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Leonard Cohen

Danke für die Musik

Drei Jahre nach seinem Tod erscheint ein neues Album von Leonard Cohen. "Thanks For The Dance" zeugt vor allem von der Sprachgewalt des Kanadiers.

  • "Thanks For The Dance" basiert auf Fragmenten, die Leonard Cohen nach seinem Tod hinterließ. Fertiggestellt wurde die Musik von seinem Sohn Adam Cohen. Foto: Sony Music
  • Drei Jahre nach seinem Tod erscheint ein posthumes Album von Leonard Cohen: "Thanks For The Dance". Foto: Sony

Nur ein paar Sekunden dauert es, dann ist sie wieder da, diese tiefe, sonore Stimme des Leonard Cohen. Jene Stimme, die man zuletzt im Oktober 2016 auf "You Want It Darker" hören durfte, dem späten Meisterwerk des Kanadiers, der nur wenige Tage nach Veröffentlichung verstarb. "I was always working steady / But I never called it art", singt Cohen nun auf "Happens To The Heart", dem ersten und vielleicht schönsten Lied seines posthum veröffentlichten Albums "Thanks For The Dance". Hart habe er also gearbeitet, erklärt Cohen, aber Kunst sei es nicht gewesen?

Cohen war schon immer ein Schelm, der sein Licht gerne unter den Scheffel stellte. Er sei gar kein Sänger, nur ein Dichter, kokettierte er zeitlebens. Tatsächlich hatte Cohens Karriere als Schriftsteller begonnen. Erst als er 1960 auf der griechischen Insel Hydra seine spätere Muse Marianne Ihlen traf, begann er, auch Musik zu machen. Auf "Thanks For The Dance" ist Cohen nun wieder fast ganz Poet. Denn die Musik, die hier zu seinen Texten erklingt, ist nicht oder kaum seine eigene.

"Thanks For The Dance" versammelt Aufnahmen, die Cohen nach seinem Tod hinterlassen hatte. Entstanden waren die Songs, oft nur Fragmente und Skizzen, während der Arbeiten an "You Want It Darker". Adam Cohen, der Sohn des Mannes aus Montreal, hat dem Gesang nun Musik hinzugefügt. In einer umgebauten Garage nahe dem Haus seines Vaters habe er sich sieben Monate nach dessen Tod an die Arbeit gemacht, so Adam Cohen. Dass der 47-Jährige, Sohn von Cohen und der Kalifornierin Suzanne Elrod, ziemlich gut wusste, was sein Vater sich für sein posthumes Album wünschte oder gewünscht hätte, darf man annehmen: Schon auf "You Want It Darker" hatten Vater uns Sohn zusammengearbeitet.

Frauen, die Liebe - und der Holocaust

Die Themen, die Cohen - also Leonard - auf dem neuen Album besingt, sind dieselben wie eh und je. Es geht um die Frauen, um die Liebe und - wie einst etwa in "Dance Me To The End Of Love" - um den Holocaust: "German puppets burnt the Jews / Jewish puppets did not choose", sprechsingt Cohen düster in "Puppets". An anderer Stelle, auf "The Night Of Santiago", lässt Cohen eine Affäre Revue passieren, erzählt von einer verheirateten Frau, die sich an einem Fluss entkleidet - eine charmante Altherrenfantasie, umhüllt von spanischen Gitarren.

Wie schon auf "You Want It Darker" ist auch auf "Thanks For The Dance" der Tod ein ständiger Begleiter, der immer wieder durch die Textzeilen lugt. Auf dem fantastischen Stück "The Hills" etwa, das von ätherischen Chorälen begleitet wird, oder auf dem Rezitativ "Listen To The Hummingbird", das das Album beschließt, hört man Alter, Vergehen und ein Hoffen auf Gott stets in verblassenden Farben durchschimmern.

"Thanks For The Dance" ist kein Meisterwerk wie das Vorgängeralbum. Dafür bleibt zu vieles im Ungefähren, sind viele musikalische Ideen zu fragmentarisch oder bisweilen auch zu klischeehaft. Die lyrische Größe von Leonard Cohen spürt man aber dennoch mit jedem Wort. Und das, so darf man vermuten, wäre ihm sowieso am wichtigsten gewesen.

Sven Hauberg

Leonard Cohen - The Goal

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