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Musik-Kritik
Sonntag, 25. Februar 2018 -3° 1

MGMT: Little Dark Age

Elektro-Pop - Smi Col

  • MGMT - Little Dark Age
  • Die MGMT-Köpfe Ben Goldwasser (links) und Andrew VanWyngarden finden mit "Little Dark Age" so etwas wie die Essenz ihres eigenen bisherigen Schaffens. Foto: Brad Elterman

MGMT starten schräg in ihr erstes Album seit fünf Jahren: "The only reason we didn't work out is we didn't work out enough", erklärt eine Frauenstimme, die offenbar einer Fitness-Anleiterin gehören soll und zwischen den Strophen mit hörbarem Grinsen zur nächsten Übung motiviert. Parallel arbeiten MGMT von Anfang an mit lebensmüder Stimmung gegen diese Stimme an wie der innere Dämon, der zu Schokolade statt Sport verführen will. Willkommen im "Little Dark Age".

Schräges Sample-Material taucht auch nach dem schizophrenen Auftakt häufig auf. Der Track "When You Die" will ausdrücken, dass man dem Adressaten nicht sonderlich freundlich gesinnt ist und dessen Ableben kaum erwarten kann. Gehässiges Gelächter im Hintergrund veranschaulicht die zynische Botschaft. In diesen Momenten tritt eine der großen Qualitäten von MGMT besonders deutlich hervor: Sie nehmen sich selbst nicht zu ernst. Wenn sich experimentelle Pop-Acts selbst zu ernst nehmen, wird es schnell ungelenk. Stattdessen wecken MGMT viele unterschiedliche Assoziationen und klingen trotzdem nicht nach collagierter Retromanie.

Häufig hat man das Gefühl, mit "Little Dark Age" einen Soundtrack zu einem Film zu hören, zu dem man sich die Bilder selbst zusammenfantasieren kann. Der zentrale Keyboard-Loop des Titelsongs klingt synthetisch und kalt wie ein Carpenter-Thema, wird dann aber in einen Pop-Song mit Gothic-Gestus gebettet - The Cure könnten hier Pate stehen. Auch auf "Me And Michael" sind deutliche Synth-Wave-Einflüsse zu hören. Beim Titel "James" glaubt man hingegen, weit im Hintergrund den markanten Moog-Synthesizer aus "Kids" auszumachen. Man erinnert sich kurz an den großen MGMT-Hit von vor einer Dekade; gleichzeitig wird deutlich, wie erfolgreich sich die Band von ihrem Synth-Pop-Gassenhauer emanzipieren konnte.

Mit den auf "Kids" folgenden Alben bewanderten MGMT ein breites Spektrum zwischen Psychedelia und Indietronic, das mal in düstere New Wave-Gefilde, dann wieder in eingängige Pop-Regionen abbog. Hörer, die in der New Yorker Band damals die Nachfolger der Pet Shop Boys sehen wollten, wurden schnell eines Besseren belehrt, denn so verspielt wie MGMT waren die Pet Shop Boys nie. "Little Dark Age" ist eine schlüssige Essenz aus all diesen Einflüssen gepaart mit einer großen Dosis Eigencharakter, den MGMT ihrer Liebe für alte Synthesizer und ihrem gesund selbstironischen Gestus verdanken. Ob es mit dem Pop-Olymp diesmal klappt? Dafür fehlt es wahrscheinlich an offensichtlichen Hits. Die Teile des Publikums, die MGMT seit zehn Jahren verfolgen, werden an diesem Langspieler dennoch große Freude haben.

Bewertung: ausgezeichnet

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