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Jean-Michel Jarre: Equinoxe Infinity

Ambient - Columbia

  • Jean-Michel Jarre - Equinoxe Infinity Foto: Columbia
  • 40 Jahre nach dem Album "Equinoxe" hat Elektro-Pionier Jean-Michel Jarre einen Nachfolger veröffentlicht. Foto: EDDA

Über Jean-Michel Jarre lässt sich immer wieder trefflich streiten: Für die einen ist er ein hängengebliebener Elektro-Nerd, für die anderen ein zeitloser Pionier. Die einen sprechen von "besserer Kaufhausmucke", die anderen erkennen "bahnbrechende Klangwelten". So oder so: Der französische Musiker ist ein Unikat. Ein Tüftler, Grenzgänger, Visionär. Knapp drei Monate nach seinem 70. Geburtstag und genau 40 Jahre nach der Veröffentlichung des Werkes "Equinoxe" ist nun sein neues Album "Equinoxe Infinity" erschienen.

Beim Hören wird schnell klar: Zwischen dem Vorgänger von 1978 und der neuen Platte liegen musikalisch keine Welten, höchstens Weltchen. Breite Klangteppiche, prägnante Motive, technoide Szenerien - der Flug durch die Dimensionen wird zweifellos auch mit einer Reise in die Vergangenheit verbunden.

Die Instrumente auf "Equinoxe Infinity" sind teilweise dieselben wie einst. Analoge Synthesizer-Modelle und Mellotron tummeln sich in der im Booklet aufgeführten Liste. Die zehn Stücke besitzen zwar eigene Namen, werden jedoch in Klammern wie gewohnt durchnummeriert, diesmal als "Movements". Manches wirkt sedierend, anderes aufwühlend oder beklemmend.

"Robots Don't Cry" weckt die Erinnerung, "Don't Look Back" die Hoffnung, und "Infinity" kommt mit plüschigem Discoflair daher. Jarre durchleuchtet verschiedenste Stimmungen, die großen Fragen nach dem "Woher?" und "Wohin?" schweben drohnengleich über der Landschaft.

Paranoid? "We are watching you". Sie sind wieder da. Vom "Equinoxe"-Plattencover blickten den Hörer einst die in Reihe geschalteten "Watchers" durchdringend an. Was wollen sie? Wohin schauen sie? Es schauerte den Betrachter, während durch die Lautsprecher ebenso kalte wie zukunftsweisende Elektronikklänge drangen. Jetzt, in Zeiten von Virtual Reality, digitaler Intelligenz und fühlenden Robotern, wirkt das Originalalbum seltsam aktuell.

Was kommt denn nun, was wird mit uns? Bei "Equinoxe Infinity" lässt Jarre den Zufall entscheiden: Das Album wurde mit zwei verschiedenen Album-Covern produziert - erst beim Auspacken weiß man, welches man hat. Auf einem sitzen die "Watchers" als Steinfiguren in einer ansehnlichen und intakten Landschaft. Auf dem anderen dominieren Rottöne. Verbrannte Erde, ein kopfloser Mensch, verschüttete Bildschirme.

Bewertung: ausgezeichnet

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