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LP: Heart To Mouth

- BMG

  • LP - Heart To Mouth Foto: Warner Music
  • Als Songschreiberin für große Pop-Stars feierte Laura Pergolizzi schon einige Erfolge, nun veröffentlicht sie unter dem Kürzel LP wieder ein eigenes Album. Foto: BMG

Laura Pergolizzi war jahrelang das, was in Musikerkreisen gerne auch mal als Schimpfwort verstanden wird: ein Kritikerliebling. Und sie war damit immer zufrieden. Im Hintergrund der Musikindustrie wird die New Yorker Songschreiberin mit italienischen Wurzeln schließlich schon lange geschätzt. Doch während Künstler wie die Backstreet Boys, Rihanna oder Cher mit Liedern aus ihrer Feder internationale Charterfolge feierten, dümpelte die Karriere der Sängerin über mehrere Alben durch Auskenner- und Industriezirkel vorbei an Millionengeschäften und Preisverleihungen. Dann kam "Lost On You", eine sentimentale Folk-Pop-Ballade über eine gescheiterte Liebesbeziehung, die im Sommer 2016 ausgerechnet von den Stränden Griechenlands aus zum Welterfolg aufstieg, und Laura Pergolizzi schlagartig in den internationalen Pop-Olymp katapultierte. Jetzt veröffentlicht sie ihr neues Album "Heart To Mouth".

LP ist Pergolizzis Künstlername, ihr Aussehen ist merklich von Bob Dylan inspiriert, und "Heart To Mouth" ist tatsächlich schon ihr fünftes Album. Einen kurzen Atem zu haben, das kann man der 37-Jährigen nicht vorwerfen. Es ist eine intensive und persönliche Dreiviertelstunde, die die Tochter einer Opernsängerin und eines Anwalts hier vorlegt.

Sensitiver Gitarren-Pop wird da behutsam in melancholische R'n'B-Strukturen gegossen. Beispielsweise im Song "When I'm Over You", der Radio-Zeitgeist mit Patti-Smith-Charme in bittersüße Liebeskummer-Lyrik tränkt. "Tell myself it's a new day until it's true", säuselt sie in einer beschwipsten Intensität, als würde Gwen Stefani versuchen zu klingen wie Johnny Cash. An anderer Stelle vermischt sie Jeff Buckley mit Nancy Sintara, wie es Lana Del Rey vor ein paar Jahren einmal probiert hat. Die LP von LP ist wandelbar und poppig wie eine Spotify-Playlist, gleichzeitig bleibt sie immer robust und cool wie eine Lederjacke.

Kein Radio, nur Oldies sollen früher zu Hause gelaufen sein, hat die 1981 Geborene einmal gesagt. "Heart To Mouth" bespielt nun die Stilpalette der 70-er mit dem Gehör eines Kindes, das die 80-er und 90-er nachholt. "Girls Go Wild" etwa, ein leichtfüßiger Roadtrip-Pop-Song, schuldet Janis Joplin genauso viel wie Texas. Die zwölf Panorama-Kompositionen balancieren stets zwischen Stadion-Hymne und Proberaum-Folk - anspruchsvoll und eingängig zugleich. Der Pathos von LPs Liedern wird durchbrochen von Abgründen aus Scheitern, Alkoholmissbrauch und Einsamkeit, wenn sie etwa die Reparatur ihres gebrochenen Herzens mit Zeilen wie "It took me months to loose the pain / Now I only take the train" verarbeitet ("Hey Nice To Know Ya"). LP wirkt da eher geläutert als gestärkt und tut sich hervor als pompöser Gegenentwurf zur Dance-Floor-Gleichförmigkeit im Radio, die immer noch Tankbarzeit vor Tiefgründe stellt. Beats küssen das anspruchsvolle Liedermachen, doch die Discokugel zerschellt grandios am Gitarrenhals.

LP hat mit "Heart To Mouth" eine Platte produziert, die das (Pop-)Herz auf der Zunge, die Haare ungekämmt und die Gitarre auf dem Rücken trägt. In dem Abschlusssong "Special" heißt es gar: "It ain't money, it ain't fame / It's all bullshit in the end". Ruhm war nie ihr Ziel. Nur, dass Mama kein Radio hatte, das kauft man ihr nicht ganz ab.

Bewertung: ausgezeichnet

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