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Die eine und die andere Steffi Denk

„Ich bin zwei Personen“, sagt die Sängerin aus Straubing. Die eine der beiden wäre zu sensibel für das, was die andere macht.
Von Angelika Sauerer, MZ

Regensburg.Am Anfang hören noch gar nicht alle zu. Telefone klingeln, Stimmen murmeln, Tastaturen klappern. Steffi Denk steht am Eingang des Raums und singt live in ein Radiomikrofon. „When you’re down and troubled, and you need some loving care...“ Die Worte wehen unverstärkt durch die Luft, schleichen sich sanft in alle Ohren und dämpfen für einen Moment die Betriebsamkeit, mit der Prominente aus der Region an diesem Tag Spenden sammeln für schwerkranke Kinder und Freiwillige Feuerwehren. „Close your eyes and think of me, and soon I will be there.“ Wie ein Arm, der tröstet und festhält, legt sich ihre Stimme um die Schultern der Leute.

„You’ve Got a Friend“ heißt das Stück von 1971, das Carole King schrieb und James Taylor zum Nummer-1-Hit machte. Es passt zum BMW-Spendentag, keine Frage. Es passt aber mindestens genauso gut zu Steffi Denk – wenn man es genau nimmt, sogar Wort für Wort.

„Wenn ich privat unterwegs bin, bin ich verletzlich“

Freund sein und Freunde haben, ist für sie wichtiger als alles andere. Mit ihrer Stimme, die hell klingen kann wie ein unschuldiges Glockenspiel, tief röhren wie Louis Armstrong, soulig schmettern wie Aretha Frankling und kokett verführen wie Bette Davis, hätte sie überall hinkönnen. Dazu ihr Spaß am Spaß: Steffi Denk (34) ist ein Entertainer, der mit Witz und Ironie sich selbst und die Bandkollegen auf die Schippe nimmt. In ihrem aktuellen Programm „Alles Liebe, oder was?“ mit den „Flexible Friends“ improvisiert sie zwischen den Stücken munter drauf los, die Zuschauer lachen Tränen. Privat ist sie anders, zurückhaltender. Nicht dauernd lustig. „Ich sag’ immer, ich bin eigentlich zwei Personen.“ Manchmal wird die schüchterne Steffi mit der robusten verwechselt. „Wenn ich privat unterwegs bin, bin ich verletzlich. Ich würde zum Beispiel nicht ins Schwimmbad gehen.“

Wer singt, gibt ohnehin schon genug von sich preis. Singen sei ein bisschen, wie sich selbst zu entblößen, erklärt Steffi später ihrer Schülerin Rosi. Denn es ist der eigene Körper, der den Ton erzeugt, kein Instrument, das man in die Hand nehmen und wieder weglegen kann. Die Stimme existiert nicht ohne den Menschen dahinter. Und wenn der gerade Kummer hat, nicht angeschaut werden mag und sich unschön fühlt, wird man das vielleicht hören. Steffi sitzt am Keyboard, ihr gegenüber steht Rosi, rechts und links von ihr Spiegel. Tonleiterübungen mit „Gerda“, „Mona“, „Uli“, „Jannis“. „Hast du heut’ Stress gehabt?“ fragt Steffi und wirft der Rosi einen fürsorglichen Blick über den Rand ihrer Brille zu. „Ja, schon ein bisschen“, antwortet sie. „Hab’ ich mir doch gedacht.“

Es hilft aber nichts, Gefühle aus der Stimme zu verbannen, im Gegenteil: Die coolen Techniker können ihre Zuhörer nicht berühren. Wahrscheinlich liegt genau darin die Kunst einer Sängerin wie Steffi Denk: empfindlich zu sein und gleichzeitig professionell. Da treffen sich ihre zwei Personen in einer Stimme, die sensible und die selbstbewusste. „Du musst es spüren“, sagt Steffi Denk. Und dich trauen, es auch rauszulassen. „They’ll hurt you, yes, and desert you, and take your soul if you let them“, singt sie Carole Kings Lyrics am Spendentag. Kalte Menschen, die einem die Seele rauben. Man muss zwar nicht alles selbst erlebt haben, worüber man singt, aber nachfühlen sollte man es in dem Moment können. „Wie ich heute singe, das ist ein Eigenprodukt. Ich singe jedenfalls nicht nur technisch.“

