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Max Raabe

Wo kann ich hier den Stecker ziehen?

Max Raabe liefert mit seinem "MTV Unplugged"-Album einen breiten Querschnitt durch sein umfangreiches Repertoire. Allerdings zündet nicht jeder Gastauftritt, und das Unplugged-Konzept verfehlt angesichts des ohnehin stromlosen Ausgangsmaterials leider seine Wirkung.

  • Herbert Grönemeyer war einst der erste von vielen deutschsprachigen Musikern, die ein eigenes "MTV Unplugged"-Album bekamen. Am vorläufigen Ende dieser Kette steht nun Max Raabe. Foto: Universal Music
  • Stecker ziehen, wo es eigentlich keine Stecker gibt: Max Raabe hat jetzt sein eigenes "MTV Unplugged". Foto: Gregor Hohenberg

Max Raabe ist vermutlich der einzige deutsche Chansonnier, der international eine Zielgruppe von neun bis 90 Jahren erreicht und schon auf der Hochzeit von Marilyn Manson gespielt hat. Letzteres passt gar nicht so schlecht, wie man im ersten Moment denken könnte: Der Roaring-Twenties-Chic von Raabes Palast Orchester steht einer Hochzeitsband gut, vor allem wenn man Burlesque-Tänzerin Dita Von Teese heiratet. Zur langen Liste der Karriere-Meilensteine des Westfalen mit der Samtstimme gehört nun auch ein "MTV Unplugged"-Album. Der Musikfernsehsender produziert schon seit 30 Jahren dieses Format, bei dem Pop-Acts in intimer Atmosphäre und mit akustischen Instrumenten auftreten. Die Unplugged-Auftritte von Eric Clapton, Bob Dylan und Nirvana sind legendär und gehören zu den meistverkauften Alben dieser Künstler. Heute werden sie wie am Fließband veröffentlicht und besitzen deutlich weniger Zauber als früher.

Einer vom alten Schlag wie Max Raabe erreicht aber immerhin ein Publikum, das sich noch für Live-Alben interessiert, und für sein "MTV Unplugged" lud der Bariton ganz unterschiedliche Gäste ein. Leider wirkt die Gaststrophe von Altherren-Rapper Samy Deluxe ein wenig unpassend, ebenso das Gekrächze des finnischen Hardrockers Mr. Lordi. Überzeugender sind die Duette mit den Pop-Sängerinnen Lea und Namika sowie die Neuinterpretation von Herbert Grönemeyers "Mambo". Zur Erinnerung: Grönemeyer war 1994 der erste nicht-englischsprachige Künstler, dem ein "MTV Unplugged" angeboten wurde.

In den 20-ern gab es noch keine E-Gitarren

Mit der gewohnten Abwechslung von Coverversionen und eigenen Stücken reiten Max Raabe und sein Ensemble quer durch ihre umfangreiche Diskografie, und ab und zu gelingt es auch, mit der Biederkeit des Comedian-Harmonists-Stils zu brechen: "Kleine Lügen" etwa verweist verschmitzt auf Alkoholkonsum und Fremdküssen, und "Kein Schwein ruft mich an" wird als wilde Polka interpretiert. Auch hier präsentiert dieses "MTV Unplugged" Max Raabe und sein Ensemble in gewohnt gut eingespielter Form. Allerdings sind die Gastauftritte genrefremder Künstler am Ende höchstens für ein paar kurze Aha-Momente gut.

Mit "Chinatown, My Chinatown" und "Cheek To Cheek" enthält die Setlist dann auch amerikanische Jazz- und Chanson-Klassiker, bei denen das Palast Orchester seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Ein großer Unterschied dazu, wie die Bläser und Streicher auf anderen Aufnahmen klingen, ist aber natürlich nicht hörbar, was das Unplugged-Konzept ein wenig ad absurdum führt. In den 20-ern gab es eben noch keine E-Gitarren.

Mathis Raabe

Max Raabe. Palast Orchester, Namika - Küssen kann man nicht alleine

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