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Die Stimme des Sports


Von Angelika Sauerer, MZ

  • Als „King Arthur“ auf seinem Tourenrad vorbeirollt, imitiert Armin Wolf den Boxkampf-Ansager. Fotos: Sabine Franzl
  • Normalerweise trainiert er ja allein. Für unsere Autorin Angelika Sauerer macht er im Dörnbergpark eine Ausnahme – und drosselt sein strammes Tempo.
  • Armin Wolf und Armin Wolf – Laufen für einen guten Zweck
  • Immer ohne Skript: Armin Wolf gibt live fürs Radio durch.

Als alles vorbei ist, nimmt er kurz die Baseballkappe ab und wischt sich mit seinem Stofftaschentuch über die Stirn. Dann holt er langsam Luft und lässt sie ruhig durch die leicht geöffneten Lippen ausströmen. Das ist der Schlusspunkt hinter drei Stunden Anspannung – der letzte, nicht mehr ganz öffentliche Punkt, den Armin Wolf an diesem lauen Sommerabend setzt, bevor er zusammenpackt und mit seiner Frau Alexandra heimgeht.

Wenn es typisch für einen Moderator und Sportreporter sein sollte, ohne Punkt und Komma zu reden, dann ist Armin Wolf (52) kein typischer Vertreter seiner Zunft. Seine Aussagen sind klar, sie haben Inhalt und Botschaft und sie verlieren sich nicht im Nirwana eines Schachtelsatzes. Exakt eine Stunde vor dem Start der Laufveranstaltung sagte er: „Der Countdown läuft. 1900 Läuferinnen und Läufer werden jetzt genau in einer Stunde starten. Mit dabei sind die drei Schnellsten vom letzten Jahr.“ Aus dem Stegreif nennt er die Namen.

Armin Wolf hat nie ein Skript,

denn „frei kommt’s besser rüber“

Der Punkt – nicht nur der am Ende eines Satzes – ist etwas, mit dem man Ostbayerns Kultmoderator recht gut charakterisieren kann: Armin Wolf ist auf den Punkt präsent, vorbereitet, konzentriert. Kein Wort zu viel und keins zu wenig. Sein Briefing enthält Infos und Stichpunkte, aber ein Skript hat er nicht. „Hab’ ich nie.“ Er hat es ausprobiert, aber es lag ihm nicht. „Frei kommt’s besser rüber“, sagt er. Die „Sportstimme Ostbayerns“ braucht keine ausformulierten Texte, um sich daran festzuklammern.

Mit der rechten Hand umschließt er das Mikrofon, die linke legt sich fast schützend drüber. Er ist ganz bei sich und bei der Sache. Kein bekanntes Läufergesicht entgeht ihm, zu vielen weiß er eine Anekdote. Triathlet Manfred kennt er vom Schwimmtraining: „Der überholt selbst die Fische“, erzählt er dem Publikum. Die Mannschaft der Bayerischen Staatsforsten bedenkt er mit der Frage, wer denn nun auf den Borkenkäfer aufpasse, während sie in Mannschaftsstärke beim REWAG-Firmenlauf antreten. Freilich übersieht er auch die Cheerleader im Publikum nicht. Und einem Mittfünfziger ruft er zu: „Peter, du siehst noch gut aus.“

Er weiß ja, wovon er redet. Wie man sich fühlt nach sechs Kilometern Laufen in der gleißenden Abendsonne. Nach einem Zirkeltraining mit Sit-ups und Liegestützen. Beim Fußball in der Mittagshitze. Nach einem oder auch zwei Kilometer Schwimmen. Oder einem 50-Kilometer-Rennrad-Trip bergauf bergab. Auch das ist typisch für Armin Wolf: Er hat nicht nur ein Herz für den Sport, sondern selbst ein Sportlerherz. Mit 13 hat er angefangen, intensiv Sport zu treiben, da ging er aufs Regensburger Goethe-Gymnasium. Jetzt trainiert er gerade für den Compexx Triathlon Regensburg am 4. August (Sprintdistanz: 500 m Schwimmen, 20 km Radfahren, 5 km Laufen). Dass der Sport keinen hageren Kerl aus ihm gemacht hat, liegt an einer weiteren Leidenschaft: gut essen. „Ausgerechnet Schweinebraten mag ich besonders gern“, erzählt Armin Wolf fast ein wenig zerknirscht.

Dabei ist genau das seine Stärke: Er ist einer wie du und ich – und doch auch ein bisschen einer wie die Sportler, über die er berichtet. Er ist begeisterter Fan und seriöser Berichterstatter in einem, ob er nun live auf Charivari vom Fußball, vom Eishockey, vom Judo berichtet, den Arber-Radmarathon moderiert oder beim Kelheimer 24-Stunden-Rennen einheizt: ein glaubwürdiges Bindeglied zwischen den Akteuren und ihren Zuschauern. Authentisch nennt man so einen. „Ich bin so, wie ich bin“, nennt es Armin Wolf.

