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Neil Young: Songs For Judy

- Warner Music

  • Neil Young - Songs for Judy Foto: Warner Music
  • Nach einem Streit mit Stephen Stills ging Neil Young 1976 auf Solotour. Foto: Joel Bernstein

Eine der schönsten Anekdoten der Rockgeschichte geht so: Im Sommer 1976 kriegten sich Neil Young und Stephen Stills während einer gemeinsamen Tour derart in die Haare, dass Young nach einer Show in South Carolina einfach in eine andere Richtung fuhr als Stills. Zuvor war schon die Reunion mit David Crosby und Graham Nash als Supergroup CSNY an den Egos die vier Herren gescheitert, jetzt klappte es nicht einmal mehr in der Zweierkonstellation. Neil Young also brauste mitten in der Tour mit Stills davon, und als der Verlassene am nächsten Tourstopp auf Young wartete, sendete der ihm lediglich ein Telegramm: "Lieber Stephen", schrieb er, "seltsam, wie Dinge, die spontan beginnen, so enden. Iss einen Pfirsich. Neil."

Für Young war das Ende der Zusammenarbeit mit Stills ein Befreiungsschlag. Und während Stills die Tour alleine zu Ende brachte (er war vertraglich dazu verpflichtet), ging Young wenige Monate später ohne ihn auf Konzertreise. "Die Shows waren unbekümmert und wunderschön. Jede Nacht", erinnert sich Cameron Crowe, der später als Regisseur ("Vanilla Sky", "Jerry Maguire") Erfolge feiern sollte und damals als "Rolling Stone"-Journalist Neil Young begleitete. "Die Abende begannen mit einem akustischen Solo-Set von Neil. Der Akustikteil änderte sich jeden Abend", erinnert sich Crowe. Nach einer Stunde spielte Young dann ein elektrisches Set, zusammen mit seiner Begleitband Crazy Horse. Für "Songs For Judy" stellte Crowe, zusammen mit dem Tourfotografen Joel Bernstein, jetzt die Höhepunkte des Akustiksets zusammen.

"Manchmal fühle ich mich wie ein grüner Wurlitzer", sagt Neil Young zu Beginn einer der Shows. "Ich kenne die alten Songs. Wenn du zu viel von dem alten Scheiß hast, dann gute Nacht." Wobei der "alte Scheiß" damals keine fünf, sechs Jahre auf dem Buckel hatte. Und so spielt er natürlich trotzdem "Heart Of Gold", "After The Gold Rush" oder "Harvest", in wunderbar reduzierten, intimen Versionen, mit Gitarre, Klavier und Mundharmonika. Auch neue Songs ("Too Far Gone") standen in jenen Wochen im November auf Youngs Setlist, sowie mit "No One Seems to Know" ein Stück, das auf dem jetzt veröffentlichten Mitschnitt erstmals offiziell zu hören ist.

Er habe, erzählt Neil Young im Intro zu "Songs For Judy", hinter der Bühne Judy Garland gesehen; im roten Kleid und mit rotem Lippenstift sei sie vor ihm gestanden. "Wie läuft das Geschäft, Neil?", habe sie ihn gefragt. Glauben müsse man ihm das aber nicht, sagt er schelmisch.

Mit seinen Akustikversionen schlägt "Songs For Judy" eine Brücke zu "Hitchhiker", jenem vor wenigen Monaten erst erschienenen Album, das Young ebenfalls 1976 aufgenommen hatte. Damals wollte die Plattenfirma die Scheibe nicht veröffentlichen, zu unfertig würden die Songs klingen, hieß es. Und so dauerte es etwa bei "Pocahontas" noch drei Jahre, bis das Stück (auf "Rust Never Sleeps") auf Platte gepresst wurde. Wie stark der Song, diese Mischung aus Protestlied und Liebesballade, schon damals live auf der Bühne klang, zeigt nun "Songs For Judy" beeindruckend.

Bewertung: ausgezeichnet

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