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Literatur

Philosoph mit Bodenhaftung

Rüdiger Safranski hat sich als Meisterbiograf einen Namen gemacht. Seine Werke haben Tiefgang – und hohe Auflagen.
Von Jürgen Ruf, dpa

  • Der Philisoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski, in seinem Wohnhaus in Badenweiler: Er gehört zu den auflagenstärksten deutschen Philosophen der Gegenwart. Foto: Patrick Seeger/dpa
  • Der Philisoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski, in seinem Wohnhaus in Badenweiler: Er gehört zu den auflagenstärksten deutschen Philosophen der Gegenwart. Foto: Patrick Seeger/dpa

Badenweiler. Rüdiger Safranski nähert sich Größen der Geschichte ebenso wie den kleinen Dingen der Gegenwart. Er hat vielbeachtete Biografien geschrieben über bedeutende deutsche Literaten. Und er widmet sich, als Philosoph und Schriftsteller, den Fragen der Zeit. Sein Anspruch: Intellektuelle Themen sollen offen sein für Laien. Safranski, der im süddeutschen Rottweil geboren wurde und in Badenweiler südlich von Freiburg lebt, wird am 1. Januar 70 Jahre alt.

„Ich möchte grundsätzliche Fragen berühren, ohne die Bodenhaftung zu verlieren“, sagt Safranski am Schreibtisch in seinem Haus in Badenweiler. Die nächsten Wochen sind für ihn mit Schreibarbeit verbunden. Er arbeitet an seinem neuesten Buch. Es widmet sich in zwölf Kapiteln dem Thema Zeit und soll im Herbst erscheinen. Es ist das Buch zu seinem 70. Geburtstag.

Erstling über E.T.A. Hoffmann

Safranski gehört zu den auflagenstärksten deutschen Philosophen der Gegenwart. Vor 30 Jahren, 1984, hat er sein erstes Buch auf den Markt gebracht. Es war ein Werk über den Schriftsteller E. T. A. Hoffmann. Seither hat sich Safranski einen Namen gemacht, indem er sich mit Personen der Geschichte auseinandersetzt. In literarischen Kreisen wurde er dafür auch mit dem Titel „Meisterbiograf“ geadelt.

„Es sind Figuren, die nicht aktuell sind, aber trotzdem lebendig“, sagt Safranski. „Und sie werfen grundsätzliche Fragen auf, die bis hinein in die Gegenwart reichen.“

Eindringliche Erinnerungsarbeit

Seine Biografien sind international bekannt und gerühmt. So setzte sich Safranski mit den Philosophen Arthur Schopenhauer, Martin Heidegger und Friedrich Nietzsche auseinander. Und er widmete sich publikumswirksam den Dichterfürsten der deutschen Klassik, Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Ihm gelingt es, die philosophische Ader seines Publikums anzuregen, zu unterhalten – und dabei immer auch der Sache gerecht zu werden. Und Safranski verzichtet, im Gegensatz zu anderen, wohltuend auf Selbstinszenierung.

„Seine Bücher sind beinahe so lesenswert wie die Werke der Autoren, mit denen sie sich befassen“, urteilte im Frühjahr 2013 der mittlerweile verstorbene Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. 2014 erhielt Safranski dafür eine Reihe von Auszeichnungen: den Josef-Pieper-Preis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und den Thomas-Mann-Preis. Die Jurys würdigten ihn als „faszinierenden Erzähler der europäischen Kulturgeschichte“ und bescheinigten ihm „eindringliche Erinnerungsarbeit, die einer großen Leserschaft die Begegnung und Auseinandersetzung mit dem philosophischen und literarischen Erbe der deutschen Geistesgeschichte ermöglicht“.

„Sonst schreibt man ins Leere“

„Ich arbeite im Wechsel. Nach einer Biografie kommt immer ein philosophisches Werk zu Grundsatzfragen“, sagt Safranski im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Beachtung fanden unter anderem sein Buch „Wie viel Wahrheit braucht der Mensch?“ sowie seine Werke zur Globalisierung und zur Freiheit. Mit dem Buch zum Thema Zeit will Safranski dieses Wirken nun fortsetzen.

„Er ist ein Freund und ein wichtiger Impulsgeber“, sagt der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk über seinen Kollegen. Sloterdijk und Safranski haben zehneinhalb Jahre die ZDF-Sendung „Philosophisches Quartett“ moderiert. Beide wurden auch durch diese Fernsehtätigkeit bekannt. Im Schnitt schauten eine halbe Million Menschen zu. Doch das ZDF stellte die Reihe im Frühjahr 2012 ein. Auch andere TV-Engagements der Philosophen fanden ein Ende.

„Es ist wichtig, dass ich als Schriftsteller nicht nur am Schreibtisch sitze“, sagt Safranski. „Ich muss auch raus an die Rampe und unter die Leute. Das ist elementar, weil man sonst ins Leere hinein schreibt und denkt.“ Leser bekämen so ein Gesicht, geben Anregungen. Deshalb hält Safranski Vorträge und stellt sich Diskussionen. Und lehrt an der Freien Universität (FU) Berlin. Dort hat er in den 1970er Jahren Literaturwissenschaft studiert.

Sein Geburtstag fällt mit dem Jahreswechsel zusammen: „Als kleiner Junge dachte ich, es wird wegen mir geböllert.“ Besonders gefeiert wird nicht. Literarisch will Safranski aktiv bleiben. „Ich gehe nicht aufs Altenteil“, sagt er. „Ich schreibe und arbeite so lange, wie es meine Kräfte zulassen.“

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