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Bones UK

Rock'n'Roll Businessplan

Als Ausdrucksform von Rebellion spielt Rockmusik für junge Hörer heute kaum noch eine Rolle. Das weibliche Duo Bones UK möchte das ändern - oder geht es hier doch nur ums Geschäft?

  • Im Netz haben sie bereits einige Songs veröffentlicht, nun folgt der logische nächste Schritt: Bones UK veröffentlichen ihr Debütalbum, das sie schlicht "Bones UK" nennen. Foto: Warner Music
  • Carmen Vandenberg (links) und Rosie Bones bilden das aufstrebende Rock-Duo Bones UK. Foto: Sumerian Records

Wer im 21. Jahrhundert an einer "Academy of Contemporary Music" studiert und dann eine Rockband gründet, hat entweder gar nichts begriffen, oder er beziehungsweise sie meint es tatsächlich ernst. Die Gitarristin Carmen Vandenberg studierte an der ACM im britischen Surrey und arbeitet seit einigen Jahren mit Sängerin Rosie Bones am Aufstieg ihrer Band Bones UK. Nach einer Phase in London ist das Duo inzwischen nach Los Angeles übergesiedelt, wo schon viele Rocker-Karrieren Fahrt aufnahmen, und auch sonst scheinen die zwei jungen Frauen genau zu wissen, was sie tun. Auf erste im Netz verbreitete Songs folgt nun mit "Bones UK" ihr selbstbetiteltes Debütalbum: laute Gitarren, Rebellentum und Pop, irgendwo zwischen Kommerz und Leidenschaft.

T-Shirts, Bauchtaschen und Hoodies findet man im professionell aufbereiteten Online-Store der Band, bis zuletzt wurde das Album "Bones UK" dort auch noch in einem limitierten Deluxe-Paket für 100 Dollar angeboten. Auf diesem Album gibt es zwölf Songs, und zu acht davon wurden bereits Musikvideos gedreht. Keine Frage: Bones UK sind bereit für den Durchbruch, und vieles am Auftritt der Band riecht schon jetzt nach "big business".

Smells like big business

Die Videos sind alle schwarz-weiß, meist sieht man Rosie Bones und Carmen Vandenberg, die zur Musik performen oder einfach nur frech, aufreizend oder cool posieren. Bones hat gelegentlich einen Zahnstocher im Mund, womöglich hat sie sich das als Markenzeichen ausgedacht. Die Szenen erinnern ein wenig an Mädchen, die sich im Schulklo treffen, um zu rauchen und ihre "Botschaften" an die Fliesen zu schmieren. "Beautiful Is Boring", "Filthy Freak", "Pretty Waste", "Girl's Can't Play Guitar" - die mehrheitlich sehr plakativen Titel der Songs verraten viel über den Geist dieser Band, die sich selbst als "anti-konformistisch" bezeichnet.

Die Videos und die Texte, die Bones und Vandenberg als selbstbewusste Außenseiterinnen stilisieren, sind nicht sonderlich originell oder tiefgründig, der Sound von Bones UK aber ist zumindest bemerkenswert. Das Duo spielt energiegeladene Rockmusik mit harten Riffs und auffallend vielen Solo-Einlagen, untermalt von schnörkellosem Drum-Gepolter und drahtigen Synthesizern, die man vor einigen Jahren noch dem Industrial-Genre zugeordnet hätte. Demgegenüber gehören aber auch moderne, ausgesprochen eingängige Pop-Refrains zu dieser Musik, etwa in "Leach" oder "Creature".

Man kann sich Bones UK gut in den gleichen Playlisten vorstellen wie etwa eine Billie Eilish, denkt beim Hören aber eher an Billy Idol, Hole, Marilyn Manson oder die Nine Inch Nails - also nichts, was wirklich noch mit "contemporary music" zu tun hätte oder bei Hörern unter 20 angesagt wäre. Passend dazu findet sich auf "Bones UK" auch eine Coverversion von David Bowies "I'm Afraid Of Americans", einem seiner eher unpopulären Songs. Ob Bones UK damit nun eine Lücke schließen oder mittelfristig am Zielpublikum vorbeispielen, wird sich zeigen. Ernst meinen Bones und Vandenberg es aber ganz bestimmt mit dieser Musik, die den Rock'nRoll als Ausdrucksform für jugendlichen Protest wiederentdecken will. Wenn sie nebenbei auch noch einen soliden Businessplan haben - umso besser.

John Fasnaugh

Bones UK - Pretty Waste

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