MyMz

Kiefer Sutherland

Mit ehrlicher Wärme

Jack Bauer, ein Junge vom Land? Kiefer Sutherland veröffentlicht mit "Reckless & Me" sein zweites Album als Country-Rocker.

  • Kiefer Sutherland veröffentlicht mit "Reckless & Me" sein zweites Album. Foto: Warner Music
  • Die TV-Serie "24" machte Kiefer Sutherland weltweit zum Star. Jetzt legt er sein zweites Album vor. Foto: Mumpi Künster / monsterpics

Zugegeben, der erste Gedanke war nicht eben charmant: Das neue Album von Kiefer Sutherland? Der singt jetzt auch noch? Was wird so ein älterer weißer Hollywoodstar schon für Musik machen, sicher Rock, vielleicht mit Country-Einschlag. Es stellt sich heraus, das war so nicht ganz akkurat. Sutherland ist keiner, der "jetzt auch noch singt". Der Schauspieler ("24") ist Mitbetreiber eines (sehr, sehr kleinen) Indie-Labels und hat 2016 bereits sein Debüt veröffentlicht, das aktuelle Album "Reckless & Me" ist also schon das zweite.

Was die Musik angeht: Es ist kein Rock mit Country-Einschlag. Es ist Country mit Rock-Einschlag. Klar, das ist auch nicht eben überraschend, vielleicht sogar ein wenig zu erwartbar, aber man kann Sutherland wohl kaum einen Vorwurf daraus machen, dass er seine musikalischen Ambitionen nicht im Elektropop oder House auslebt - zumal seine raue Stimme sich für dieses Genre wirklich gut eignet.

Die letzte Reise mit der Mutter

Was man ihm allerdings durchaus ankreiden kann, ist der Mangel an Überraschungen in den Songs selbst. Sutherland ergeht sich in Country-Klischees: Der Opener "Open Road" trägt die Truckerromantik zentimeterdick auf, in "Blame It On Your Heart" wird mit einer betrügerischen Frau abgerechnet, und zwei Menschen, die es dann doch mal als Paar durch den Honeymoon geschafft haben, sind wie ein "Faded Pair Of Blue Jeans". Darauf ein Whiskey. Auch musikalisch würden die Songs im Highway Café sicher nicht negativ auffallen - besonders positiv aber auch nicht, dafür traut Sutherland sich einfach zu wenig, aus den Country-Konventionen auszubrechen. Allenfalls "This Is How It's Done" mit seinem Bakersfield-Sound und das rhythmisch anspruchsvollere "Agave", das mit ein paar hispanisch inspirierten Gitarrenklängen, Handclaps und "Hey! Hu!"-Backgroundgesang in Richtung eines Mexiko mit Banditenromantik schielt, fallen hier ein wenig aus dem Rahmen.

Erst am Ende des Albums, als Sutherland sich nicht mehr aus der Klischeekiste, sondern seinem persönlichen Erfahrungsschatz bedient, wird es dann doch noch interessant: "Saskatchewan" erzählt von der letzten Reise Sutherlands mit seiner Mutter - um sie in ihrer kanadischen Heimat zu beerdigen. Hier findet er tatsächlich ein paar eigene Zeilen und Betrachtungen, nimmt sich Zeit für den Umgang mit der Trauer und dem Gefühl, jemanden erst richtig kennenzulernen, nachdem er nicht mehr da ist. "Song For A Daughter" schließlich mag zwar keine Offenbarungen bieten, weder musikalisch (freundlicher Schunkler) noch textlich (seine erwachsene Tochter wird für ihn immer sein kleines Baby bleiben, ein Papa halt). Doch dafür hat Sutherland so viel ehrliche Wärme in der Stimme, dass es einen zweiten Whisky gar nicht mehr braucht.

Sabine Metzger

Kiefer Sutherland - This Is How It's Done

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht