacken mittlerweile ein absolutes Schwergewicht. Der durchschnittliche Besucher gibt heute mehrere Hundert Euro in Wacken und Umgebung aus - bei 75.000 Gästen pro Jahr kommt dadurch eine ordentliche Summe zusammen. Ein Faktor für die ganze ländliche Region. Nicht zuletzt lockt Wacken heute auch viele Sponsoren und Kooperationspartner an: Die "Bier-Pipeline" ging 2017 durch die Presse; geschätzt sind es rund 400.000 Liter, die der Partner Becks alljährlich auf die Felder schiebt. 2019 richtet erstmals der Einzelhandelsriese Kaufland auf dem Campinggelände einen "Metal-Markt" ein. Die Artikelliste gibt es per PDF bereits vorab, vom Pop-up-Zelt bis zu Ohropax, vom Grillgut bis zu frischem Obst und Gemüse reicht das Angebot. Die Festivalwelt hat sich verändert, und auch Wacken hat sich verändert.

Neben dem eigentlichen Festival, zu dessen Bild inzwischen auch neugierige, absolt nicht Metal-affine Wacken-Touristen und freundliche Rentner in ihren Vorgärten gehören, werden von den Wacken-Machern mittlerweile auch die Wacken Winter Nights sowie "Full Metal"-Events auf Kreuzfahrtschiffen, in den Alpen und am Strand von Mallorca veranstaltet. Unter dem Dach der Firma ICS, der Holger Hübner und Thomas Jensen vorstehen, sind zahlreiche Unternehmen versammelt, darunter eine Ticketing-Plattform, Musikverlage, Management-Agenturen und ja, selbst eine Schlagernacht fällt heute in das Portfolio der zwei umtriebigen Jugendfreunde aus der kleinen Gemeinde in der Nähe von Itzehoe. Was damals mit knapp 800 Besuchern in einer Kiesgrube begann, hat sich dank großer Innovationsfreude zu einem Multi-Millionen-Euro-Business entwickelt, und trotzdem fühlt sich Wacken für die Fans heute noch so familiär an wie damals, als alles losging. Nein, so eine Geschichte gibt es kein zweites Mal.

Auch in diesem Jahr: Metal fürs Wohnzimmer

Einmal mehr ist das "W:O:A" restlos ausverkauft. 85.000 Metal-Fans werden bis Samstag, 3. August, auf den Feldern und Wiesen erwartet. Wer jedoch kein Ticket zum weltweit größten Festival seiner Art ergattern konnte, muss nicht gleich total am Boden zerstört sein: Etliche Auftritte der teilnehmenden Bands kann man online oder im TV live und kostenlos miterleben. Die Telekom bietet über ihre Website MagentaMusik 360 einen Gratis-Livestream an - zu sehen ab Donnerstag, 14.30 Uhr. Auch via App oder über MagentaTV kommen die Zuschauer in den Genuß der Metal-Veranstaltung. Einige namhafte Konzerte der zwei Hauptbühnen sollen zum Streaming bereitstehen. Zu den bislang bestätigten Bands zählen beispielsweise Sabaton, Hammerfall und Subway to Sally. Auch in der MagentaTV Megathek sollen einige Konzerte im Nachhinein als Video on Demand angeboten werden. Und auch im Free-TV kommen Musikfans auf ihre Kosten: 3sat hat angekündigt, am Samstag, 3. August, ab 20.15 Uhr, die Konzerte von Sabaton, Bullet for my Valentine, Hammerfall und Parkway Drive live zu übertragen. Zudem werden auch auf "Wacken TV", dem offiziellen YouTube-Kanal des Festivals, hinterher Mitschnitte der Auftritte oder gar komplette Konzerte zur Verfügung stehen.

Alex Diehl

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