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Musik

Pop für Fans von Schnösel-Attitüde

Vier Österreicher ziehen aus, den Schlager zu retten. Ihr neues Album „Schick Schock“ ist ein Manifest des Hedonismus.
Von Sebastian Fischer, dpa

Sänger Maurice Ernst und seine Gruppe Bilderbuch: Am 27. Februar kommt das neue Album „Schick Schock“ der österreichischen Popband auf den Markt.
Sänger Maurice Ernst und seine Gruppe Bilderbuch: Am 27. Februar kommt das neue Album „Schick Schock“ der österreichischen Popband auf den Markt. Foto: Christoph Pöll/Wilde Schneider/dpa

Wien.Eigentlich könnte man beinah ein Dutzend Oden auf die dritte Platte von Bilderbuch schreiben. Eine pro Song. Allein wegen „Plansch“ oder „Maschin“ lohnt es sich, ab 27. Februar nach dem neuen Album der vier Wiener Ausschau zu halten. Der Rest auf „Schick Schock“? Ein gnadenlos toller Sound.

Zehn Jahre gibt es Bilderbuch. Acht davon lief die Ex-Schülerband trotz der beiden guten Indierock-Alben „Nelken & Schillinge“ und „Die Pest im Piemont“ etwas unterhalb des Musikradars. Dann kam 2013 die EP „Feinste Seide“, die mit dem vorhergehenden Sound rigoros brach. „Wir sind immer schon eine suchende Band gewesen“, erklärt Sänger Maurice Ernst den Wandel im Interview der dpa. „Bissl älter, bissl g’scheiter“ seien sie geworden. Heute bekommen Feuilleton und Musikpresse regelrecht feuchte Augen, wenn die Sprache auf Bilderbuch kommt. Die Beatsteaks, Casper und Seeed haben sich die Österreicher gleich mal als Tour-Vorgruppe geschnappt.

Im gelben Hochglanz-Lamborghini

„Schick Schock“ ist ein einziges Hit-Album. Einmal ist da „Maschin“, der Soul-Kracher mit einer der wohl coolsten Bass-Hooklines. „Steig jetzt in mein Auto ein“, säuselt der 26-jährige Sänger und streicht im Video mit Lederhandschuhen über einen Lamborghini in gelbem Hochglanz. Hedonismus pur. „Die noch geilere Nummer“ ist für Ernst aber die Schwimmbecken-Hymne „Plansch“. „Wenn du Angst vor der Zukunft hast, kauf dir einen Pool, wenn du zu viel Geld hast, schmeiß es in den Pool“, heißt es darin. Das funky „Gigolo“ strotzt nur so vor impulsiver Sexiness. Und das Laid-Back-Stück „Barry Manilow“ klingt nach einer nächtlichen Cabrio-Fahrt über die Promenade von Miami.

„Es fängt wieder ein bisschen der lässige Zugang zur Musik an“, sagt Ernst. Gemeint sind österreichische Bands. Der Sound auf „Schick Schock“ liegt irgendwo zwischen Rock, Soul, Funk und R&B, zwischen Kanye West, Prince und virtuosem Wahnsinn. Die Welt retten will hier keiner. Diskurspop: Fehlanzeige. Bilderbuch sind eher Genussmenschen. Für diejenigen, die kein Problem mit hipper Schnösel-Attitüde haben, ist die Platte wie geschaffen. Am selben Tag bringt auch Nena ihr neues Album heraus. Wer es im deutschsprachigen Pop aber lieber richtig frisch und entstaubt mag, greift besser zu „Schick Schock“.

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