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La Féline

Gegensätze ziehen sie an

Ist das nun komplett abgehoben - oder ganz besonders tiefgründig? So oder so: Ganz irdisch klingt La Félines "Vie Future" nicht.

  • Ein wunderbares Album für die dunkle Jahreszeit: Mit "Vie Future" ist La Féline ein echtes Schmuckstück gelungen. Foto: Kwaidan Records
  • Die Französin Agnès Gayraud ist Philosphin, Journalistin - und Musikerin: Als La Féline (die Katze) hat sie nun ihr drittes Album "Vie Future" veröffentlicht. Foto: Kwaidan Records

Na, schon brav den Hegel durchgearbeitet heute? Müssen Sie auch gar nicht: Das hat Agnès Gayraud alias La Féline schon längst erledigt - und in einen Pop gegossen, der Köpfchen hat, ohne verkopft zu sein. Die Songs auf "Vie Future" marschieren durch den Bauch direkt ins Herz. Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass die französische Künstlerin bei der Planung ihres neuen Albums vom wahren Leben eingeholt wurde.

Im Nebenberuf ist Gayraud auch noch Philosophin und Journalistin, gewissermaßen eine französische Intellektuelle des alten Schlags. Ihr philosophischer Essay über die Dialektik des Pop ("Dialectique de la pop") erscheint im Januar auch auf Englisch; im Privatleben musste sie sich mit Gegensätzen auseinandersetzen, als sie die Arbeit an ihrem dritten Album begann: Zunächst erfuhr sie vom bevorstehenden Tod ihres Stiefvaters, kurz darauf dann, dass in ihr selbst gerade ein neues Leben heranwuchs. In diesem emotionalen Spannungsfeld schuf Gayraud mit ihrem Produzenten Xavier Thiry zehn Lieder, die den ganz großen Bogen schlagen: Mit dunklen Bässen und flirrenden Höhen, mit Synthesizern und Streichern spannt das Duo Soundflächen auf, in denen man sich, begleitet von Gayrauds sanftem Gesang, gerne verliert. Der Klang ist nicht so ganz von dieser Welt, soviel ist klar - nur, ob man sich in besonders tiefen Tiefen bewegt oder doch schon ins Weltall abgehoben ist, das darf man von Sekunde zu Sekunde neu entscheiden.

Schon der Opener "Palmiers Sauvages", der die Palmen des Sunset Boulevard besingt, bewegt sich mit lässigem Fingerschnipsen und verhallten Backgroundsängerinnen irgendwo zwischen entspannt und geisterhaft, während Gayraud sich der Hoffnungslosigkeit angesichts der Klimakrise hingibt: "Du verwunderst mich / Du tust so, als ob du lebst" (übersetzt), heißt es hier reichlich defätistisch. Dann wieder lässt sie etwa in "Voyage à Cythère" den Herzschlag ihres ungeborenen Babys durch den Song führen, während sie selbst zu sanft scheppernden Keyboard- und Synthesizerklängen der bedingungslosen Liebe nachspürt. Kopfhörer auf, Augen zu - ein perfektes Album für die dunkle Jahreszeit.

Sabine Metzger

La Féline - Visions de Dieu

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