„Wir sind keine Musikerfamilie. Ich schlag’ a bissl aus der Art“

Begonnen hat sie mit dem Singen zu Hause in Steinach bei Straubing, in ihrem Zimmer. Ein Teenager, „stinkfaul“ in der Schule, der karierte Hemden trug und recht gruftimäßig unterwegs war. Sie hörte Metal, wie die große Schwester, und Roxette – was halt so im Radio lief. Der Papa stand auf Ernst Mosch, Steffi war fasziniert von Aretha Franklin. „Wir sind keine Musikerfamilie“, erklärt Steffi. „Ich schlag’ a bissl aus der Art.“ Es waren dennoch die Eltern, die ihr zutrauten, aus dem Talent einen Beruf zu machen. Die Mutter schenkte ihr eine Ella-Fitzgerald-Box – ihre erste Begegnung mit Jazz. Nach der Realschule in Bogen besuchte Steffi Denk drei Jahre lang die Berufsfachschule für Musik in Plattling und schloss als „Staatlich geprüfte Singschullehrerin“ ab. Danach wusste sie: Die Klassik ist nicht ihr Ding. Also studierte sie am Music College in Regensburg Jazz und Popularmusik, später unterrichtete sie auch an der Music Academy. Da hatte sie sich in der Region längst einen Namen gemacht.

„Fürs Lateinamerikanische fehlt mir die Leichtigkeit“

Ulli Forster, Dozent in Plattling und am College sowie Musikalischer Leiter vieler Projekte und Musicals am Theater Regensburg, warf sie einfach ins kalte Wasser: „Da stellst dich hin und singst, hat er gesagt.“ Er verschaffte ihr einen Part im Chor der „Rocky Horror Show“. Der zweite, der früh an sie glaubte, war Bob Rückerl, der Gitarrist und Saxophonist ist 2009 gestorben. Legendär sind Steffis Auftritte mit den „Zick Sisters“. Auch mit den „Flexible Friends“ erntet sie Begeisterung. „An den Reaktionen sieht man, dass es kein totaler Krampf ist, was man abliefert“, sagt Steffi trocken. Man meint ja, sie könne alles singen. „Nein“, wehrt sie ab. „Fürs Lateinamerikanische fehlt mir die Leichtigkeit.“ Ein Höhepunkt war die Tour mit den Swing-Legenden Max Greger, Hugo Strasser und Paul Kuhn 2005/2006. Da hat sie in den großen Hallen gesungen: Alte Oper Frankfurt, Gewandhaus Leipzig. Danach war sie froh, wieder daheim zu sein. „Eine spannende Zeit. Aber momentan ist mir das Private wichtiger“, sagt sie.

Ihr Mann Claus Goebel – Steffi heißt eigentlich Denk-Goebel –, ihre Katzen Simba und Momo, ihre Familie, ihre Freunde. „Meine Schwester und ich sind so erzogen werden, dass man aufeinander aufschaut. Dass man sich um einander kümmert.“ Hans „Yankee“ Meier, der Gitarrist, mit dem sie seit 14 Jahren das Duo „Voice & Strings“ bildet, sagt, zwischen der Steffi und ihm stimmte von Anfang an die Chemie – musikalisch und sonst auch.

„Oh yeah, you’ve got a friend“ – als die letzten Akkorde verklingen, ist es ganz still geworden beim Spendentag, dann Applaus. Und während die Fotos geschossen werden und die Geschäftigkeit langsam wieder Überhand gewinnt, zwirbelt Steffi Denk den rubinroten Anhänger ihrer Kette, schaut kokett über die Schulter zurück und sagt: „Manchmal frag’ ich mich: Wie wär’s, wenn ich eine Eisdiele hätt’? Oder ein Café? Oder einen Schmuckladen?“

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