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Musik-Kritik
Freitag, 20. April 2018 27° 2

Lisa Stansfield: Deeper

Pop - EarMusic

  • Lisa Stansfield - Deeper
  • "Deeper" heißt das neue Album von Lisa Stansfield. Foto: Ian Devaney

Die 80er-Jahre gingen gerade zu Ende, da schüttelte eine juvenile 23-Jährige namens Lisa Stansfield einfach mal so die Blaupause zwischen britischer Pop-Grandezza und weißer Soul-Musik aus dem Ärmel. Ihr Debütalbum "Affection" verkaufte sich damals über fünf Millionen Mal und brachte eine Handvoll erfolgreicher Hitsingles hervor, allen voran die unkaputtbare, groovige Soul-Perle "All Around The Word", die weltweit wochenlang die Top 3 der Charts okkupierte. Nun veröffentlicht die 51-Jährige ihr neues Album: "Deeper".

"All Around The Word" - einen besseren Karrierestart als Solistin hätte es nicht geben können. Doch die aus Manchester stammende Singer-Songwriterin konnte dieses Kunststück nicht mehr wiederholen. Zwar gelangen der Brit Awards-Gewinnerin in der Heimat noch einige Top-Ten-Singles, doch ihr starker Soul-Pop machte es sich im Laufe der Jahre eher im unteren Mittelfeld der Charts bequem. Ihr letzter Song, der in den deutschen Charts ein wenig Aufsehen erregte, hieß "Treat Me Like A Woman" aus dem Jahr 2005.

Stansfields damaliger Produzent - Frankie Goes To Hollywood-Erfinder Trevor Horn - sollte eigentlich das dazugehörige Album "The Moment" mit seiner von Gott gegebenen Affinität der Hitschöpfung veredeln. Herauskam kam jedoch ein beinahe steriles, anbiederndes Stück Pop. Lisa Stansfield zog sich für eine Weile zurück, um sich auf die Schauspielerei zu konzentrieren.

Nach zehn Jahren Albumpause veröffentlichte Stansfield 2014 ihren recht erfolgreichen Longplayer "Seven", der - wie in alten Zeiten - gemeinsam mit ihrem Ehepartner und Songwriter Ian Devaney entstand und souverän zwischen retrohaftem Philly-Sound und Clubtauglichkeit changierte. Auf ein ähnliches Prinzip setzt nun auch Stansfields achtes Werk, das an die Anfangsjahre ihrer Karriere erinnert.

Von tiefen Basslinien flankiert, entwickeln Stansfield und Devaney im Opener "Everything" zückersüße Harmonien, die sich leicht einfangen lassen wollen. Streicher fließen stimmig in "Twisted" neben dem griffigen Groove entlang, während die Uptempo-Nummer "Desire" Housemannskost serviert. Die erste Single "Billionaire" lullt gekonnt mit ihrem hymnischen Charakter ein, und der Schunkler "Hercules" zitiert gar John Carpenters legendäres Keyboard-Thema aus "Assault On Precinct 13". Absicht? Zufall? Passt zumindest hervorragend zum Song.

Der lupenreine, watteweiche Breitwand-Funk "Butterflies" bildet die Vorhut zum majestätischen Finale "Ghetto Heaven", ein superbes Cover der New Yorker Soul-Ikonen The Family Stand, die eine große Inspiration für Stansfield vor allem zu Beginn ihrer Karriere waren.

Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass die Sängerin auch im dritten Jahrzehnt ihrer Karriere eine makellose Vokalarbeit abliefert, die einer Soul-Königin würdig ist: warm und fesselnd, voller Emotionen. Begleitend zum Release ihres neuen Albums geht Lisa Stansfield auf eine ausgedehnte Europa-Tournee, die sie ab Mai auch nach Deutschland führen wird.

Bewertung: überzeugend

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