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Musik-Kritik
Donnerstag, 26. April 2018 16° 3

Thirty Seconds to Mars: America

- Interscope

  • Thirty Seconds to Mars - America
  • Angeführt von Jared Leto (rechts) veröffentlichen Thirty Seconds to Mars das neue Album "America". Foto: Universal Music

Die Marsianer, das sind All American Boy Jared Leto, sein großer Bruder Shannon und Multi- Instrumentalist Tomo Milicevic. Zwischen dem aktuellen Werk "America" und seinem Vorgänger nahm die A-Promi- und Sexsymbol-Werdung des Jared Leto ihre steilste Kurvenform an. Beeinflusst dies das neue Album von Thirty Seconds to Mars, dessen Titel einen möglichst großen Identifikationsradius zu beschwören scheint? Per #WhatAmericaMeansToMe können sich Fans zu Wort melden. Die typografische Form dieser Tweets allerdings, in der auch die sechs verschiedenen Album-Cover gehalten sind, ist als Parodie auf Listen-Artikel zu verstehen, und auf die Vorstellung, große Konzepte ließen sich in Schlagworten ausdrücken. Da werden mal Prominente und Sexstellungen, dann Sportarten und Geheimdienste als Schlüsselelemente des amerikanischen Lebensgefühls angeführt. Öffnet auch das musikalische Produkt doppelte Böden?

Letos erste Zeile auf "America" ist eine gute Frage: "Can you even see what you're fighting for?" Der Text verweist auf die wachsende Spaltung zwischen linkem und rechtem Meinungsspektrum und einen damit einhergehenden Vertrauensverlust in die Medien. Genau zu wissen und begründen zu können, wofür man politisch einsteht, kann in diesem Klima schon mal mit Jesus' Gang übers Wasser verglichen werden.

Die Produktion zum folgenden "Dangerous Night" geht auf das Konto der russisch-deutschen Hitmaschine Zedd. Schon da wird offensichtlich, dass die gitarrengetriebenen Hymnen der frühen Tage ebenso der Vergangenheit angehören wie die Chöre und die Field Recordings auf "This is War" (2009). Stattdessen bauen sich bombastische Synthesizer auf, und die Vocals triefen vor Hall und Effekten. Da braucht es auch keine Chöre mehr.

Geht es nun bei diesem neuen Album also um Politik? Bei Phrasen wie "Do you wanna cross the line? / We're runnin' out of time" ist das schwer zu sagen. Auch im weiteren Verlauf des Albums lässt sich in viele Zeilen Privates ebenso wie Öffentliches hineininterpretieren, und in puncto Identifikationspotenzial hätte man die Platte auch "World" nennen können.

Vereinzelt, etwa in "Remedy", verschaffen die Effekte und Letos Vortrag den Songs Charisma. Vereinzelt, zum Beispiel im eingängigen Duett "Love is Madness" (mit Halsey), sind Sounds wie aus dem Trailer zu einem Roland Emmerich-Film auch so geschickt mit dem Gesang verknüpft, dass man mitgerissen wird. Oft drängen sich aber die elektronischen Club-Produktionen sehr in den Vordergrund, die dann doch eher nach Files von der Tonstudio-Resterampe als nach einer spannenden Weiterentwicklung klingen. Wenn Leto glaubt, diesen Songs stimmlich und lyrisch einen ausreichend dicken Stempel aufzudrücken, überschätzt er sich.

Bewertung: akzeptabel

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