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Beck

Meister der Metamorphose

Zusammen mit Pharrell Williams bestückt Beck Hansen seinen undefinierbaren Klangkasten mit einer weiteren Farbpalette. Das neue Album "Hyperspace" ist eine morphende Melange aus Folk, Rap und R'n'B, die Becks Nimbus als Chamäleon des Pop noch prächtiger strahlen lässt.

  • Komisches Cover, gute Musik: Beck veröffentlicht mit "Hyperspace" sein inzwischen 14. Studioalbum. Foto: Universal Music
  • Man sieht es ihm nicht an, aber inzwischen ist Beck schon 49 jahre alt. Und: Er ist nach wie vor ein Meister der musikalischen Metamorphose. Foto: Mikai Hansen

Ist das noch Pop oder braucht die Musik von Beck Hansen inzwischen eine eigene Genrebezeichnung? Man kann sie jedenfalls in keine Schublade stecken, was letztlich für den Musiker spricht. Selbst aus einer Künstlerfamilie stammend, entwickelte Beck über die Jahre mit genial diffusen Stilmixen seine Vision von Popmusik. Keine Platte gleicht der anderen; der US-Amerikaner klopft seinen Klangteppich konsequent nach jeder Produktion aus, ohne darunter seinen Trademark-Sound zu begraben. Die Missachtung von Genre-Konventionen und seine unheimliche Musikalität machen Beck zu einem der kreativsten und spannendsten Interpreten der Gegenwart - vom "Loser" aus den 90-ern zum "Star", wie ein Song seines neuen Albums "Hyperspace" heißt.

Dass der Stil auch auf Becks 14. Studiowerk nicht gänzlich zu fassen ist, liegt diesmal auch an Tausendsassa Pharrell Williams, der nicht nur Keyboards und Drums einspielte, sondern auch sieben der elf Titel mitschrieb und -produzierte. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Songs so klingen werden, wie sie es jetzt tun", erzählte Beck vor Kurzem im Magazin "NME". "Ich habe da eher in Tracks gedacht wie 'Drop It Like It's Hot'", so der Musiker über den vermeintlich HipHop-lastigen Sound der Platte.

"Hyperspace" ist eine morphende Melange irgendwo zwischen "Sea Change" (2002) und "The Information" (2006). Beck versetzt zarte Melodien in Bewegung, die vom Meeresgrund heraufzuwallen scheinen und in einem elektronischen Becken aus Synthesizern, Autotune und Drum-Machines münden. Innerhalb der Stücke schlägt der Singer/Songwriter aus Los Angeles teilweise mehrere Haken, um der Musik immer wieder eine andere Stoßrichtung zu geben. In "Uneventful Days" präsentiert der 49-Jährige seine Vorstellung von R'n'B, in "See Through" zitiert er den Emo-Trap aus Kanye Wests "808s & Heartbreak", in "Chemical" rappt er zur Akustikgitarre: "A random thought, a memory / A tidal wave of energy, I'm on my knees / A sudden change, in everything / Don't know what I would feel when I'm free" - Williams scheint Beck definitiv beflügelt zu haben.

Innere Reise durch den Hyperspace

"Saw Lightning" könnte dann tatsächlich ein Track auf einer Pharrell-Williams-Platte sein. Der Song passt mit seiner Slacker-Slide-Gitarre und dem hüpfenden Beat zwar nicht ganz in das Klangbild von "Hyperspace" hinein, doch gerade dafür schätzt man den Grammy-Gewinner. Gegen Ende des Albums entschleunigt der Kalifornier seine innere Reise durch den Hyperraum. Das Stück "Dark Places", das an Pink Floyds "Us And Them" erinnert, und "Stratosphere" (Background-Gesang von Chris Martin) könnten aus Becks Folk-Perle "Morning Phase" (2014) stammen, auch weil darauf seine langjährigen Musikerkollegen Jason Falkner, Smokey Hormel und Roger Manning Jr. instrumentale Minimalismus-Nadelstiche setzen.

"Faster, farther, longer, harder / I just want more and more / Beauty, light and crushing life / I just want to feel more and more / In hyperspace", giert Beck Hansen im Titeltrack und bleibt mit "Hyperspace" der unangefochtene Meister der Metamorphose. Am Ende kann man einmal mehr nur mit den Ohren schlackern angesichts dieser Qualität und sich fragen: Was bitteschön kommt als Nächstes?

Dominik Schmidt

Beck - Uneventful Days

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