MyMz

Babymetal

Schwarz ist das neue Rosa

Trash oder Trend? "Metal Galaxy" ist bereits das dritte Album von Babymetal, und ihr skurriles Konzept findet immer mehr Anhänger.

  • Süß und brutal - das ist der Kawaii-Metal von Babymetal, aktuell zu hören auf dem neuen Album "Metal Galaxy". Foto:
  • Eintauchen in die "Metal Galaxy": Die japanische Girlband Babymetal erfreut sich auch international zunehmender Beliebtheit. Foto: Earmusic / Amuse Inc.

Die Kombination ist eigentlich durchaus schlüssig: Heavy Metal und Hard Rock erfreuen sich in Japan seit jeher einer ungeheuren Popularität; Bilder von fanatischen Fans und ausverkauften Arenen sind an der Tagesordnung. Und dass eine Ästhetik der Verniedlichung in der fernöstlichen Kultur fest verankert ist, hat die westliche Welt spätestens durch Manga-Comics und den Hello-Kitty-Wahn mitbekommen. "Kawaii" nennt sich das Konzept, das übersetzt so viel bedeutet wie "liebenswert", "süß" oder auch "kindlich". Entsprechend lautet die Stilbezeichnung für die Musik von Babymetal auch "Kawaii-Metal".

"Babymetal, bestehend aus Su-Metal und Moametal, wurden vom Mastermind Kobametal im Jahre 2010 gegründet und haben sich seitdem eine musikalische Ausnahmestellung im Music Business erarbeitet", heißt es begleitend zum neuen Album "Metal Galaxy" in der offiziellen Biografie. "Ausnahmestellung", das ist diplomatisch ausgedrückt. Su-Metal und Moametal sind niedliche junge Damen, von einer Talentagentur aufgezogen, denen eine gut ausgebildete Metal-Band zur Seite gestellt wird. Für sich betrachtet ist die Musik zwar wenig mehr als ein zusammengeklauter Mix aus diversen Subgenres des Heavy Metal, J-Pop und EDM, doch das Produkt Babymetal funktioniert als Unterhaltungspaket mit Choreografie, Kostümen und großer Bühnenshow bestens.

Piepsstimmen, Mini-Röcke und Thrash-Salven

Während die Peinlichkeiten offensichtlich sind, ziehen Babymetal ungestört immer größere Kreise. Ins Vorprogramm von Lady Gaga und Metallica wurden sie geholt; sie traten 2018 bei Rock Am Ring und 2019 in Glastonbury auf, spielten mit Rob Halford (Judas Priest) und erreichten mit "Metal Resistance" 2016 in den britischen Charts den 15. Platz - das schaffte vor ihnen noch keine andere japanische Band. Paradox scheint das Ganze nur auf den ersten Blick. Es ist der "Lieb-mich-oder-hass-mich"-Effekt, der hier mit voller Wucht zuschlägt. Babymetal kann man als außergewöhnlich nervig oder außergewöhnlich faszinierend bezeichnen. Außergewöhnlich sind sie in jedem Fall.

Wird das Land der aufgehenden Sonne nun zum Land des untergehenden Metals? Nein. Die vierzehn Songs von "Metal Galaxy" sind keine Raubtiere, sondern Stubenkater. Dank sei den zuckersüßen Refrains und zigfach gehörten Harmonien. Das Besondere ist einzig die Mischung. Sie führt im besten Falle zu ebenso simplen wie ansteckenden Pop-Metal-Songs. So ist es beispielsweise gut vorstellbar, dass selbst der eine oder andere Gegner das in die Menge gebellte "Pa Pa Ya!!" nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Im schlimmsten Falle jedoch kommt eine Nummer wie "Oh! Majinai" heraus, die wie eine verunglückte Santiano-Hommage über die Planken torkelt. Auch Sabaton-Sänger Joakim Brodén, der den Damen hier assistiert, liefert keine gesangliche Glanzleistung ab.

Zwischendurch rast "Distortion" mit Unterstützung von Arch-Enemy-Frontdame Alissa White-Gluz durch die Metal-Galaxie, während "Shine" sich in balladeske Regionen zurückzieht und "Shanti Shanti Shanti" in Richtung Orient wandert. Sind Babymetal am Ende tatsächlich das belanglose Kunstprodukt, welches es wagt, das wertvolle Schwermetall in einen Topf mit jeder Menge Plastikspielzeug zu werfen? Oder ist das hier vielmehr ein scheuklappenfreies, gut aufgelegtes und intelligent inszeniertes Spektakel? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen, aber der Erfolg gibt Babymetal recht: Nachdem sie unter anderem bereits einige gefeierte Auftritte in den USA, England und Frankreich absolvierten, waren auch die nahenden Konzerte in Hamburg, Köln und Berlin zuletzt schon so gut wie ausverkauft.

Babymetal auf Tour:

08.02. Hamburg, Große Freiheit 36

13.02. Köln, Carlswerk Victoria

14.02. Berlin, Huxleys

Alexander Diehl

Babymetal - Pa Pa Ya!!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht