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Dope Lemon

Trocken schmeckt's am besten

Wenn jemand weiß, wie man an der Gitarre schwelgt, dann ist es Angus Stone. Mit seinem Projekt Dope Lemon beweist er erneut, dass Musik auch aus der Zeit fallen darf, um sich die Entspannung zu holen, die es manchmal braucht.

  • Merke: Bekiffte Zitronen können Pferde nicht von Katzen unterscheiden. Angus Stone veröffentlicht mit "Smooth Bog Cat" das zweite Album seines Seitenprojekts Dope Lemon. Foto: Warner Music
  • Stilvoller Genießer: Angus Stone alias Dope Lemon begibt sich mit dem Album "Smooth Big Cat" auf einen entspannten musikalischen Roadtrip. Foto: Jennifer Stenglein

Der australische Sänger Angus Stone ist im Duo mit seiner Schwester Julia seit Jahren eine feste Größe in der Folk-Szene. Doch der Kritiker-Liebling wechselt für seine Releases auch gerne mal seinen Namen, wie zum Beispiel bei dem Nebenprojekt Lady of the Sunshine oder wie bei seinem neuesten Werk, das er unter dem Pseudonym Dope Lemon veröffentlicht. Für das Album "Smooth Big Cat" empfiehlt der Pressetext, die Musik mit einem Whiskey in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand zu genießen. Dabei hören sich die zehn Songs eher wie ein Roadmovie an. Es passiert zwar nicht viel in den Songs von Dope Lemon, aber man fühlt sich dem Protagonisten trotzdem sehr nah.

Die Basslinie der Single "Hey You" lässt den Motor langsam an, biegt auf die endlose Landstraße und fordert den Hörer zum Einsteigen auf. "Hey you, what are you doing over there?", fragt Stone zurückgenommen, aber bestimmt. Lässt man sich auf die Fahrt ein, erlebt man mit "Salt & Pepper" ein langsames Gitarrenstück, das die Ruhe zelebriert und irgendwo Richtung "Riders On The Storm" von The Doors driftet, ohne jemals richtig Fahrt aufzunehmen. Auf halbem Weg brummt auf "Lonely Boys Paradise" ein Synthesizer wie eine Fliege, die sich über ein offenes Fenster ins Auto verirrt hat, bevor für "Give Me Honey" ein Zwischenstopp in einer lokalen Bar gemacht wird und es vielleicht ein kurzes Techtelmechtel in einem selten besuchten Motel gibt.

Rauch und Whiskey

Nach Rauch und Whiskey schmeckt jede Sekunde auf "Smooth Big Cat". Die fast gehauchten Vocals von Stone mäandern zwischen Romantik und Staub, zwischen ein bisschen zu viel Konsum und den bevorstehenden Kopfschmerzen. Der Titelsong mischt Drum Machine mit Streichern und bildet damit den größten stilistischen Ausreißer aus dieser nostalgischen Gitarren-Welt voller "Dope & Smoke" und mechanischen Bullen.

Die zweite Platte von Dope Lemon (das Debüt "Honey Bones" erschien 2016) ist ein aufgeräumtes, nachdenkliches Album für lange Fahrten, bei denen man das Auto nicht an die Grenzen peitscht, sondern die Zeit findet, das Drumherum wahrzunehmen oder sich in den eigenen Gedanken zu verlieren. Am Ende pustet Stone für das Lo-Fi-Stück "Hey Man, Don't Look At Me Like That" sogar noch den Staub aus der Mundharmonika und verabschiedet sich in den frühen Morgenstunden, wenn die Müdigkeit nach der Schwelgerei schwer auf den Li(e)dern liegt.

Arne Lehrke

Dope Lemon - Hey You

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