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Mark Forster

Von wegen farblos

Zurück zum Ursprung: Mark Forster beweist auf seinem neuen Album "Liebe s/w" Mut zur Veränderung und verlässt sich einzig auf seine Stimme und seinen Pianisten. Tut er sich damit einen Gefallen?

  • Nur begleitet von einem Pianisten, zeigt Mark Forster auf "Liebe s/w" seine musikalische Qualität. Foto: Sony Music
  • Feiner Zwirn und schicke Location: Bei zwei exklusiven Konzerten in Paris präsentierte Mark Forster sein letztes Album "Liebe" als Akustikprojekt. Das Ergebnis gibt es nun auf "Liebe s/w" zu hören. Foto: Robert Winter

Am Fuße des Montmartre in Paris gelegen, hat man vom Théâtre La Nouvelle Eve einen direkten Blick auf die altehrwürdige Basilika Sacré-Cœur, die über der Stadt der Liebe thront. Das kleine Revuetheater, nicht unweit vom berühmt-berüchtigten Moulin Rouge, beherbergt für gewöhnlich Cabaret-Künstler. Doch im Oktober gastierte dort Mark Forster für zwei intime Konzerte vor jeweils 300 Menschen, um sein 2018 erschienenes Album "Liebe" in neuem Gewand zu präsentieren. Fein herausgeputzt mit Anzug, Krawatte und Einstecktuch, natürlich aber auch nicht ohne sein charakteristisches Cap, hat der deutsche Chartstürmer und TV-Juror ("The Voice") seine Songs entschlackt. Das Ergebnis, das er mit seinem Pianisten Daniel Nitt auf die Bühne brachte, erscheint nun pünktlich zur Weihnachtszeit als Akustikalbum "Liebe s/w" (schwarz-weiß).

Abgesehen von dem Lied "Wie früher mal dich" erwartet die Fans des sympathischen Bartträgers zwar keine neue Musik, und die Veröffentlichung zum Start des Weihnachtsgeschäfts ist wahrscheinlich auch kein Zufall. Dass "Liebe s/w", diese Auffrischung bekannter Songs, keinen Mehrwert besitze, kann man Mark Forster aber nicht vorwerfen. Denn mit dem radikalen Verzicht auf technischen Schnickschnack tut der Künstler seinen Liedern und sich selbst einen großen Gefallen. Der titelgebende Song "Liebe" etwa wirkt ohne Bombast-Beats und überproduzierte Synthie-Klangteppiche viel authentischer als die Vorlage. Dazu sticht die stimmliche Qualität Forsters hervor, der die Klaviatur von Falsett ("747") bis HipHop-Flow ("Danke Danke") souverän beherrscht.

Mut zur Veränderung

Nicht weniger überzeugend ist Pianist Daniel Nitt, der auf dem Steinway-Flügel ein variantenreiches Spiel anbietet. Ob die filigrane Begleitung der Ballade "Genau wie du" oder rhythmisches Staccato in der flotten Reggae-Nummer "Chip In": Dank Nitt gerät die üppige und manchmal etwas störende Klangkulisse des Ursprungsalbums schnell in Vergessenheit. Abgerundet wird "Liebe s/w" mit der zarten Ballade "Wie früher mal dich", in der Forster sich so kraftvoll wie emotional seinen Schmerz über eine Trennung von der Seele singt.

Zwar fehlt es "Liebe s/w" an vielen Stellen weiterhin an lyrischer Qualität. Statt textlicher Finesse erwarten die Zuhörer Anglizismen, erzwungene Reime und auch ein paar Binsenweisheiten. Dennoch: Mit der Reduktion auf das musikalische Minimum zeigt Mark Forster sich ehrlich und authentisch wie noch nie. Wie eine kalkulierte Mischung aus potenziellen Nummer-eins-Hits, die alle Kriterien des aktuellen Radio-Mainstreams erfüllen, fühlt sich diese gelungene Neuauflage nicht mehr an. Chapeau!

Julian Weinberger

Mark Forster - 194 Länder s/w

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