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Musik-Kritik
Freitag, 20. Juli 2018 31° 2

Yungblud: 21st Century Liability

- Interscope

  • Yungblud - 21st Century Liability
  • Man kriegt ihn nicht recht zu fassen: Yungblud pendelt ständig zwischen Punk und Pop. Foto: Universal Music

"He didn't give a fuck really, so the politicians killed him", erfahren wir aus einer fiktiven Grabrede, die das Album eröffnet. Yungbluds Geist klingt auf den folgenden elf Songs sehr lebendig. Die britische Musikjournaille rotierte ganz ordentlich, als der junge Wuschelkopf im vergangenen Jahr seine selbstbetitelte Debüt-EP veröffentlichte. Sein energetischer Genre-Mix erfindet das Rad zwar nicht neu. Interessant ist aber Yungbluds Perspektive auf diese Genres: Rock und Rap seien wie Geschwister, sagt er, weil sie mehr seien als Musik, nämlich Kommentar und Korrektiv. Richtig so! Die lustigen T-Shirts mit Sprüchen, die Rock und Rap gegeneinander ausspielen wollen, sind glücklicherweise längst vergessen. Der 19-jährige Yungblud (bürgerlich Dominic Harrison) ist in allen Subkulturen zu Hause, die gerne stören. Dieses Prinzip gibt es jetzt auf "21st Century Liability" erstmals im Langspielformat zu hören.

Das Plattencover, das Yungblud in einer Zwangsjacke vor weißem Hintergrund zeigt, verweist zunächst höchstens indirekt auf seine gesellschaftskritischen Anliegen. Inhaltlich bemüht sich der junge Mann aus Doncaster aber nicht, besonders mehrdeutig zu sein, worin vielleicht seine Stärke liegt: "Leave her alone mate, she doesn't want to go home with you", ruft er auf "Polygraph Eyes" einem Mann zu, der offensichtliche Probleme mit dem Konzept Konsens hat.

Ebenso unmissverständlich ist der Titel von "Machine Gun (Fuck The NRA)". Diese Kampfansage an die Waffenlobby ist in ein eingängiges Elektropop-Gewand gepackt, das im Refrain kurz durch ein generisches Alternative-Rock-Riff ergänzt wird. Langsam beginnt man, das Cover zu verstehen: Vielleicht ist Yungblud auf diesem Album schizophren, weil er in die Rollen derer schlüpft, die er hasst. Vielleicht ist die Zwangsjacke aber auch der eingängige Sound, den er seinem Mod-Gezeter überstülpt.

Der Rausschmeißer und Titeltrack ist vielleicht das Highlight des Albums, weil das Stück so auf den Punkt komponiert ist. Zu einem punkigen Riff, einem Mantra-artigen Refrain und einem C-Part, der stark nach Rage Against the Machine klingt, schreit Harrison Generation-Y-Weltschmerz in die Welt, ohne zu wehleidig zu wirken.

Yungblud klingt durchaus, als stehe er in der Tradition britischen Indie-Pops. Die Produktionen erinnern an M.I.A., die Gesangsmelodien an The 1975. Und vielleicht ist Yungblud gerade genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Man kann sich gut vorstellen, dass sich eine angewiderte Post-Brexit-Jugend in Großbritannien in seinem Sound wiederfindet. Dafür sorgt die richtige Balance von Galligkeit und Pop-Appeal. Rage Against the Machine ist er damit nicht. Aber vielleicht die Pop-Version von Rage Against the Machine für eine Generation mit geschrumpfter Aufmerksamkeitsspanne.

Bewertung: überzeugend

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