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The 1975: A Brief Inquiry Into Online Relationships

- Polydor Records

  • The 1975 - A Brief Inquiry Into Online Relationships Foto: Universal Music
  • The 1975 aus Manchester sind inzwischen auch international erfolgreich. Von links: Ross MacDonald (Bass), George Daniel (Schlagzeug), Matthew Healy (Sänger, Gitarrist) und Adam Hann (Gitarre). Foto: Universal Music

Das Beste der 80er-, 90er- und der Nuller-Jahre - das ist das Motto vieler Hit-Radiosender. Im Fall von The 1975 findet man all das gebündelt in einer einzigen Band. Auch wenn der Bandname Erinnerungen an ein anderes Jahrzehnt wecken will. Die Gruppe aus Manchester vermischt kantigen Indie-Rock mit zuckersüßen Pop-Versatzstücken zu einem eigenwilligen Ganzen. Dabei gelingt ihr der Spagat, Alternative-Fans ebenso anzusprechen wie Mainstream-Hörer. Nachdem 2016 mit "I Like It When You Sleep ..." auch der internationale Durchbruch gelang, ist nun der Nachfolger "A Brief Inquiry Into Online Relationships" erschienen.

Es ist das inzwischen dritte Album des Quartetts, das einst aus einer Schülerband hervorging. Musikalisch hat sich seit dem Vorgänger einiges getan. Während bei "I Like It When You Sleep, For You Are So Beautiful Yet So Unaware Of It" lediglich der Titel sperrig war und die Songs kuschelpoppig säuselten, erklimmen The 1975 mit "A Brief Inquiry Into Online Relationships" ein neues künstlerisches Level. Das spürt man vor allem bei abgefahrenen Klangexperimenten wie dem Intro "The 1975", bei dem sphärischen Kopfkino-Soundtrack "How To Draw / Petrichor" oder auch bei der minimalistisch-surrealen Ballade "Surroundend By Heads And Bodies".

Das Markenzeichen der Band hat dabei weiter Bestand: die Fähigkeit, smarte Arrangements und Extravaganz zu einem wohlgefälligen Gesamtkunstwerk zu kombinieren, das auch manchen Hit bereithält: "Give Yourself A Try" wummert poprockig, und bei "Tootime Tootime Tootime" schunkelt der Duracell-Hase zur repetitiven Melodie. Rockig wird es dann bei "Love It If We Made It", wenn Gitarrist, Songwriter und Sänger Matthew Healy wütende Kulturkritik herausschreit.

Auch das macht den Charme von The 1975 aus: Wer genau hinhört, entdeckt eine Tiefsinnigkeit, die in den ansonsten Charts selten anzutreffen ist. Das gilt auch für "Be My Mistake": Während der Song im Akustikgitarren-Stil zunächst wie eine romantische Ballade wirkt, entpuppt er sich am Ende als ein bitteres Anti-Liebeslied mit der Message: Ich saufe mir den Abend mit dir schön, aber nüchtern betrachtet brauche ich dich nur als Ersatzbefriedigung.

Daneben wird dann eben auch den vergangenen goldenen Zeiten des Pop wieder Tribut gezollt: Der Titel "Sincerity Is Scary" klingt mit seinem Soul-Flair und dem unterstützenden Chor wie ein verschollener Prince-Track; auch das vom Rhodes-Piano begleitete Stück "I Couldn't Be More In Love" feiert den Sound der 80-er. Und wenn in "I Like America & America Likes Me" dann ausgiebig mit Vocoder-Effekten gearbeitet wird, sind The 1975 doch wieder ganz im Hier und Jetzt.

Der wohldosierte Mix aus Indie, Pop und Retro-Charme verhalf dem letzten Album zu Platz eins in den USA, England, Kanada, Australien und Neuseeland (Platz 28 in Deutschland). Solche Erfolge sind mit dem dritten Album ebenfalls denkbar. "A Brief Inquiry Into Online Relationships" ist reifer und ambitionierter als die Vorgänger, aber es bleibt immer dieses ohrenschmeichelnde Element, das die Fans an The 1975 so sehr schätzen. Das Beste der 80er-, 90er- und Nuller-Jahre - es klang selten so anziehend wie hier.

Bewertung: ausgezeichnet

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