mz_logo

Musik-Kritik
Mittwoch, 18. Juli 2018 29° 6

The Bamboos: Night Time People

Funk - BMG Rights Management

  • The Bamboos - Night Time People
  • Das australische Funk- und Soul-Ensemble The Bamboos spielt Musik, die früher auch beim berühmten Motown-Label gut aufgehoben gewesen wäre. Foto: She Is Aphrodite

Australien ist nicht unbedingt bekannt für große Soul- und Funk-Musik. Als jedoch The Bamboos im Zuge der internationalen Retro-Soul-Welle um Sharon Jones & The Dapkings, Aloe Blacc oder Mayer Hawthorne vor einigen Jahren auf die Tanzfläche wirbelten, stiegen sie schnell zur Speerspitze der neuzeitlichen Deep-Funk-Bewegung auf. Inzwischen sind sie fester Bestandteil einer internationalen Community, die an die klassischen Funk-Spielarten der 1970-er anknüpft und ihnen ein zeitgemäßes Update geben möchte. Ihre neueste Anstrengung auf dem Gebiet nennen sie "Night Time People".

Nach über 15 Jahren Bandgeschichte stehen die Bamboos nach wie vor als Geheimtipp mit außerordentlichen Live-Qualitäten vor der weltweiten Funk-Gemeinde - und vor allen anderen, die gerne mittanzen möchten. Im Vergleich zum Elektro-Soloausflug von Sängerin Kylie Auldist ("Family Tree", 2016), die in Deutschland 2009 durch den Nummer-eins-Hit "This Girl" von Kungs vs. Cookin' on 3 Burners bekannt wurde, ist "Night Time People" wieder im organischen Sound der Stax- und Motown-Ära verwurzelt, der schon das Frühwerk der Bamboos prägte. Ein Sound, der vielleicht alt, aber niemals altbacken wird. Man hört filigrane Gitarren-Riffs, drückende Uptempo-Beats und orchestrale Bläsersätze, die den Geist von Sly & The Family Stone und The Meters kombinieren. Die Liebe leitet, der Funk regiert.

Bandleader Lance Ferguson dementiert zwar gerne, sich ausschließlich auf nostalgische Produktionen zu konzentrieren, doch kann schon die Vorab-Single "Lit Up" ihren Retro-Charme nicht verstecken: Diese zuckersüßen Stakkatto-Pianos und choralen Backing-Vocals würden Berry Gordy stolz machen. Es ist der eindringliche Pop-Appeal dieser rohen Funk-Arrangements, mit dem sich die Australier von zeitgenössischen Rhythm'n'Blues-Ideen etwa eines Kendrick Lamar unterscheiden. The Bamboos bemühen sich zwar um politische Botschaften, allerdings nur zwischen den Zeilen. Sie bleiben lieber tanz- und nahbar; der Groove ist hier wie einst auch bei Parliament vor allem Metapher für den Weltfrieden.

Das Konzept geht oft genug auf, etwa im lässigen Verliebtheits-Lied "The Golden Ticket" oder dem Titeltrack "Night Time People", der nach einer Art Disko-Straßenfest klingt. Zeitweise verliert sich der Retro-Anstrich innerhalb der elf Stücke aber auch in Seifenoper-Beliebigkeit, wie auf dem instrumentalen Stück "San Junipero", das bestenfalls an die Intro-Melodie einer TV-Serie erinnert.

Durchaus bemerkenswert ist dagegen der Titel "Broken", kommt diese waschechte Stadion-Funk-Operette doch in gleich drei verschiedenen Versionen daher. Neben dem stilsicheren Rapper-Geheimtipp J-Live hält man dabei auch noch eine kleine Überraschung für das deutsche Publikum bereit. Der Berliner Soulman Teesy, der den melancholischen Kopf-hoch-Funk in eine Unity-Hymne verwandelt, bringt die Quintessenz der LP in seiner Interpretation fast beiläufig auf den Punkt: "Lass aus dem 'ich' mal ein 'uns' machen". Die Welt unter einem Groove. Funky!

Bewertung: überzeugend

teleschau - der mediendienst

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht