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Silbermond

Zum Glück nichts "Solides"

Die nächsten "Schritte" von Silbermond: Das sechste Album bewegt sich zwischen handgemachten Klängen und modernen Pop-Rock-Produktionen.

  • Surreales Cover, bodenständige Texte: das sechste Silbermond-Studio-Album "Schritte" bewegt sich zwischen Träumerei und ernsten Themen. Foto: Sony Music
  • Quartett aus Bautzen: Silbermond poprocken mit "Schritte" wieder durch die Radiolandschaft. Foto: Sony Music/Jens Koch

"Leichtes Gepäck" hieß das fünfte Album von Silbermond, aufgenommen in einer Welthauptstadt der Musik: Nashville. Aber auch da warf mancher Kritiker dem Bautzener Quartett wieder vor, nicht "leicht", sondern eher seicht unterwegs zu sein. Eine Band, die sich auf gefälligen Radio-Pop ohne Ecken und Kanten reduzieren lässt, waren Silbermond aber noch nie. Das gilt auch für "Schritte", das inzwischen sechste Studioalbum der Band.

Stefanie Kloß (Gesang), Johannes Stolle (Bass), Thomas Stolle (Gitarre, Klavier) und Andreas Nowak (Schlagzeug) zeigen abseits der Bühne immer wieder klare Kante, wenn es um gesellschaftliche Themen geht. Dazu gehört etwa auch ein deutlich artikuliertes "Nein!" zu Rassismus. Und: Auch die Musik ist keineswegs so banal, dass sich hier immer nur "Herz" auf "Schmerz" reimen würde. Okay, manchmal reimt sich bei Silbermond "Kuss" und "Schluss", aber alles in allem sind auch die Texte von "Schritte" wieder ein Stück originelle Pop-Poesie, bei der sich genaues Zuhören lohnt.

Ernst gemeinter Pop

"Träum ja nur (Hippies)" war wohl nicht ohne Grund ein Single-Vorbote vor dem Album-Release. "Was wollen die Hippies nur?", lässt Stefanie Kloß in einer Zeile fragen. Das lyrische Ich antwortet: "Entspann dich, ich träum ja nur". Silbermond träumen dann von einer besseren Zukunft, in der niemand mehr weiß, was die Worte "Rassist" und "homophob" bedeuten, und fordern: "Alle Hände in die Luft für die Musik und den Frieden!" Was auch immer man von dieser Herangehensweise an die komplexen Probleme der modernen Welt hält: Authentisch wirken Silbermond hier auf jeden Fall.

Hätte Stefanie Kloß es nötig, bei Dieter Bohlen für "Deutschland sucht den Superstar" vorzusingen, würde er nach der Kostprobe wohl urteilen: "Ich glaube dir jedes Wort, das du singst." Die Texte des neuen Albums wirken einmal mehr, als würde die Band dem Hörer vertrauensvoll ihr Tagebuch öffnen. Das gilt schon für den Opener "Schritte". Die Akustikgitarren-Popnummer ist eine kurze Autobiografie in Noten, von der ersten Kippe und der ersten Liebe bis zum Ankommen in der Band, die zur Familie wird (Stefanie Kloß und Thomas Stolle sind seit 2018 Eltern eines gemeinsamen Sohnes).

Ein schöner Schluss

Ein Händchen für clevere Arrangements beweisen Silbermond vor allem mit "Was Freiheit ist". Nach einem ruhigen Einstieg steigert die Nummer sich zu einem Stück Bombast-Rock mit einer von E-Gitarren zementierten Wall of Sound. Dazu stellt die Band die Frage, ob Freiheit eher der volle Geldbeutel oder doch eher der leichte Rucksack ist.

Produktionstechnisch changieren die zehn "Schritte" des neuen Albums zwischen ansprechendem Singer-/Songwriter-Handwerk und Studiotechnik auf der Höhe der Zeit, wobei Tempo und Stimmung stets variieren. Treibende, schnelle Stücke ("Bestes Leben", "Silbermond") und kraftvolle Titel ("Luftschloss") wechseln sich ab mit balladesken und ruhigen Songs ("In meiner Erinnerung", "Ein schöner Schluss").

Die Single "In meiner Erinnerung", ein von Streichern begleitetes Stück Trauerarbeit, ist das dunkelste Kapitel auf diesem neuen Album, aber auch eines der eindrucksvollsten: "Mit jedem Tag, der vergeht, lebst du weiter in meiner Erinnerung". Im Titeltrack "Schritte" widmet Stefanie Kloß sich auch den Skeptikern, die ihr in jungen Jahren rieten, statt der Musikerkarriere "lieber was Solides" zu suchen. Gut, dass sie nicht darauf hörte - die Silbermond-Fans hätten sonst viel verpasst.

Michael Eichhammer

Silbermond - Träum ja nur (Hippies)

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