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Bayrisch-deftige Schenkelklopfer

Bei den Regensburger Schlossfestspielen wurde es mit Dialekt-Versionen bekannter Opern richtig zünftig.
von Andreas Meixner, MZ

Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg mussten sich erst warmlaufen.
Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg mussten sich erst warmlaufen. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Fast hatte man am Mittwoch den Eindruck, die Atmosphäre der Schlossfestspiele entspannt sich nach den ersten intensiven Tagen, die im Umfeld der Konzertereignisse doch überwiegend dem Boulevard und dem Schaulaufen gehörten. Eine wohlige Gelassenheit macht sich breit. Die Festivalgäste aus Nah und Fern scheinen im Flanieren eine Routine entwickelt zu haben. Und mit großer Selbstverständlichkeit wurde zum Konzert „Opern auf bayrisch“ auch Tracht getragen. Der Schlosspark war voll von bunten Röcken, Schürzen, Spitzenblusen und Lederhosen. Mal modisch überzeichnet, aber auch ganz traditionell.

So bekamen die halbszenischen Lesungen der bayerischen Versionen von „Carmen“, Don Giovanni“ und „der Barbier von Sevilla“ auch über die Bühne hinaus gleich einen passenden Rahmen, der der Gesamtstimmung zuträglich war. Die musste sich jedoch erst entwickeln. Es brauchte ein wenig, bis Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg, allesamt große Namen bajuwarischer Schauspielkunst, sich mit ihrem Vortrag in den Abend einfanden und Betriebstemperatur entwickelten. Vor allem Lerchenberg wirkte in der ersten halben Stunde nicht recht angekommen, fast gelangweilt.

Die Mittelbayerische Zeitung war live dabei mit Schlossfestspiele-TV

Schlossfestspiele-TV: Tag 6

Er, der zusammen mit Anthoff zur legendären Besetzung der Fernsehfassung von „Die Löwengrube“ gehörte, zum genialer Stoiber-Parodist am Nockherberg wurde und seit 2004 Intendant der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel ist, brauchte seine Zeit. Ganz anders das Orchester: eine abgefahrene Mischung aus Jazz-Combo, Salon-Orchester, Dixie-Band und Blasmusik, gewürzt mit anarchischen Anleihen an der Biermösl Blosn. Alles herrlich überzogen in der Vermischung der Opern-Arien mit Volksmusik, Jazz und Schlager. Wild ging es zwischen den Stilarten hin und her.

Der heimliche Star

Zitate aus Opern-Arien werden selten zu Ende gespielt, oder in einer grotesken Besetzung dargebracht. Don Giovannis Mord am Komtur wird frech mit Kurt Weills „Mackie Messer“ aus Brechts Dreigroschenoper untermalt. Die Arrangements aus der Feder von Friedrich Meyer sind komplex, aufwendig und wechseln so schnell ihre Stilistik, dass es einem schwindelig wird. Percussionist Werner Hofmeister wird dabei zum heimlichen Star des Abends, wenn er blitzartig zwischen spanischen Kastagnetten, Flaschen und dann zu alten Töpfen und Pfannen wechselt, oft nur für einen kleinen Moment. Er zupft, schlägt, singt und pfeift, was das Zeug hält. Wenig davon ist improvisiert, sondern minutiös auf den Punkt trainiert und Teil einer verrückten Partitur. Wie so oft bei derartigen Spaßformationen ist die scheinbare Leichtigkeit die hohe Kunst der Professionalität.

Alle Musiker, sämtlich Mitglieder großer Münchner Orchester, sind technisch über allen Zweifel erhaben. Nur manchmal hat man den Eindruck, weniger wäre mehr. Nämlich dann, wenn es zu klamaukig und albern wird, wenn der Witz brachial mit dem Dampfhammer erzwungen wird. Freilich ist diese Grenze schwer auszuloten.

Mehr Bilder vom bayerischen Opern-Abend finden Sie hier:

"Oper auf Bayrisch" bei den Festspielen

Das gilt auch für die Texte aus der Feder von Paul Schallweg (1914–1998), die in der Gesamtwirkung schon deftig und schenkelklopfend daherkommen. Er selbst schreibt im Vorwort der ingesamt 25 Parodien: „Bei an bairischen Gedicht muss Sprach und Handlung zammapassn.“ Genau diese Handlungen aus Spanien und Italien werden daher kurzerhand ins tiefste Bayern verlegt. Es sind süffige, zweifelsohne unterhaltsame und lustige Parodien, die nicht nur den Opernstoff persiflieren, sondern sie mit volkstümelnden Klischees vermengen.

Große Kunst am Sprachwitz

Der tragische Held aus Carmen, Don José, wird zum Sepp, Don Giovanni zum Graf Hallodri und Der Barbier von Sevilla zum Bader von Ruahpolding. Dass es insgesamt auch feiner geht, war den drei Sprechern zu verdanken. Sie entlockten der sprachlichen Derbheit – mit viel Gefühl für Dialekt und Timing – Farben und Schattierungen, die weit über die Humoristik der drei bayerischen Opernversionen hinausreichten. Das war dann große Kunst am Sprachwitz und an der Liebe zum Wort.

Das steigerte sich über den ganzen Abend hinweg, weil zum Ende der Text zur Rossini-Oper auch der Beste war. Da blühten alle drei regelrecht auf, schlüpften noch intensiver in die verschiedenen Rollen und gaben ihre dilettantische Sangeskunst zum Besten. Auf der Bühne hatten man jetzt großen Spaß mit den schrägen Charakteren und improvisierte feindosiert zur großen Freude des Publikums. Als Zugabe gab es eine Kurzfassung von Madame Butterfly in hohem Tempo. Ebenso bayerisch deftig wie der ganze Abend!

Alle Nachrichten zu den Schlossfestspielen 2016 finden Sie hier.

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