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Miss Platnum & Bazzazian

Jetzt also Kunst

Entspannt emotional - geht das? Bei den beiden? Miss Platnum und Bazzazian zeigen auf "The Opera" unerwartete neue Facetten.

  • Da haben sich zwei gefunden: Miss Platnum und Bazzazian veröfentlichen das gemeinsame Album "The Opera". Foto: Universal Music
  • "Dann lieber Kunst": Auf "The Opera" zeigen sich sowohl Miss Platnum als auch Bazzazian von einer neuen Seite. Foto: Phillip Kaminiak

Es ist nicht so, als hätten sie es nicht angekündigt. "Ich muss nicht immer harte Ghetto-Beats bauen und hätte auch Bock, andere Sachen zu veröffentlichen", erklärte Bazzazian schon vor drei Jahren in einem Interview mit dem HipHop-Magazin "Juice". Ruth Renner alias Miss Platnum goss ihre Intentionen sogar in Musik: "Das Label hat'n Tipp: Mach mal'n Hit. Dann noch'n Hit, noch'n Hit, noch'n Hit. Ich mach da nicht mit - dann lieber Kunst", sang sie 2014 in "99 Probleme". Und jetzt ist genau das passiert: Bazzazian und Miss Platnum haben sich für ein Album zusammengetan, von dem sicher nicht alle alten Fans begeistert sein werden. Ein großer Wurf ist "The Opera" trotzdem geworden.

Dem Architekten von Haftbefehls "Russisch Roulette" hätte man nicht unbedingt die Wärme zugetraut, die zum Beispiel im Titeltrack "The Opera" zu hören ist. "Inside me, there's an orchestra playing", singt Renner, und Bazzazian schließt einen großen Klangraum mit viel Tiefe und sanft pulsierenden Beats auf, der diesem Orchester und ihrer Stimme den nötigen Platz zur Entfaltung bietet. Etwas drängender wird's in "Rainbow Jesus", wenn den beiden das Kunststück gelingt, einer völlig durch den Autotune-Fleischwolf gedrehten Stimme noch echte Emotionen zu entlocken.

Grandios auch die Breakup-Hymne "You Will Shoot", die sich über flirrenden Soundflächen von einem ruhigen Flüstern zu einem schneidenden Chor steigert und das Drama dann doch mit einem Augenzwinkern beendet. Dass Miss Platnum und Bazzazian vielleicht doch ein bisschen an die Liebe glauben, deuten sie direkt im nächsten Track an: "Sparkle" bietet zwischen Zittersynthies und Klavier die schönsten Harmonien des Albums und gibt sich - passend zur wiederholten Bitte "Come closer" - unheimlich nahbar.

Weniger fordern, mehr forschen

So steigert sich das Album von Track zu Track, bis es mit dem Sieben-Minuten-Epos "Weapons" seinen Höhepunkt erreicht. Die kontemplative Nummer mag ein bisschen selbstverliebt wirken, aber sie funktioniert: Der Wechsel zwischen ruhigen Parts, in denen Renners Stimme vor zurückhaltendem Hintergrund strahlen darf, und dem Refrain, in dem sie mit Chor und metallischen Orgelklängen emporgehoben wird, entfaltet seine Wirkung erst langsam, dafür umso stärker, und lässt den Hörer angenehm erschüttert zurück.

Aus der Kurzmeditation wird man allerdings gleich wieder herausgerissen mit dem etwas schlichten Titel "Lelele": "Roll down your window! Now gimme your money!", fordert Renner hier zu geradlinigen Beats. Vielleicht kommt die rotzige Nummer dem am nächsten, was viele Fans sich von dieser Zusammenarbeit erhofft hatten. Jedoch: Sie bleibt ziemlich alleine auf dem Album, auch die folgenden Tracks fordern weniger, um stattdessen lieber zu forschen und zu fragen. "Mit Miss Platnum habe ich ein paar Mal gearbeitet - eine überkrasse Sängerin, die in meinen Augen ein Star sein müsste", schwärmte Bazzazian damals im besagten "Juice"-Interview. Wird Miss Platnum nun also mit diesem Album zum "Star"? Eher nicht, für große Hits sind die Tracks auf "The Opera" zu eigen. Aber hey: Das mit der Kunst hat geklappt.

Sabine Metzger

Miss Platnum & Bazzazian - Rainbow Jesus

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