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Hozier: Wasteland, Baby!

Folkrock - Island

  • Hozier - Wasteland, Baby! Foto: Universal Music
  • Jetzt kommt's drauf an: Fünf Jahre nach seinem Welthit "Take Me To Church" will Hozier mit einem neuen Album beweisen, dass er kein One-Hit-Wonder ist. Foto: Rachael Wright

"It's not the song, it is the singing", singt Hozier auf dem Eröffnungsstück seines zweiten Albums "Wasteland, Baby!". Mit energiegeladenem Gospel-Pop und seinem signifikanten Stimmvolumen betritt der 28-jährige Ire gleich zu Beginn jene Felder, die auf denen vor fünf Jahren aus dem Nichts zum Pop-Star heranwuchs. Damals, als er mit "Take Me To Church" durch die Radioprogramme der gesamten Welt wanderte und mehrere Platin-Auszeichnungen nach Hause trug. Seine zweite LP zeigt nun, dass Andrew Hozier-Byrne kein One-Hit-Wonder ist. Seine neuen Songs sind organisch, emotional und - zumindest mit ihrem Blick auf die Lage der Welt - auch ein bisschen politisch.

Die Musik auf "Wasteland, Baby!" präsentiert sich vor allem als kraftvoller Spiritual-Pop. Sie ist schon deswegen melodramatisch, weil Hozier über eine Stimme verfügt, die Schmerz und Glück gleichermaßen vermitteln kann. Der Sohn eines Bluesmusikers sang als Kind in diversen Chören und hat die Vorgänger seines jetztigen Musikstils ausgiebig studiert - Blues, Soul, R'n'B. Hozier wird als Musiker ernst genommen, weshalb er sogar die Chicagoer Soul-Legende Mavis Staples als Gastsängerin gewinnen konnte - ein echter Ritterschlag, schließlich zählt Staples laut "Rolling Stone" zu den 100 besten Sängerinnen der Welt. Hozier, der übrigens am St. Patrick's Day geboren ist, kann es in seinen guten Momenten durchaus mit ihr aufnehmen.

Eine Hommage an alte, aber nicht veraltete Songwriting-Techniken

"Wasteland, Baby!" bildet musikalisch auch ein breiteres Spektrum ab als das 2014 erschienene Debüt "Hozier". Man watet durch klebrige Gitarrenriffs, ausufernde Piano-Akkorde und Beat-getriebene Orgel-Sümpfe, in denen Hozier ergreifende Bilder malt. Griechische Mythologie und biblische Katastrophen metaphorisiert Hozier zu Oden an die Liebe, Beziehungsdramen und Songs über Selbstermächtigung. Kein Themenkomplex ist ihm zu groß oder zu schwer.

"It's not the wall but what's behind it / The fear of fellow men, his mere assignment", signt Hozier auf "Nina Cried Power". Das politische Klima der letzten zwölf Monate habe die Produktion begleitet, beim Schreiben manchmal gar das Gefühl eines Weltuntergangs ausgelöst, erklärt Hozier hierzu. Songs wie dem minimalistischen Blues-Pop-Stück "Nobody" oder "As It Was" haftet dadurch eine Weite an, die sich zwischen Ansätzen von Florence + the Maschine und Coldplay auch in die Soul-Sparte gräbt. Kein Zufall, arbeitete Hoziers Co-Produzent Markus Dravs doch unter anderem schon mit ebendiesen Künstlern zusammen.

Mal religiös, mal rustikal, immer mit einem Fokus auf sauberes Musik-Handwerk: Hoziers Songs sind im Angesicht so vieler computergesteuerter Radiohits eine echte Erfrischung - elektronische Klänge finden sich kaum in den 14 Songs. Vielmehr ist "Wasteland, Baby!" eine Hommage an alte, aber nicht veraltete Songwriting-Techniken mit Gitarre, Klavier und Tamborin - ein Verweis auf abgeschlossene Pop-Kapitel, in denen Röhrenmikrofone und nicht Software-Simulation das Aufnahmestudio beherrschten. Hozier selbst hat übrigens gar nichts gegen Computer - in einem Interview verriet er einmal, er sei sehr gut im Spielen von "Mario Kart".

Bewertung: überzeugend

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