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Bilderbuch: Mea Culpa

- Maschin Records

  • Bilderbuch - Mea Culpa Foto: Maschin Records
  • Auch, wenn sie auf "Mea Culpa" nerdiger und anstrengender klingen denn je: Bilderbuch werden von Album zu Album interessanter. Foto: Hendrik Schneider

Einfach ein neues Album ankündigen mit Titel, Cover, Erscheinungsdatum - das kann ja jeder. Aber Bilderbuch sind natürlich nicht "jeder". Die Wiener Soul-Pop-Schlingel um Sänger und Texter Maurice Ernst haben diesmal eine kleine Schnitzeljagd in den sozialen Medien veranstaltet. Ein abfotografierter Songtext hier, eine Tracklist dort, irgendwo tauchte dann unter anderem auch ein Datum im Dezember auf. Die Fans rätselten und brachten das Netz ein wenig zum Brummen, woran die Band bestimmt große Freude hatte - und dann ging es mit der neuen Musik von Bilderbuch ganz schnell: "Mea Culpa" ist ab sofort erhältlich, und mit "Vernissage My Heart" soll schon am 22. Februar ein weiteres neues Album folgen. Wer im deutschsprachigen Pop up-to-date sein will, muss hier genau hinhören.

Die ersten Hinweise wurden fünf Tage vor dem Release von "Mea Culpa" gestreut. Zu dem Zeitpunkt rechnete wohl niemand damit, 2018 noch etwas Neues von Bilderbuch zu hören, und vielleicht war die Band da selbst noch nicht ganz sicher, ob das hier noch ein ganzes Album werden würde. "Mea Culpa" ist nun ein Album geworden, allerdings vor allem ein Album der Ideen. Viele Ideen, sehr direkt umgesetzt, nicht lange schleifen, der nächste Einfall wartet schon. Es gibt Sandwiches ("Sandwishes"), die gehen schnell, dazu vielleicht 'ne Sprite. Manchmal gibt es nichts Besseres als ein Sandwich und 'ne Sprite.

Wenn Bilderbuch davon singen, dass "superrich kids" immer "Stress" haben und sie selbst nur "Sandwishes", dann arbeiten sie sich natürlich auch wieder augenzwinkernd an der Konsumgesellschaft ab. Hollywood ist ein Thema auf "Mea Culpa", ebenso der "Megaplex" - das sind inzwischen erwartbare Motive bei Bilderbuch. Auch, dass sie sich auf der Suche nach der Liebe aufreiben ("Sie ist online / Immer online, aber kein Wort, nein"), ist nicht neu. Neu sind eher Trance-Ausflüge, atmospährische Jazz-Momente und allgemein ein verschlepptes Tempo, das viele Songs etwas verschlafen wirken lässt. Cool und groovy bleiben Bilderbuch trotzdem, eh klar.

In erster Linie aber bleiben Bilderbuch ausgesprochen eigensinnig. Nachdem sie dem Mainstream-Radio schon mit "Magic Life" (2017) eine endgültige Absage erteilt hatten, ist ihre Musik jetzt noch nerdiger und manchmal auch noch anstrengender. "Taxi Taxi" etwa arbeitet mit isolierten kleinen Synthie-Flächen und abgehackten Streichern, die schon beim ersten Durchgang ein wenig nerven - vom klassischen "Hörgenuss", den man mit Soul ja eigentlich verbindet, kann da keine Rede sein. Kanye West aber würde diesen kryptischen Sound lieben. Dazu passt dann auch, dass Maurice Ernst oft gar keinen Text mehr bemüht, sondern lieber kreative "Rabababam"-Klangmalerei betreibt oder einfach nur eine Melodie pfeift.

Es steckt dann vielleicht auch hier wieder etwas sehr Cleveres dahinter: Denn weil Bilderbuch eben nicht alles bis ins Letzte ausformulieren und es oft bei einer besseren Skizze belassen, bleiben sie interessant. Prince, den Maurice einmal als "Idol" und "Lehrmeister" bezeichnete, hätte so ein Album wie "Mea Culpa" wahrscheinlich nie veröffentlicht. Aber Bilderbuch sind eben auch nicht Prince, sondern längst eine eigenständige Pop-Marke, und vielleicht liefern sie dann ja im Februar ihr Opus Magnum.

Bewertung: überzeugend

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