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25 Jahre Archive

Werkschau mit Mehrwert

Man hört in ihrer Musik Einflüsse von Pink Floyd bis Massive Attack, und zumindest in Europa gelten sie schon lange als Kultband: Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens veröffentlichen Archive die hochwertige Hit-Sammlung "25", die auch neues Material enthält.

  • Das Cover von "25" kommt etwas blass daher, dabei haben Archive so viel Zurückhaltung gar nicht nötig. Mit ihrer neuen Werkschau blicken die Londoner auf eine beeindruckende Karriere zurück. Foto: PIAS / Dangervisit
  • Angeführt von den Kreativköpfen Danny Griffiths (rechts) und Darius Keeler (hinten, mittig) entwickelten sich Archive in den letzten 25 Jahren zu einer echten Kultband. Foto: Brian Cannon

Darius Keeler und Danny Griffiths machten es sich zu Beginn ihrer Karriere nicht leicht. Kurz nach dem Erscheinen ihres stark vom TripHop geprägten Debüts "Londonium" (1996) löste sich ihre Band Archive wieder auf - trotz positiver Kritiken. Künstlerische Differenzen überaschatteten nach dem Neustart auch das etwas orientierungslos klingende Zweitwerk der Londoner, "Take My Head" (1999). Erst mit dem neuen Frontmann Craig Walker am Mikro (er blieb nur zwei Jahre) und der Hinwendung zum Neo-Prog zündete der kreative Nukleus von Archive. In der Folge entwickelte sich die Gruppe vor allem in Europa zu einer echten Kultband, und inzwischen haben Archive tatsächlich 25 Jahre auf dem Buckel. Anlässlich des Jubiläums erscheint drei Jahre nach dem letzten regulären Album ("The False Foundation") die Sammlung "25", die auch acht neue Songs enthält.

"You All Look The Same To Me" von 2002 war der große Befreiungsschlag, auf den viele superbe Werke zwischen sakraler Ergriffenheit, energetischem Rock, synthetischem Bombast, fordernden Elektro-Sounds und handgemachter akustischer Intimität folgten. Archives Vorbilder waren in ihrer Musik immer präsent (unter anderem Pink Floyd, Massive Attack, Radiohead, Peter Gabriel und Dead Can Dance), doch das Kollektiv um Keeler und Griffiths hatte schnell seinen eigenen Sound gefunden. Eklektisch manövrierten sich die Geschichtenerzähler im Lauf der Jahre durch zwölf Alben. Jedes hatte seine eigene Atmosphäre und einen eigenen Klangkosmos - und trotz unterschiedlicher Besetzungen blieben Archive immer Archive, gesteuert von den Visionen der beiden Männer im Hintergrund.

Acht neue Songs

Nun liegt sie also vor, die große Werkschau mit ausgewählten Glanzstücken. Die Deluxe-Varianten von "25" im Vinyl- oder CD-Format kommen - je nach Ausführung - auf eine Spielzeit von bis zu fünf Stunden. Neben Hits wie "Again", "Fuck U" oder "Bullets" gibt es zudem viel Zusatzmaterial aus der Früh- und Spätphase von Archive zu bestaunen. Interessierte mit etwas weniger Muse können auf die Doppel-CD mit 26 Songs (inklusive vier neuer Tracks) zurückgreifen, die einen etwas kompakteren Überblick über die Karriere ermöglicht. Die Boxen warten mit insgesamt acht neuen Kompositionen auf, die sich nahtlos in das abwechslungsreiche Oeuvre der Truppe einfügen.

Da ist beispielsweise das viertelstündige Opus "Heart Beats", das beinahe schwerelos durch den fluoreszierenden Äther schwebt, vokal abgefedert durch die meist als Backing-Chanteuse agierende Maria Q. Sie haucht sich entspannt durch ein beeindruckendes Stück Piano-Minimalismus, das sich gen Ende mit symphonischen Klangfragmenten erhaben aufbäumt.

In eine ähnliche Kerbe schlagen "Hyper Real", "The Hell Scared Out Of Me" sowie die zarte Ambient-Wolke "Whilst There Light", während sich das fluffige Blues-Alternative-Amalagam "Remains Of Nothing" (featuring Band Of Skulls) als heimlicher neuer Hit entpuppt. "Falling" präsentiert sich als solide Synthesizer-Demo, die die Schaltkreise zum Glühen bringt. Das Gegenteil davon ist die sonnenklare Indiepop-Suite "Lightning Love" mit Steve Mason, der einst mit der Beta Band musizierte. Auf diese neuen Songs können Archive durchaus stolz sein - und auf ihr Gesamtwerk sowieso.

Constantin Aravanlis

Archive - Remains Of Nothing (ft. Band Of Skulls)

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