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Waxahatchee

Erwachsen in Amerika

Folklore statt LoFi-Rock: Waxahatchee-Frontfrau Katie Crutchfield ist ruhig geworden. Ihr neues Album "Saint Cloud" enthält Singer/Songwriter-Nummern über Persönliches.

  • Der Charme der Südstaaten: Katie Crutchfield veröffentlicht mit "Saint Cloud" das fünfte Album ihres Bandprojekts Waxahatchee, das nach einem Fluß in ihrer Heimat Alabama benannt ist. Foto: Merge Records
  • Folklore statt Lofi-Rock und frische Luft statt Backstage-Partys: Waxahatchee-Mastermind Katie Crutchfield ist erwachsen geworden. Foto: Molly Matalon

Katie Crutchfield kommt aus den Südstaaten der USA. Der einprägsame Name ihrer Band Waxahatchee ist von einem Fluss geborgt, der in ihrer Heimat Alabama fließt. Sie kommt außerdem aus einer Punk-Rock- und Pop-Punk-Szene mit Do-It-Yourself-Ethos. Der LoFi-Sound ihres im Schlafzimmer aufgenommenen 2012er-Debüts "American Weekend" ist aber längst einer klaren Produktion gewichen. Nun wurde auch noch das Gitarrendröhnen ihres letzten Albums "Out In The Storm" (2017) durch Country-Twang ersetzt.

Der fünfte Langspieler "Saint Cloud" ist ein unaufgeregtes und ungezwungenes Americana-Album geworden, auf dem Crutchfields Kernkompetenzen als Sängerin und Songwriterin in den Vordergrund rücken. Im besten Fall kann man sich diese Songs gut im Soundtrack zu David Lynchs "Twin Peaks" vorstellen. Im schlechtesten Fall kann man sich gut vorstellen, sie auch ohne Schlagzeuger und Bassisten in irgendeinem Holzverschlag in einem gering besiedelten Landstrich Amerikas zum hören. Der Einfluss der Studioband, der Gruppe Bonny Doon aus Detroit, ist jedenfalls subtil: Im Opener "Oxbow" plänkelt eine Orgel, "Fire" hat ein bisschen Funk, "Lilacs" einen guten Pop-Refrain. Der Einfluss von Crutchfields großem Vorbild Lucinda Williams hingegen ist deutlicher denn je zu hören.

Frische Luft statt Backstage-Party

Verglichen mit den geradeheraus beschreibenden Texten der meisten Folk- und Country-Musiker sind Crutchfields Texte poetisch, aber im Vakuum betrachtet sind sie trotzdem ein wenig fad. Es geht fast immer entweder um verflossene Liebschaften oder um die Rückkehr an Orte aus der eigenen Vergangenheit. Die Metaphern sind fast immer Blumen, Feuer oder Regen. Nur in "Hell" und "War" wird Crutchfield etwas deutlicher, drückt Wut und selbstzerstörerisches Verhalten aus: "I run my soul and body down / If I kept a parasite around", singt sie. Und: "I'm in a war with myself".

Der Parasit, mit dem sie einen inneren Kampf führt, könnte der Alkohol sein - Crutchfield hat das Trinken aufgegeben. Das drückt sich auf "Saint Cloud" nicht explizit aus. Das Album präsentiert aber eine erwachsen gewordene Künstlerin: frische Luft statt Backstage-Party, offene Akkorde statt dröhnender Verstärker, Folklore statt LoFi-Rock. Um dem auf Albumlänge Aufmerksamkeit zu widmen, braucht es aber wohl auch einen ähnlich nüchternen und erwachsenen Hörer.

Mathis Raabe

Waxahatchee - Fire

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