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Musik-Kritik
Freitag, 27. April 2018 16° 2

Kylie Minogue: Golden

Pop - BMG

  • Kylie Minogue - Golden
  • Kurz vor ihrem 50. Geburtstag meldet sich Kylie Minogue mit einem neuen Album zurück, auf dem sie ihre Liebe zu Country-Musik entdeckt. Foto: Darenote Ltd. 2018 / Simon Emmett

Kylie Minogue macht auf ihrem neuen Album auf Country-Girl. Die Optik der britisch-australischen Sängerin orientiert sich an Tennessees Musiklegende Dolly Parton, und im Videoclip zur Single "Dancing" übt sie sich im Line-Dance. Zugegeben, es ist nicht neu, dass sich Popsängerinnen als Cowgirl inszenieren. Man denke nur an Madonna, die für das Album "Music" einst mit uramerikanischen Kleidungsstücken wie der bestickten Jeans, Westernhut und Lederboots ins neue Jahrtausend startete. Im vergangenen Jahr haute die ehemalige Gossip-Sängerin Beth Ditto mit dem Video zu "Fire" auch einmal kurz in die Honkytonk-Kerbe. Doch für Kylie könnte die Zeit im Country-Mekka Nashville, wo sie die Richtung für ihr 14. Studioalbum "Golden" fand und die ersten Songs entstanden, tatsächlich den Wendepunkt in ihrer Karriere bedeuten.

Wer kürzlich ihrem Mini-Club-Konzert im Berliner Berghain beiwohnte, war überrascht, wie gut ihr die bodenständigen Instrumente und der Redneck-Sound doch stehen. Tatsächlich offenbart sich erst jetzt, nach über 30 Jahren im Popzirkus, welche Qualität die Stimme der Sängerin und Schauspielerin hat. Als süßes Showgirl in goldenen Hotpants wurde Kylie Minogue lange Zeit heiß geliebt, als Künstlerin jedoch oft unterschätzt.

Diesmal sind zwar nur der Albumtitel und ihr Alter "Golden" (die Minogue feiert am 28. Mai ihren 50. Geburtstag), dafür transportieren die neuen Songs viel Lebenserfahrung - wie es sich für einen der langlebigsten weiblichen Stars im Popgeschäft gehört. Das beste Stück der Platte heißt "A Lifetime To Repair". Darin thematisiert Kylie Minogue nach den öffentlich breitgetrenenen Trennungen in ihrem Privatleben ihr schwieriges Verhältnis zur Liebe. Es ist eine mit subtilem Humor gespickte Hymne für alle Menschen, denen das Herz einmal zu oft gebrochen wurde. "If I get hurt again, I need a lifetime to repair", singt sie, kurz nachdem ein Countdown den nächsten Liebesschmerz eingeläutet hat. Während die Strophen von der Westerngitarre und Fingerschnipsen dominiert sind, stimmt der Refrain mit fetten Disco-Stampfbeats euphorisch.

Das ist ohnehin das Schönste an Kylies musikalischer Neuorientierung: dass sie beides, Country und Pop, großartig unter einen (Cowboy-)Hut bringt. Die Platte enthält allerdings auch einige kitschbehaftete Schmonzetten wie "Radio On" oder das Duett "Music's Too Sad Without You" mit dem vor allem in England populären Sänger Jack Savoretti, der mindestens so gut aussieht wie Kylies Ex-Verlobter Joshua Sasse. Die Begeisterung der Truckerfahrer dürfte sich da in Grenzen halten. Vielleicht werden aber auch nicht mehr alle schwulen Minogue-Fans auf dieser Heuballen-Party mittanzen. Dafür könnte Kylie Minogue mit dem neuen Werk zur Mut stiftenden Gallionsfigur für all jene Frauen werden, die ein bisschen sind wie sie selbst: um die 50, mit Beziehungsstatus Single und viel Erfahrung in Sachen Herzschmerz - aber auch mit jeder Menge Lust zu feiern.

Bewertung: überzeugend

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