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Musik-Kritik
Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

Florence + The Machine: High As Hope

- Virgin EMI Records

  • Florence + The Machine - High As Hope
  • Florence Welch zeigt sich auf "High As Hope", dem vierten Album von Florence + The Machine, deutlich gereift. Foto: Vincent Haycock

Es klingt fast wie eine Entschuldigung, was Florence Welch in "No Choir", dem letzten Stück ihres neuen Albums "High As Hope", formuliert: Je älter sie werde, desto schwerer falle es ihr, über das Glücklichsein zu singen. Glücklichsein sei einfach so ein ereignisarmes Thema. Und doch bemühte sich die Britin, auf der vierten Platte ihrer Band Florence + The Machine positiver und optimistischer zu klingen als auf dem Vorgänger "How Big, How Blue, How Beautiful", auf dem sie 2014 nach eigenem Bekunden ihren Herzschmerz verarbeitete. Der hoffnungsvolle Albumtitel für das neue Werk ist da schon ein guter Anfang.

Ursprünglich hätte der Name des neuen Albums nämlich "The End of Love" lauten sollen, was Florence Welch dann doch ein wenig zu negativ klang. Die Alternative, für die sie sich entschied, ist eine Zeile aus einem Gedicht, zu dem sie die Skyline von New York inspirierte. New York, Chicago, Los Angeles - all das sind Stationen, die die 31-Jährige in ihren neuen Songs erwähnt. Indizien dafür, wie groß, wie populär ihre Band inzwischen geworden ist. Glastonbury, Roskilde, Coachella - Florence + The Machine sind überall. Mit ihren kreativen, oft etwas mystischen Texten, dem dramatischen Aufbau ihrer Indie-Pop-Songs und deren opulenter Instrumentierung trifft Frontfrau Florence Welch seit 2009 einen Nerv.

"Lungs" hieß das sensationelle Debüt, und wie die Produktion von "Lungs" habe sich auch die von "High As Hope" angefühlt, erklärte Welch vorab in einem Interview, "nur mit zehn Jahren mehr Erfahrung". Und diese Erfahrung hört man. Damals war es ihre überbordende Fantasie, die Florence Welch Hymnen wie "Rabbit Heart" oder "Dog Days Are Over" schreiben ließ, genährt von Philip Pullmans Fantasy-Romanen und Edgar Allan Poes Geistergeschichten, die sie als Jugendliche verschlang. Heute sind es die Geister der eigenen Vergangenheit, die aus ihren Texten sprechen: In "Hunger", der zweiten Vorab-Single, erinnert sie sich daran, wie sie sich als 17-Jährige nach der Liebe sehnte, und blickt nun wissend auf die aktuelle Teenager-Generation. "South London Forever" versetzt sie zurück in ihre Zeit an der Kunsthochschule, in der sie sich treiben ließ. "Grace" hingegen ist eine sehr selbstreflektierte Entschuldigung an die titelgebende kleine Schwester, deren Geburtstage Florence nach eigener Aussage ständig ruiniert.

Die Erfahrung spiegelt sich aber auch darin wieder, dass Florence + The Machine nicht mehr ganz so experimentierfreudig wirken. Während etwa der Vorgänger "How Big, How Blue, How Beautiful" mit etwas rockigeren Klängen oder seinerzeit "Lungs" mit der fast schon punkigen Single "Kiss With A Fist" überraschten, bleibt "High As Hope" musikalisch etwas gleichförmiger. Zwar wird auch diesmal nicht an Pauken, Bläsern, Streichern, Harfen, Chorgesängen, Geklatsche und hallenden Elementen gespart. Doch die Arrangements klingen konzentrierter, weniger verspielt als einst. Reifer. Die Erkenntnis, dass diese Reife Florence + The Machine ziemlich gut steht, stellt sich bei manchen Stücken von "High As Hope" erst nach dem zweiten oder dritten Hördurchgang ein. Dicht gefolgt von der, dass man sich schon längst in das Album verliebt hat.

Bewertung: ausgezeichnet

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