MyMz

"Stripped"

Nazi-Vorwürfe: Rammstein holen Skandal-Video aus der Versenkung

21 Jahre lang lagerten Rammstein ihr Skandalvideo "Stripped" im Giftschrank. Nun veröffentlichten sie es doch bei YouTube.

  • Mit ihrem Video zu "Stripped" sorgten Rammstein 1998 für Furore. Nachdem es 21 Jahre lang im Giftschrank lag, veröffentlichen die Rocker den Clip nun erneut. Foto: Jes Larsen
  • Leni Riefenstahl drehte den Film, dessen Ausschnitte im Rammstein-Video verwendet wurden. Außerdem lieferte sie den Nationalsozialisten viele Propagandafilme. Foto: Keystone/Hulton Archive/Getty Images

Eine Woche lang lief 1998 das Video zu Rammsteins Depeche-Mode-Coverversion "Stripped" bei MTV, dann entschied sich der Sender, es aus dem Verkehr zu ziehen. Warum? Die Band und Musikvideo-Regisseur Philipp Stölzl hatten sich dazu entschieden, den Song mit Bildern aus dem Film "Olympia - Fest der Völker" von Leni Riefenstahl zu unterlegen - jener Filmemacherin, die während der NS-Zeit mehrere Propagandafilme für die Nazis drehte. Fortan musste sich die Berliner Band Nazi-Vorwürfe gefallen lassen - und verbannte den Clip schließlich selbst. Bis jetzt.

Auf ihrem offiziellen YouTube-Kanal haben die Rocker das umstrittene Video zu "Stripped" nun 21 Jahre nach der Erstveröffentlichung hochgeladen - inklusive eines zehnminütigen Making-Ofs, in dem Rammstein und Philipp Stölzl den Wirbel um ihr Werk Revue passieren lassen. Stölzl habe den Vorschlag gemacht, ein Video in Riefenstahl-Ästhetik zu drehen und habe der Band zur Verdeutlichung Ausschnitte aus "Olympia - Fest der Völker" gezeigt, erinnert sich Schlagzeuger Christoph Schneider darin. "Ich weiß noch, wie wir das das erste Mal sahen und dann einhellig sagten: 'Warum nimmst du das nicht so, wie das ist?'", erklärt er. "Das war natürlich sehr naiv. Und wir haben auch nicht viel darüber nachgedacht, was das auslösen könnte."

"Alle sind durchgedreht"

"Ich war gar nicht so vertraut mit den ganzen Leni-Riefenstahl-Geschichten", räumt Sänger Till Lindemann an. "Ich habe nur einfach das Video gesehen, erst in der Rohfassung, dann geschnitten und dachte 'Geil'. Und finde es heute immer noch geil." Aufgrund der Reaktionen auf den Clip würden die Berliner ihn jedoch heute nicht mehr so gestalten. "Das war der ultimative Aufschrei im Feuilleton. Alle sind durchgedreht", rekapituliert Lindemann und erzählt im Making Of von ausländischen Kollegen, die die Erschießung der Musiker gefordert hatten.

Dass Rammstein in der Folge rechte Tendenzen nachgesagt wurden, kann Regisseur Philipp Stölzl nicht verstehen. "In der Popkollage ironisiert sich sowieso alles und fügt sich neu zusammen", meint er. "Ich habe immer gedacht, es muss erlaubt sein, die schrägsten Experimente zu wagen." Zumal die Riefenstahl-Bilder auf ihre Art gruselig seien und der Grusel bei Rammstein nun mal dazugehöre.

teleschau

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht