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Adoro: Bombast ist Trumpf

Mit Pathos aufgeladener Pop: Das Männerensemble Adoro sang sich in Regensburg quer durch die Charterfolge jüngerer Zeit.
Von Ulrich Alberts, MZ

  • Das Opernsänger-Ensemble Adoro ist seit dem letzten T&T-Auftritt 2010 zum Quartett geschrumpft. Foto: altrofoto.de
  • Smarte Vokalkünstler: Die singende Herrenrunde Adoro lockte Fans aus dem ganzen Bundesgebiet nach Regensburg. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Bei ihrem Schloss-Debüt 2010 bestand die Boygroup Adoro noch aus fünf ausgebildeten Opernsängern. Nun ist die singende Herrenrunde auf vier Mitglieder geschrumpft, keiner weiß warum. Geblieben ist das Erfolgsrezept dieser glorreichen Vier, aus Pop-Hits Arien im orchestralen Gewand zu machen. Dafür gab es rasch eine Dreifach-Platin-Schallplatte und zwei Echo-Nominierungen.

Begleitband bleibt anonym

„Nah bei Dir“ heißt die aktuelle Tournee von Adoro. Leider erfährt man nichts über die Arrangeure der dargebotenen Songs, die man im Booklet der gleichnamigen CD mit der Lupe suchen muss. Auch über die Begleitband mit dem fantastischen Tim Spohn an der E-Gitarre, das Damen-Orchester mit seinem Taktstockschwinger nebst der die Tasten des Flügels mit flinken Fingern bearbeitenden Pianistin fehlen die Angaben.

Große Fingerfertigkeit bewies die Berliner Pianistin Ming, die eine Gershwin-Einlage spielte.
Große Fingerfertigkeit bewies die Berliner Pianistin Ming, die eine Gershwin-Einlage spielte. Foto: altrofoto.de

Die Namen sind im immer wieder aufbrandenden kurzen Beifall der Zuhörer, der erst am Ende kräftiger aufschäumte, akustisch nicht verständlich. Dies gilt angesichts der weitgehenden Einheitslautstärke auch für die Texte. Bombastik ist für Nico Müller, Peter Dasch, Jandy Ganguly und Asaf Kacholi Trumpf. Markantestes Beispiel dafür: der staunenswerte und rauschhafte Vortrag der Pianistin, die mit Schnipseln aus dem Solo- und Orchesterpart von Gershwins „Rhapsody in Blue“ eine Kurzfassung dieses von Ferde Grofé instrumentierten Welthits darbot.

Karat-Hit als Rausschmeißer

So ging es quer durch den Musikgarten der Bestseller und Ohrwürmer der letzten Jahrzehnte. Es begann mit „Applaus, Applaus“ der Sportfreunde Stiller, setzte sich fort mit Xavier Naidoos „Wo willst Du hin“, dem eine unsägliche Bearbeitung von Charles Trenets „La Mer“ folgte. Von warmen und einfühlsamen Stimmen war in der mit viel Pathos aufgeladenen Wiedergabe kaum etwas zu spüren.

Subtiler gestalteten die Herren Roger Ciceros „Ich atme ein“, Max Raabes „Küssen kann man nicht alleine“ sowie „Ich glaube“ von Udo Jürgens. Doch den Superhit „Atemlos“ von Kristina Bach wusste schon Helene Fischer gefühlvoller zu gestalten. Dem Wiedererkennungswert geschuldet war die Interpretation der Bond-Titelmelodie, bei der die Streicher beweglich spielten und das Blech markant, aber nie zu massiv seine Töne beisteuerte. Bei Andreas Bouranis „Auf uns“ trommelten die nun in weiße Sakkos gekleideten Sänger gegen Ende ihrer eigenwilligen Klang-Stoffsammlung wie wild und sie entließen ihre Fans mit der rockigen Suite „Über sieben Brücken“ von Karat sowie einer gefühlvoll dargebotenen „Schicksals“-Ballade in die Sommernacht.

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