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Milky Chance

Schöner Breitwand-Minimalismus

Deutsche Bands, die internationale Erfolge feiern, sind nach wie vor selten. Milky Chance aus Kassel aber haben es geschafft. Gelingt ihnen mit dem neuen Album "Mind The Moon" der nächste große Coup?

  • Milky Chance - Mind The Moon Foto: Universal Music
  • Sie wissen, wie man als deutsche Band die internationalen Charts erobert: Clemens Rehbein und Philipp Dausch machten sich als Milky Chance auch in den USA schon einen Namen. Foto: Universal Music/Anthony Molina

Die beiden Klangwelten der Vorgängeralben "Sadnecessary" (2013) und "Blossom" (2017) zusammenzuführen, das war das erklärte Ziel für das neue Album von Milky Chance. Das Ergebnis: "Mind The Moon", der dritte Langspieler des erfolgreichen Popacts aus Kassel, bietet tanzbare Elektronik, niedliche Popmelodien und diesen ganz eigenen Milky-Chance-Sound, der auch im Ausland viele Liebhaber hat.

Mit Hitsingles wie "Stolen Dance" oder "Cocoon" haben Clemens Rehbein und Philipp Dausch es schon eindrucksvoll bewiesen: Englischsprachige Musik aus Deutschland muss nicht immer sofort als solche erkennbar sein. Ihr fließender, gefälliger Electropop klingt international und souverän, zudem besitzt Rehbeins leicht nölige Stimme einen enormen Wiedererkennungswert. Das alles ließ die Nordhessen in relativ kurzer Zeit zu internationalen Lieblingen aufsteigen.

Immerhin spielten Milky Chance sich mit ihrer erste Single "Stolen Dance" (2013) nicht nur in Europa, sondern auch in Kanada, Australien und Neuseeland in die Top Ten. Das Duo gehört außerdem zu den ganz wenigen deutschen Acts, die es in die amerikanischen Late-Night-Shows von Jimmy Kimmel, Jimmy Fallon und Conan O'Brien schafften. Obendrein erlangte das Debütalbum "Sadnecessary" in den USA Goldstatus - auch davon können viele andere deutsche Bands, die auf Englisch singen, nur träumen.

Ein neuer Angriff auf die internationalen Charts?

Im beschaulichen Kassel, wo Rehbein und Dausch sich mittlerweile ein eigenes Studio eingerichtet haben, ist von der ganzen Hysterie natürlich wenig zu spüren. Ideale Bedingungen also, um für das dritte Album tatsächlich eine Essenz aus den beiden erfolgreichen Vorgängeralben zu destillieren. Ein paar Sessions in Australien, Italien und Norwegen gab es trotzdem, um doch noch ein bisschen internationales Flair einzufangen. Die mehrstimmigen Gesangseinlagen von "Eden's House" (featuring Ladysmith Black Mambazo) oder der lässige Reggae-Groove von "Daydreaming" gehören zu den Momenten auf "Mind The Moon", in denen das besonders gut gelang.

Wie beabsichtigt bleibt die Band (mittlerweile sind sie zumindest live zu viert) auf "Mind The Moon" auch sehr nah am eigenen Trademark-Sound, was die Songs allerdings alle ein bisschen ähnlich klingen lässt. Trotzdem schaffen Milky Chance es, mit immer neuen Aha-Momenten die Spannung hochzuhalten und ihrem gefälligen Electropop den nötigen Tiefgang zu verpassen. Auch beim dritten oder vierten Hördurchgang entdeckt man hier und da noch überraschende neue Facetten. Ob das am Ende auch wieder für internationale Charterfolge reichen wird? Gönnen würde man es den beiden Kasselern, die im Gegensatz zu anderen deutschen Export-Schlagern keine lauten Stromgitarren und kein Pyro-Spektakel brauchen, in jedem Fall.

Klaas Tigchelaar

Milky Chance - The Game

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