Er kann sich genau daran erinnern, als er mit fünf Jahren das erste Mal den SSV Jahn Regensburg spielen sah. Einmal hat ihn der Vater zu einem wichtigen Aufstiegsspiel gegen die SpVgg Weiden mitgenommen. Die Stimmen der Schlachtenbummler klingen heute noch in seinem Ohr, die riefen: „Hi ha ho, Weiden ist k. o.“ Dem Jahn drückt er auch in dieser Saison wieder die Daumen – er kann gar nicht anders. „Ich fühl’ da wirklich mit.“

Das hört man – und auch die typische Regensburger Dialektfarbe, die sein Hochdeutsch dezent tönt. Er biedert sich nicht bayerisch an, im Gegenteil. „Gemach, gemacht!“, ruft er, als einer im Pulk beim Zieleinlauf die Ellbogen ausfährt. Wer solche Wörter in seinem Schatz hat, liest viel. Auf Armin Wolfs Nachtkästchen liegen historische Romane und Krimis, aber auch Sachbücher und Klassiker. Er hat das ja studiert nach dem Abitur 1980 und der Bundeswehrzeit: Deutsch, Geschichte und Sozialkunde. Alexandra, mit der er bald seit sechs Jahren verheiratet und schon viel länger zusammen ist, teilt seine Interessen. „Wir können am Abend manchmal stundenlang beisammensitzen und uns austauschen“, sagt Armin Wolf. Das Lesen und die Liebe zur Sprache seien sein Sicherheitsnetz für den Job. Und das große Glück ist, dass auch seine Frau daran mitknüpft.

Vor 25 Jahren wurde er entdeckt – und vom Fleck weg engagiert

„Kiiiiiiing Aaarthuuuuuur“, ruft er in der Manier der Boxansager, als Arthur Kink, mit 83 ältester Teilnehmer des 24-Stunden-Radrennens, mit seinem Tourenrad und der Fliege-Puck-Sonnenbrille an ihm vorbeirollt. Das Publikum johlt begeistert mit. Armin Wolfs Markenzeichen ist auch die Stimme – markant, hell, aber gleichzeitig voll und intensiv. Kein sonores, glattes Radioorgan, sondern eine eindrucksvolle Charakterstimme, an die man sich erinnert. Entdeckt wurde sie 1988, vor 25 Jahren. Armin Wolf war Fußballtrainer in Hemau und wurde als solcher von Radio Donauspatz (jetzt: gong fm) interviewt – und vom Fleck weg engagiert. Sein erstes Interview führte er mit keinem Geringeren als dem früheren Fußballtrainer Dettmar Cramer. Wenig später schickte man ihn ins Jahn-Stadion, drückte ihm ein Telefon in die Hand – für die Live-Übertragung. Damals arbeitete er noch als Industriekaufmann bei einer Abensberger Chemiefirma. 1997 wurde er schließlich Sportchef im Funkhaus Regensburg (Charivari, gong fm).

Seine Eishockey-Übertragungen sind legendär – im alten Stadion noch von der Telefonzelle vor der Jugendherberge aus – genau wie seine Judo-Reportagen. Als Abensberg einmal Meister wurde, rissen die Fans vor Begeisterung seinen Stuhl um. Armin Wolf redete im Fallen und Liegen weiter, als wär’ nichts gewesen. Und ob es ohne seine Unterstützung in Regensburg das modernste Baseball-Stadion Deutschlands geben würde, ist fraglich. Die Legionäre dankten es ihm, indem sie es Armin-Wolf-Arena tauften. Spätestens von da an ist er nicht nur in seiner Heimatstadt ein Begriff.

Kürzlich kaufte er in einer anderen als seiner Stammbäckerei ein. Als er seine drei Semmeln bestellte, unterbrach ihn die Verkäuferin: „Sie san der Armin Wolf.“ „Ich bin gleich ganz rot geworden“, erzählt er, „aber so geht’s mir oft“. Seine Bekanntheit in der Region nutzen Armin und Alexandra Wolf für wohltätige Zwecke. Armin Wolf hat, unterstützt von Sponsoren, ein Laufteam zusammengetrommelt, das seit 2010 bei verschiedenen Events antritt und dabei bereits 13 000 Euro an Spenden sammelte. Außerdem verleiht er gegen einen Beitrag die FC-Bayern-Chronik an Firmen oder Vereine. Dabei sind schon 9000 Euro zusammengekommen. Armin Wolf unterstützt vor allem lokale Hilfsorganisationen und karitative Einrichtungen, bei denen man „mit kleinen Beträgen viel bewirken“ kann. Auch beim Firmenlauf ist sein Team am Start – darunter sein Namensvetter Armin Wolf, ein Ultraläufer, mit ihm nicht verwandt und nicht verschwägert.

Armin Wolf, das Unberechenbare und die Punktlandung

Beim Triathlon nächsten Sonntag ist Armin Wolf, der Moderator, selbst dabei. Sein Training ist auf den Punkt geplant. Er freue sich auf den Wettkampf, sagt er, bloß mit dem Schwimmen in der Donau hadert er ein bisschen. Armin Wolf mag kein undurchsichtiges Wasser. Er will wissen, was auf ihn zukommt. Und trotzdem fasziniert ihn gerade das Unberechenbare, vor allem am Sport. Deshalb stürzt er sich jeden Tag wieder ins Ungewisse.

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