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Mia.

Auf zu neuen Ufern

"Alles neu", sangen Mia. bereits auf ihrem Debütalbum "Hieb & Stichfest" von 2002. Doch erst jetzt, 18 Jahre später, nehmen sie sich selbst beim Wort und erfinden sich mit bewährten Mitteln neu.

  • Elektropop aus Berlin: Mit "Limbo" veröffentlichen Mia. erstmals seit fünf Jahren wieder ein neues Album. Foto: Four Music
  • Mia. klingen auf "Limbo" so frisch und neu wie lange nicht - aber sie bleiben doch Mia. - zum Glück! Foto: anna.k.o.

"Wage Schritt auf neues Land / Werde wieder Debütant / Alles rasend unbekannt / Alles Rohdiamant", heißt es im Stück "Kopfüber". Mit diesem neuen Land ist aber nicht nur das aktuelle Album "Limbo" gemeint, sondern vor allem der Weg dorthin. Denn im Hause Mia. hat sich im Vorfeld der Plattenproduktion einiges geändert. Die vier Berliner haben sich nach 18 Jahren von ihrem langjährigen Manager und Produzenten Nhoah getrennt, der als inoffizielles fünftes Bandmitglied eine wichtige Funktion innerhalb des Bandgefüges innehatte. Zudem haben diesmal, anders als sonst, alle zusammen an den Texten mitgearbeitet.

Diese interne Neuausrichtung sorgte am Anfang für viel Chaos, brachte am Ende aber eben auch ein neues Album hervor. Und tatsächlich ist es Mieze Katz, Andy Penn, Gunnar Spies und Robert Schütze gelungen, einerseits unbestreitbar Mia. zu bleiben, andererseits aber auch erfrischend neu und offen zu klingen. Schon der eröffnende Titeltrack schraubt sich mit seiner treibenden Basslinie unwiderstehlich in die Ohrwurmsektion des Gehirns, und auch das dazugehörige Video mit dem tanzenden Nachrichtensprecher im Berliner Kino International ist absolut sehenswert.

"Wir verschwinden im Leichtsinn"

Aber die Platte hat eben noch sehr viel mehr zu bieten: Man nehme nur mal ein Stück wie "Mauerpark", das mit seinem Sujet und Mieze Katz als Frontfrau zwar unverkennbar als Mia. zu identifizieren ist, aber in Sachen Wortwahl, Melodieführung und Gesangslinien nach mehr als "nur" Mia. klingt. Durch die forcierte Neujustierung hat die Band, deren letzter Langspieler "Biste Mode" inzwischen fünf Jahre alt ist, sich über den eigenen Horizont hinausentwickelt. Diese kreative Evolution wohnt allen elf Stücken inne, ohne dass dabei der Charakter der Band auf der Strecke bleiben würde.

Auch der Einfluss von Mic Schröder, der auf "Limbo" den Job des Produzenten übernahm, mag dabei eine Rolle gespielt haben, schließlich ist er bisher vor allem durch die Arbeit für weitaus poppigere Acts wie Silly, Unheilig, Lotte oder Glasperlenspiel in Erscheinung getreten. Es ist nicht so, dass Mia., die ja einst als Punkband begannen, nicht schon längst eine Popband gewesen wären, aber diese Fokussierung auf das Wesentliche aus Pop-Perspektive, also auf Unmittelbarkeit und das bewusste Niederreißen möglicher Zugangsbarrieren, wurde bei der Band selten so gut umgesetzt wie auf diesem Album. Wie heißt es auf "Richtig im Falschen" doch so schön: "Wir verschwinden im Leichtsinn." Und man folgt ihnen nur allzu gerne.

Daniel Schieferdecker

Mia. - Limbo

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