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Slipknot

Neue Masken, neue Energie

Wutausbruch und Selbstkontrolle: Slipknot präsentieren mit "We Are Not Your Kind" das vielleicht ambitionierteste Werk ihrer bisherigen Karriere.

  • Fünf Jahre nach ".5: The Gray Chapter" veröffentlichen Slipknot ihr neues Album "We Are Not Your Kind". Foto: Warner Music
  • Nicht nur laut und brachial, sondern auch sehr ambitioniert und kreativ: Slipknot gehören nach wie vor zu den aufregendsten Bands der Metal-Szene. Foto: Alexandria Crahan-Conway

Gefallen die Singles den Fans? Deutet sich eine künstlerische Entwicklung an, und wenn ja, in welche Richtung? Bei den meisten Metal-Bands sind es vor allem musikalische Inhalte, die im Vorfeld einer Albumveröffentlichung diskutiert werden. Nicht so bei Slipknot. Diesmal sorgte insbesondere die wieder einmal grausige neue Maske von Frontmann Corey Taylor für Aufregung. Fantasievolle Interpretationsversuche standen neben echauffierten Kommentaren; begeisterte Reaktionen hielten sich in Grenzen. Zudem präsentierten die US-Metaller zuletzt auf der Bühne ein neues, weißes Outfit, das doch sehr im Kontrast zu dem düsteren Stil der Band steht. Die Diskussionen um Äußerlichkeiten dürften nun wieder ihr Ende finden: Fünf Jahre nach ".5: The Gray Chapter" erscheint mit "We Are Not Your Kind" das sechste Album der Band.

Drei Songs wurden vorab veröffentlicht, und beim Hören des gesamten Albums erweisen sie sich als guter Querschnitt. Das Video zu "Solway Firth" sorgte nicht nur aufgrund der blutigen Szenen aus der Amazon-Serie "The Boys" für Aufmerksamkeit, sondern sicher auch dank der enormen Energie, die in diesem Song steckt. Sechs Minuten dauert das Stück, das durch eine geschickte Dramaturgie bis zum Schluss nie an Wucht verliert. "Birth Of The Cruel" perfektioniert die für Slipknot charakteristische Grundformel vom kontrollierten Chaos, und "Unsainted" hat sich bei den letzten Konzerten bereits als neuer Live-Kracher bewährt. "I'll never kill myself to save my soul", singt Corey Taylor, begleitet von einem Chor, in einem Titel mit großem Gänsehaut-Potenzial. Was einige "Maggots" (so nennen sich die Fans) hingegen überraschen wird: Die 2018 veröffentlichte Single "All Out Life" ist auf "We Are Not Your Kind" nicht zu finden.

Immer noch aufregend

Was erwartet die Anhänger nun jenseits der drei Album-Singles? Viel. Nachdem "A Liar's Funeral" mit Akustikgitarren und verschlepptem Tempo eine "doomige" Atmosphäre erzeugt, demonstriert "Red Flag", wie brachial Slipknot immer noch sein können. "Nero Forte" ist der nächste Anwärter für den Slipknot-Klassikerstatus, während "Spiders" den Hörer mit einem Pianomotiv wie aus einem Horrorfilm und einem herrlich verschrobenen Solo fesselt. Generell gilt bei diesem Album, das von Wut, Trauer und Ohnmacht erzählt: Jede hübsch eingestreute Melodie ist nur ein Indikator für die hinter ihr liegenden Abgründe.

".5: The Gray Chapter" (2014) war eine Huldigung an den 2010 verstorbenen Bassisten Paul Gray - und ein Versuch, nach dem Ausstieg von Drummer Joey Jordison die Schlagkraft der Band zu erneuern. Das neue Werk wirkt anders. "We Are Not Your Kind" ist ein mutiges, vielseitiges und kreatives Stück Metal, das die Band mit ganz neuer Energie präsentiert und zeigt: Slipknot sind immer noch eine der aufregendsten Heavy-Metal-Formationen der Gegenwart.

Alexander Diehl

Slipknot - Solway Firth

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