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Noel Gallagher's High Flying Birds

Oasis in der Disco?

Noel Gallagher schwingt mit seinen High Flying Birds das Tanzbein, kommt auf der neuen EP "Black Star Dancing" allerdings ein bisschen hüftsteif rüber.

  • Zwei Jahre nach dem Album "Who Built The Moon" veröffentlichen Noel Gallagher's High Flying Birds eine EP im Madchester-Stil: "Black Star Dancing". Foto: Sour Mash / Indigo
  • Auch wenn er hier wieder ziemlich miesepetrig aussieht: Auf der neuen EP seiner High Flying Birds, "Black Star Dancing", präsentiert sich Noel Gallagher als Discofuchs in Tanzlaune. Foto: Mitch Ikeda

Eigentlich sollte es verboten sein, mit Bezug auf Soloprojekte der Gallagher-Brüder Noel und Liam das Wort "Oasis" zu benutzen. Jeder Vergleich mit dem Werk der legendären Britpopper aus Manchester schürt eine Erwartungshaltung, der vor allem Noel Gallagher gar nicht gerecht werden will. Das letzte Album seiner High Flying Birds etwa, "Who Built The Moon" (2017), schielte sehr auf 60er-Psychedelic und klang an manchen Stellen wie ein musikgewordener LSD-Trip. Für die neue EP "Black Star Dancing" geht Noel Gallagher noch einen Schritt weiter und widmet sich der Fusion aus Indie und Disco, die vor knapp 30 Jahren als "Madchester" bekannt wurde.

In den Vorstellungen der Fans spielen Oasis natürlich doch eine Rolle. So werden sicher einige altgewordene Rockfans die Köpfe schütteln und sich darüber wundern, wie aus dem "Rock'n'Roll Star" ein tanzender Discofuchs werden konnte. Dabei ist der Titelsong "Black Star Dancing" mit seiner diktierenden Bassline alles andere als ein großer Aufreger. Noel läuft singend über die Tanzfläche, gegen Ende gibt es noch ein Gitarrensolo, und dann ist der Spuk auch schon vorbei. Noch die interessanteste Vorstellung zu diesem Song: Nile Rodgers soll dazu im Studio getanzt haben.

Kurzweilig, aber unspektakulär

Auf den Titelsong folgt mit "Rattling Rose" ein zurückgenommenes Indiepop-Stück mit 60er-Flair, in dem eine geheimnisvolle Frau besungen wird. "Sail On" als dritter neuer Song rückt dann ein Banjo in den Fokus und schunkelt sich den River Mersey hinauf Richtung Küste - wirklich aufregende neue Ideen hört man nicht heraus. Für die DJ-Playlisten wir die Single "Black Star Dancing" dann noch vom Londoner Produzenten The Reflex auf satte zehn Minuten aufgebläht. Diese Version lässt sich lange Zeit für ein Intro und ist, was die jüngere Vergangenheit angeht, das schlechtere "Reflektor" von Arcade Fire.

Am Ende ist die EP "Black Star Dancing" eine kurzweilige Angelegenheit, die aber vermutlich niemanden sonderlich interessieren oder aufregen würde, wenn nicht irgendwie doch Oasis ihren zeitlosen Schatten auf alles mit den Namen Gallagher werfen würden. Für sich genommen kann man diese neuen Songs der High Flying Birds aber durchaus genießen. In den YouTube-Kommentaren bringt es ein wohlwollender Hörer auf den Punkt: "Wenn ihr das Oasis-Gefühl wollt, dann geht zu Oasis."

Arne Lehrke

Noel Gallagher's High Flying Birds - Black Star Dancing

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