MyMz

Frank Turner

Mit gutem Willen gescheitert

Folk-Sänger Frank Turner möchte auf seinem siebten Album Aufklärungsarbeit leisten und widmet sich großen Frauen der Geschichte. Dabei scheitert der 37-jährige Brite an der eigenen Ignoranz.

  • Frank Turners neues Album heißt "No Man's Land", und es geht darauf um große Frauen. Foto: Universal Music
  • Wer noch nie von Mata Hari oder Sister Rosetta Tharpe gehört hat: Frank Turner besingt diese und andere historische Frauen auf seinem neuen Album, wird den Protagonistinnen aber leider nur selten gerecht. Foto: Universal Music

Wahrscheinlich hat jeder schon einmal ein Geschenk bekommen, mit dem er nichts anfangen konnte. Man ringt sich ein freundliches Lächeln ab - "danke!" - und versucht im Hinterkopf zu behalten, dass es an sich ganz lieb gemeint war. Ein ähnliches Gefühl hinterlässt die neue Veröffentlichung von UK-Star Frank Turner. Für sein Konzeptalbum "No Man's Land" verarbeitete er die Geschichten großer historischer Frauen, die seiner Meinung nach zu wenigen Leuten ein Begriff sind. Wie schnell man dabei in Fettnäpfchen treten kann, hat er vorher womöglich unterschätzt.

Es sind in erster Linie nicht die (für Turners Verhältnisse) halbherzig komponierten Gitarrenstücke, die Verdruss erzeugen. Es ist vor allem die Annahme, Frank Turner habe hier Frauen entdeckt, die quasi niemand kennt. Wenn der Folk-Sänger von der berühmt-berüchtigten Spionin Mata Hari oder der ikonischen Musikerin Sister Rosetta Tharpe (beeinflusste unter anderem Johnny Cash und Elvis Presley) erst bei seinen "Recherchen" erfuhr, dann zeigt das vor allem die Ignoranz, mit der er selbst sich 37 Jahre lang durchs Leben bewegte.

Er hat's "gut gemeint"

Auch bei der handwerklichen Ausführung verließ Turner sich auf Frauen. Mit den Musikerinnen und Produzentin Catherine Marks verhält es sich allerdings ähnlich wie mit den Figuren, über die er singt. Wer die Auswahl der Mitwirkenden als große Hilfestellung für Frauen im Musikbusiness versteht, der lässt womöglich außer acht, dass etwa Marks schon mit Stars wie den Editors, PJ Harvey und den Foals arbeitete. Catherine Marks ist eine vielfach ausgezeichnete Größe im Geschäft.

Die Songs selbst hangeln sich meistens an Gitarre und Gesang entlang, versuchen Emotionalität zu erzeugen ("Eye Of The Day") und blasen sich manchmal dramatisch mit Streichern auf ("I Believed You, William Blake"). "No Man's Land" ist auf rein klanglicher Ebene ein launiges Folk-Album - was aber nicht zum Inhalt passt, wenn der privilegierte Engländer, der mit Prince William das Eton College besuchte, naiv aus Frauenperspektive von Herabwürdigung singt. Die komplexen Lebensgeschichten seiner Protagonistinnen in drei bis vier Minuten Song zu drücken, gelingt Frank Turner an keiner Stelle.

Am Ende ist es bezeichnet, dass der Song, der am meisten Eindruck hinterlässt, der Song über Turners Mutter ist. "Rosemary Jane" fühlt sich nicht nur wie eine gutgemeinte Geste an, sondern ist tatsächlich eine wunderschöne Ode an die vermutlich wichtigste Frau in Frank Turners Leben. Hier weiß er, wovon er redet, und verpasst dem Album zumindest am Ende noch ein kleines Highlight. Insgesamt aber hat Turner sich mit "No Man's Land" ordentlich verhoben. Auch wenn man annehmen kann, dass der historische Zaunpfahl durchaus ein paar Menschen trifft, steht über dem Konzeptalbum am Ende nur ein großes "gut gemeint".

Arne Lehrke

Frank Turner - I Believe You, William Blake

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht