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Nathaniel Rateliff

Musik ist die beste Medizin

Kann Folk pompös klingen? Durchaus, meint Singer/Songwriter Nathaniel Rateliff, der zuletzt mit der Band Nathaniel Rateliff & The Night Sweats die soulige und gospelhafte Seite der akustischen Musik erkundete und nun sein erstes Soloalbum seit sieben Jahren veröffentlicht.

  • Der Sonne zugewandt: Obwohl Nathaniel Rateliff zuletzt einige private Tiefschläge verkraften musste, schlägt sein neues Album "And It's Still Alright" auch optimistische Töne an. Foto: Universal Music
  • Mit "And It's Still Alright" veröffentlicht Nathaniel Rateliff, Singer/Songwriter aus Denver, erstmals seit sieben Jahren wieder ein Soloalbum. Foto: Universal Music

Das Gegenteil einer Schreibblockade ist wohl das, was die letzten Jahre in Nathaniel Rateliff auslösten. Der Musiker aus Denver musste viel Schmerz aushalten. Seine Ehe ging in die Brüche, inzwischen ist er geschieden, und im Juli 2018 starb Richard Swift, ein langjähriger Freund und außerdem der Produzent der beiden Alben von Nathaniel Rateliff & The Night Sweats (2015, 2018). Nun veröffentlicht Rateliff mit "And It's Still Alright" erstmals seit sieben Jahren wieder ein Soloalbum. Klar, Schmerz erzeugt das Bedürfnis nach Verarbeitung und Kanalisation, was für einen Künstler natürlich immer Fluch und Segen zugleich ist.

Obwohl der Opener "What A Drag" textlich von Hoffnungslosigkeit und traurigen Querverweisen auf die beendete elfjährige Beziehung mit Ex-Frau Jules durchtränkt ist, schlagen der stoisch-reduzierte Schlagzeugbeat, die gedoppelten Gesänge und die vorbeifliegende Slide-Gitarre erstaunlich optimistische Töne an. Der Titelsong des neuen Albums, "And It's Still Alright", und "All Or Nothing" orientieren sich dagegen deutlich an klassischem, akustischem Rhythm and Blues, jedoch immer begleitet von einer sanft schwebenden Orgel im Hintergrund. Gerade in diesen Momenten wirkt die Musik auf diesem Album, das Richard Swift sich kurz vor seinem Tod noch von Rateliff gewünscht hatte, enorm emotional.

Traurigkeit zur Kunst erheben

"Ich glaube, ich sehe immer etwas Hoffnung in der Dunkelheit, und ich möchte das gerne teilen", erklärt der Musiker in einer Presseinfo. Stampfende Percussions und ekstatisch-hinausgeschriene Refrains beleben das sonst recht entspannte Stück "Expecting To Lose", welches in kurzem Scat-Gesang seinen Höhepunkt findet. Verspieltes Fingerpicking an der Gitarre, lebhafte Slide-Gitarren, ein in der Ferne aufwallender Gospelchor und herzzerreißend schöne Gesangsmelodien wie in "Tonight 2" beweisen, dass Schmerz manchmal die beste Musik hervorbringt. Und man hat den Eindruck, dass diese Musik für Rateliff auch eine Art Medizin ist.

So brachten tragische äußere Umstände den 41-Jährigen dazu, ein wirklich gelungenes neues Soloalbum zu erschaffen. "And It's Still Alright" verbindet verschrobene kleine Folk-Schnipsel, wie man sie von Rateliff schon kannte, gekonnt mit großem, zuweilen orchestralem Pomp - ohne Übertreibung, Künstlichkeit oder das Bestreben, bestimmte Genregrenzen einhalten zu müssen.

Klaas Tigchelaar

Nathaniel Rateliff - And It's Still Alright

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