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FKA Twigs

Wie in Zellophan gepackt

"Magdalene" ist das herzzerreißende zweite Album von Sängerin, Tänzerin und Allround-Künstlerin FKA Twigs. Darauf verarbeitet sie mithilfe von Bibelallegorien ihr Liebes- und Beziehungsleben.

  • Mit "Magdalene" veröffentlicht Allround-Künstlerin FKA Twigs ihr zweites Album. Foto: Young Turks / XI / Beggars
  • Sie tanzte schon in Musikvideos von Kylie Minogue und Ed Sheeran, inzwischen macht sie aber vor allem als Solokünstlerin von sich reden: Tahliah Barnett aka FKA Twigs. Foto: Matthew Stone

Bevor Tahliah Barnett aka FKA Twigs für ihre Musik gefeiert wurde, war sie schon als Tänzerin in Musikvideos von Kylie Minogue und Ed Sheeran zu sehen. Ihre Videos und Konzerte sind dementsprechend noch immer von durchdachten Choreografien geprägt. Für den Clip zur Single "Cellophane" nahm sie ein Jahr lang Poledance-Unterricht. Die Live-Show zu dem neuen Album "Magdalene" enthält Poledance- und Schwertkampf-Elemente, Masken sowie historische Kostüme und erinnert zeitweise eher an Tanztheater als an ein Konzert. FKA Twigs, inzwischen 31 Jahre alt, hat schon selbst Musikvideos gedreht und ist auch an der Produktion ihrer Songs beteiligt. Sie ist eine Allround-Künstlerin.

Der Titel ihres zweiten Albums zeugt nicht unbedingt von großer Frömmigkeit oder Bibeltreue, denn "Magdalene" erhebt an Stelle von Jesus eine Nebenfigur zur Titelheldin. Die Figur der Maria Magdalena war je nach Schrift und Übersetzung eine Sünderin, eine Prostituierte sogar, oder eine "All-Begnadete" an der Seite von Jesus. Barnetts letzte Beziehungspartner, die Teile des Albums inhaltlich inspiriert haben dürften, waren die Hollywood-Stars Robert Pattinson und Shia LaBeouf. Dass sich erst aufgrund eines bestimmten Mannes an ihrer Seite plötzlich eine breitere Öffentlichkeit für Barnett interessierte, verknüpft sie mit der Geschichte der Maria Magdalena. Und erinnert die Art, wie Boulevardmedien berichten, nicht auch oft an sexistische Geschlechterbilder, in denen Frauen nur Heilige oder Huren sein können?

Nackt, brüchig und ehrlich

Der Herzschmerz zieht sich als roter Faden durch das Album. Das Verpackungsmaterial im Titel der Single "Cellophane" dient als Bild für Isolation und eine auf Eis gelegte Beziehung. Es fühlt sich nicht besser an, wenn Barnett auf "Mirrored Heart" auch noch glücklich wirkende Paare sehen muss: "For the lovers who found a mirrored heart / They just remind me I'm without you". Gastmusiker Future kann auf "Holy Terrain" das hohe lyrische Niveau halten und zeigt, wie in vielen seiner besten Arbeiten, dass Liebe und Schmerz sich auch mit Trap-Vokabular ausdrücken lassen. Oder wie FKA Twigs es in einem Interview mit "I-D" ausdrückte: "I love when he gets emo."

In den Liner Notes zu "Magdalene" finden sich die Namen großer Elektro-Avantgardisten wie Nicolas Jaar und Oneohtrix Point Never neben denen großer Pop-Produzenten, die sonst für Justin Bieber, Ed Sheeran oder Taylor Swift die Hits basteln. FKA Twigs' Songs stolpern und glitschen weniger als früher. Stattdessen findet sich auf "Magdalene" vor allem nackt, brüchig und ehrlich klingende Gesangsarbeit, oft nur von einem Klavier und wenigen elektronischen Klängen begleitet. "Daybed" ist beinahe Entspannungsmusik, aber mit einem zerhackten Stimmengewirr im Hintergrund, das an die Vokalstücke des Komponisten György Ligeti erinnert. Manchmal schwillt die Musik an, Verzerrer setzen ein und der Song zieht dem Hörer den Boden unter den Füßen weg, nur um ihn dann plötzlich wieder mit dem Gesang von FKA Twigs allein zu lassen - wie in Zellophan gepackt. So wird "Magdalene" zu einem herzzerreißenden Album, das viele Male gehört werden will.

Mathis Raabe

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