MyMz

Dermot Kennedy

Raue Stimme, große Gefühle, wenig Mut

Dermot Kennedy wird bisweilen schon als neuer Stern am Singer/Songwriter-Himmel wahrgenommen. Eine ausverkaufte Tour 2018, Streams im Millionenbereich und die Zusammenarbeit mit großen Rap-Produzenten münden nun in einem beatlastigen, aber insgesamt doch recht mutlosen Debütalbum.

  • Furchtlos in die Charts: "Without Fear", der erste Langspieler von Senkrechtstarter Dermot Kennedy, bedient zuverlässig die Bedürfnisse der Hitradio-Sender und Playlisten, wirkt am Ende aber doch etwas mutlos. Foto: Universal Music
  • Ein neuer Star oder doch nur ein Sternchen? Dermot Kennedy will mit seinem ersten vollwertigen Album "Withour Fear" zeigen, was er wirklich draufhat. Foto: Universal Music

Sein Heimatort Rathcoole unweit von Dublin sei für ihn inzwischen vor allem ein Ruhepol, wie Dermot Kennedy über eine Presseseite seines Labels Universal Music erklärt. Hierhin kehrt der 27-jährige Ire zurück, um sich von dem tosenden Erfolg zu erholen, der ihn momentan begleitet. An der Haustür seines Elternhauses in Rathcoole steht "Cois Coille", was auf Gälisch so viel bedeutet wie "am Wald gelegen". In dieser Gegend fanden seine ersten Auftritte als Straßenmusiker statt. Hier liegen seine musikalischen Wurzeln, die gemeinsam mit seiner tiefen, rauen Stimme schon auf vielen Bühnen in Europa und den USA für Begeisterung sorgten.

300 Millionen Streams sammelte Kennedy seit der Veröffentlichung seiner EP "Doves And Ravens" im April 2017. Der Singer/Sonwriter war im Vorprogramm von Lana Del Rey unterwegs und nahm mit Rap-Starproduzent Mike Dean (Kanye West, Travis Scott), der erklärtermaßen Fan des Iren ist, 2018 die EP "Mike Dean Presents: Dermot Kennedy" auf. "Power Over Me", ein Vorbote seines ersten vollwertigen Albums "Without Fear", hielt sich mehrere Monate lang in den deutschen Charts.

Charisma alleine reicht nicht

"Without Fear" versucht erneut das scheinbar Unmögliche und möchte Kennedys Singer/Songwriter-Qualitäten mit Rap-Beats, Trap-Anleihen, bombastischem Synthpop und großen Emotionen vereinen. Es sind 13 Songs (neben "Power Over Me" sind auch die Singles "Lost" und "Outnumbered" enthalten), die weitestgehend den momentanen Bedürfnissen der Radiocharts und Playlisten entsprechen und denen es leider oft an Mut und Eigenständigkeit mangelt.

Eine charismatische und prägnante Stimme alleine reicht in der heutigen Flut der wohlklingenden, leicht zu verdauenden und oft zum Verwechseln ähnlich klingenden Veröffentlichungen längst nicht mehr, um sich nachhaltig im Gedächtnis der Zuhörer zu verankern. Irgendwo zwischen Welshly Arms, Rag'n'Bone Man und Ed Sheeran ist momentan zwar noch ein bisschen Platz für Kennedy. Um in diesem Umfeld dauerhaft zu bestehen, wird er sich in Zukunft aber wahrscheinlich etwas mehr einfallen lassen müssen als auf "Without Fear".

Klaas Tigchelaar

Dermot Kennedy - Outnumbered

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht