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Musik-Kritik
Montag, 16. Juli 2018 29° 8

Bullet For My Valentine: Gravity

- Spinefarm Records

  • Bullet For My Valentine - Gravity
  • Die Fans müssen sich auf Überraschungen einstellen: Bullet For My Valentine bemühen sich auf "Gravity" um eine stilistische Neuausrichtung. Foto: Ville Juurikkala

Es ist die Krux des Künstlers, dass die größte Kreativität oftmals aus den tiefsten Tälern emporsteigt. Matt Tuck, Frontmann der Metaller Bullet For My Valentine, hat vor und während der Entstehungszeit von "Gravity" viele Schattenseiten des Lebens kennengelernt. Von Depression ist die Rede, von Trennung und Schmerz. Die im Vorfeld verbreitete Prognose, dass das inzwischen sechste Studioalbum einige Fans überraschen dürfte, erweist sich jedoch nicht nur mit Bezug auf die sehr persönliche Note als zutreffend.

Dass "Gravity" kein fröhliches Album werden würde, war klar. Schließlich stehen die Waliser seit jeher für kräftigen Metalcore. Womit sie jedoch auch einem Trend angehörten, dessen Glanzzeiten längst vorüber sind. Auch im Falle von Bullet For My Valentine sind sich viele Beobachter sicher, dass die frühen Alben die besten waren. Somit ist es vielleicht gar nicht verkehrt, wenn nun passend zum Leben im Umbruch auch das musikalische Puzzle neu zusammengesetzt wird.

Konkret sind es die elektronischen Elemente und dynamischen Klangflächen, welche "Gravity" von den Vorgängern abheben. Die neue Musik klingt manchmal fast nach Linkin Park, und eine Nummer wie "Coma" lässt auch textlich in Abgründe blicken, die vielen Hörern ein Jahr nach dem Suizid von Chester Bennington bestürzend vertraut vorkommen werden. "The Very Last Time" hingegen, eine ruhige, introvertierte Selbstreflexion, bildet mit enormer Zerbrechlichkeit einen wunderbaren Ausgleich zum wütenden Verarbeitungsmodus.

Oft jedoch bringt das Quartett nur eine 2.0-Version gelernter Bullet-Ausdrucksweisen aufs metallische Parkett, oder im schlechteren Fall: eine B-Variante derjenigen Bands, die schon vorgestern merkten, dass sich die einst so wohlschmeckende Metalcore-Suppe mit Weichmachern und kühlen Synthi-Einsprengseln nochmals passabel aufwärmen lässt. Ein Song wie "Don't Need You", der sicher auch alteingesessene Anhänger zufriedenstellen wird, bleibt die Ausnahme.

Ohne Frage: Die Korrektur an sich wirkt schlüssig, und der neue Drummer Jason Bowld sorgt durchaus für innovative Impulse. Schade nur, dass der Umbruch an vielen Stellen noch von so viel Unsicherheit flankiert wird. So bleibt abzuwarten, ob "Gravity" als ausbaufähiger Neuanfang oder als einmaliger Ausreißer in die Bandhistorie eingehen wird.

Bullet For My Valentine auf Tour:

24.10. Berlin, Columbiahalle

26.10. Frankfurt, Jahrhunderthalle

27.10. Köln, Palladium

28.10. München, Zenith

30.10. Zürich, Samsung Hall (CH)

02.11. Wien, Gasometer (A)

03.11. Leipzig, Haus Auensee

Bewertung: akzeptabel

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