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Pixies

Im eigenen Schatten

Die Pixies waren mit ihrem Alternative Rock einst musikalische Wegweiser. Mit ihrem neuen Album "Beneath The Eyrie" haben sie nun ein ansprechendes, aus der Zeit gefallenes Stück Rockmusik geschaffen, das höchstens an den Ansprüchen der Fans scheitern kann.

  • Düster, morbide, unaufgeregt: "Beneath The Eyrie" ist ein gutes Pixies-Album, das im Gegensatz zu den frühen Alben aber keinen wegweisendenden Charakter mehr besitzt. Foto:
  • Die Pixies veröffentlichen mit "Beneath The Eyrie" das dritte Album nach der Reunion. Von links: Joey Santiago, Paz Lenchantin, David Lovering und Black Francis. Foto: Travis Shinn

Als die Pixies ihre beste Zeit hatten, war die VHS noch Heimkino-Standard und Berlin noch durch eine Mauer geteilt. In den späten 80-ern kultivierte die Band von der US-amerikanischen Ostküste ihre Mischung aus Punk, Surf Rock und dynamischen Lautstärkewechseln, und so wurden die Pixies Vorbilder und Wegbereiter für viele Stars der 90er-Jahre - für Kurt Cobain und Thom Yorke (Radiohead) etwa. Ihr Klassiker "Where Is My Mind?" wurde unzählige Male gecovert. Mit den vier Alben vor ihrer Auflösung 1993 schrieben die Pixies Musikgeschichte, doch nach ihrer Reunion (das Comeback-Album "Indie Cindy" erschien 2014) fanden sie nicht mehr vollends zur alten Stärke zurück. Mit "Beneath The Eyrie", Album Nummer drei in diesem Jahrtausend, ändert sich das.

Was haben die Pixies 2019 noch zu bieten? Wie klingt dieses siebte Album, wenn man nichts über die Band aus Boston weiß und ihre Geschichte nicht kennt? Düstere Rock-Elemente, viel Energie und das biblische Kainsmal-Motiv eröffnen ein Album, das man durchaus als morbide verstehen kann. Lauwarme Anschläge ziehen sich durch Songs mit Titeln wie "On Graveyard Hill", während Sänger Black Francis sich an anderer Stelle durch die Hexenstunde raunt ("Witching Hour").

Spielfreude und Routine

Wer es gut meint mit den Pixies und ihren Gothic-Motiven, bei dem sägen sich die Riffs langsam ins Fleisch, bis auf die Knochen. Aus dem Trällern von "Catfish Kate", das man fast mit klassischem Britpop verwechseln könnte, entspinnt sich eine fesselnde Geschichte um einen Todeskampf mit einem Wels. "This Is My Fate" ist ein Spelunken-Schunkler, der auch Tom Waits gut zu Gesicht stehen würde, und "Los Surfers Muertos" zelebriert Dream-Pop mit einem gewissen Nonsens-Einschlag, den man getrost überhören kann, der dem Song aber zu einer eigenwilligen trashigen Tiefe verhilft.

Wie man "Beneath The Eyrie" erlebt, wird am Ende stark von dem jeweiligen Vorwissen zu den Pixies abhängen. Ihr siebtes Album ist eine hörenswerte Fahrt, allerdings eine durch bekannte Gewässer. Es gehört nicht zu den besten Alben der Pixies und hat auch nicht den Anspruch, als musikalischer Wegweiser zu fungieren. Dafür vereint diese Platte eine spürbare Spielfreude mit jahrzehntelanger Routine. Das macht die düstere Songsammlung von Black Francis und seinen Mitstreitern zu einem schönen und angenehm unaufgeregten Album - sofern man die Messlatte eben nicht zu hoch anlegt.

Arne Lehrke

Pixies - On Graveyard Hill

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